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Kostenfaktor Personal: Private Großbanken bauen massiv Stellen ab

Deutschlands private Großbanken bauen massiv Stellen ab. Mit ihrer Ankündigung vom Montag, 3 400 von insgesamt 40 000 Arbeitsplätzen einzusparen, folgt die Commerzbank dem gegenwärtigen Trend. Allein bei den drei Frankfurter Großbanken wird befürchtet, der Stellenrückgang könne in den nächsten zwei Jahren bis zu 30 000 der aktuell 190 000 Jobs ausmachen.

dpa FRAnKFURT/M. "Eine realistische Zahl", bestätigt der Banken- und Börsenforscher Wolfgang Gerke. Fluktuation und Frühpensionierung reichen dazu nicht mehr aus. Entgegen den Ankündigungen der Banken können auch Entlassungen nicht mehr ausgeschlossen werden. "Viele Häuser werden den Weg der Abfindung gehen müssen", unterstreicht Gerke.

Sinkende Gewinne nach dem Ende der Börseneuphorie sowie das teure Filialnetz haben den Kostendruck auf die deutschen Geldhäuser erhöht. Der Zwang zum Sparen trifft vor allem die Belegschaften. Das Personal ist bei den Finanzdienstleistern mit rund zwei Dritteln der größte Kostenblock.

Vor allem niedrig qualifizierte Mitarbeiter ohne Spezialausbildung müssen künftig um ihren Job bangen. Dies ergab eine Studie unter Leitung von Professor Gerke in Zusammenarbeit mit dem Zentrum für europäische Wirtschaftsforschung in Mannheim. Die Forscher rechnen damit, dass der Rückgang bei der Beschäftigung im Finanzsektor - neben den Banken auch die Versicherungen - noch bis 2006 anhalte. Die Zahl der Stellen werde um zehn Prozent sinken, sagt Gerke.

Gleichzeitig würden bei Banken mehr spezialisierte Arbeitsplätze etwa im IT-Bereich entstehen. Mehr Stellen werde es auch bei den sonstigen Finanzdienstleistern geben. "Dies fängt aber das Volumen der Ausscheidenden nicht auf", betont der Bankenexperte von Universität Erlangen-Nürnberg.

Neben der Commerzbank treten auch die anderen Großbanken mit Hilfe von Arbeitsplatzabbau auf die Kostenbremse. Der Branchenriese Deutsche Bank wird in den kommenden zwei Jahren weltweit 2 600 von insgesamt 98 000 Jobs streichen. Das geschehe auf dem Weg der normalen Fluktuation, versichert Sprecherin Daniela Elvers. Auch bei der Münchner Hypovereinsbank sind zehn Prozent der rund 72 000 Arbeitsplätze im Visier der Kostenkontrolleure.

Die Dresdner Bank baut bis 2003 rund 7 800 der gut 50 000 Stellen ab. Betroffen sind vor allem Filialen und die Sparte Investment- Banking. Der Gesamtbetriebsratsvorsitzende der Dresdner Bank, Peter Haimerl, ist jedoch zuversichtlich: "Ich glaube, der Trend hat seinen Höhepunkt erreicht." Das Filialnetz könne nicht noch weiter ausgedünnt werden.

Doch der Druck auf die Banken hält nach Ansicht des Bankenexperten Martin Haug auch künftig an: So müssten Geldhäuser fortwährend die Investoren mit steigenden Aktienkursen überzeugen. Voraussetzung dafür sei eine ständige Kontrolle der Kerngeschäftsfelder auf Rentabilität. "Gerade im Privatkundengeschäft ist diese aber gemessen an der Eigenkapitalquote mager", erläutert der Bankenanalyst der SEB.

Betriebsrat Haimerl hofft unterdessen, dass der Markt wieder dreht und die Anlagebereitschaft auch der breiten Kundschaft zunimmt. Den Grund für die weit verbreitete Kritik eines zu dichten Filialnetzes sieht Haimerl in der starken Stellung der Sparkassen in Deutschland. Für die privaten Banken erwachse durch diese "quasi subventionierte Konkurrenz" ein zusätzlicher Wettbewerbsnachteil.

Für den Sparkassen- und Giroverband besteht trotz schwacher Konjunktur kein Grund zum Handeln. Die Zahl der rund 283 000 Sparkassenmitarbeiter bleibe konstant, sagt Sprecher Stefan Marotzke. Auch bei den Volks- und Raiffeisenbanken würden die insgesamt 171 000 Arbeitsplätze gehalten. Nach Angaben des Bundesverbands sei dort "trotz reger Fusionstätigkeit kein nennenswerter Stellenrückgang zu verzeichnen", sagt Sprecher Rolf Kiefer. Eine Änderung dieses Trends werde für die nächste Zeit nicht erwartet.

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