Kostenlose Informationen sind im Internet noch immer die Regel
Kein leichtes Spiel

Die Macher von Xame gehen vom 28. Mai an aufs Ganze: Sie stellen ihr Internetportal zum Thema Spiele auf kostenpflichtige Inhalte um. "Wenn es uns in drei Monaten noch gibt, dann war es ein Erfolg", sagt Axel Poettinger, einer der Gründer. So radikal wie das kleine Unternehmen aus München steuern die etablierten Spiele-Portalseiten noch nicht um.

jgo DÜSSELDORF. Xame ist kein besonders großes Angebot im Internet. Unglaublich erfolgreich ist das Fan-Netzwerk auch nicht. Die Sammlung verschiedener Fremdseiten, der kleine redaktionelle Bereich, ein Forum und etwas Nutzwert brachten den Betreibern von der Stage Internet Services GmbH aus München nach eigenen Angaben immerhin 60 000 Unique Visitors im Monat. In einer Woche wird sich entscheiden, ob die Mischung bei den Nutzern wirklich ankommt. Das Fan-Netzwerk will von diesem Zeitpunkt an, für den Zugriff auf die meisten Inhalte eine Monatsgebühr in Höhe von 4,80 DM verlangen.

"Wir konnten nicht mehr länger warten", sagt Mitgründer Axel Poettinger. 400  000 DM haben die Macher bislang in das Portal investiert. Aber das Geld reichte nicht lang. "An Venture Capital haben wir auch mal gedacht, aber da ist momentan nichts zu machen", sagt Poettinger. Also ruhen jetzt alle Hoffnungen darauf, dass die Nutzer tatsächlich bereit sind, für die Inhalte zu zahlen. Nicht ganz freiwillig ist Xame damit ein Vorreiter in der Branche.

Webauftritt als Zusatz zum Heft

Thomas Borovskis, Leiter des Geschäftsbereichs Online bei der Computec Media, die sich auf Hefte für PC-Spiele spezialisiert hat, kann sich derzeit nicht vorstellen, dem Beispiel zu folgen. "Wir haben derzeit überhaupt keinen Plan, in dieser Hinsicht den Vorreiter zu spielen, denn noch herrscht bei den Kunden die Vollkaskokostenlos-Mentalität", sagt er. Vor einem halben Jahr hat sich der Verlag, dessen Portalseite PC Games rund 3,4 Millionen Seitenabrufe im Monat verbucht, selbst an einem Bezahlangebot versucht. Die besten Tipps und Tricks würden leidenschaftlichen Spielern Geld wert sein, hoffte Computec Media. Tatsächlich waren die Erlöse "verschwindend gering", erinnert sich Borovskis. "Warum sollten die Nutzer auch bezahlen, wenn es den Inhalt an anderer Stelle kostenlos gibt?" Den Internetauftritt sieht Borovski "als Serviceprodukt für unser Heft". Offline und online konkurriere der Verlag vor allem mit dem Wettbewerber Gamestar; der Markt für die reinen Internet-Anbieter sei sowieso schwer durchschaubar. "Man weiß gar nicht, wer gerade wen übernommen oder Pleite gemacht hat."

Trockene Weiden auf der Spielefarm

Vor knapp einem Jahr hatten einige Anbieter bereits schon einmal einen Plan gehabt, wie sie mit der Kombination aus Spielebegeisterung und Internet Geld verdienen könnten. Unternehmen wie Sonnet verfolgten das Ziel, einen Internetzugang zum Pauschaltarif mit kostenpflichtigen Onlinespielen zu koppeln. Ehe die Serverfarmen im großen Stil den Betrieb aufnehmen konnten, hatten Vielnutzer, die den Zugang als Standleitung einsetzten, aber bereits die Kalkulation über den Haufen geworfen.

Dabei träumen noch immer viele Manager von Spielewelten im Internet. Auch auf der größten Spielemesse der Welt, der E3 in Los Angeles, ging es um die Verknüpfung von Spielen mit dem Internet. Einige Anbieter können schon jetzt von Online-Spielen leben. Everquest ist so ein Beispiel. Die Plattform, die von Sony betrieben wird, zieht weltweit Tausende Spieler in Bann. Auch für Ultima Online, ebenfalls ein Rollenspiel im World Wide Web, sind so viele Spieler bereit, Geld zu bezahlen, dass der Betreiber Electronic Arts es sich leisten kann, 200 Mitarbeiter für die Spielfläche bereit zu halten.

Nur Sex darf etwas kosten

Kostenlose Werbung für die Spiele sind die Websites eingeschworener Fans; Portale wie Mystics oder Talkhouse heizen die Spielleidenschaft weiter an.

Gerade die Fülle an frei erhältlichen Informationen aber macht es Inhalte-Anbietern schwer, für ihren Service Geld zu verlangen. Für die Xame-Macher geht es um die Weiterexistenz. Dass die Umstellung nicht einfach werden wird, ist ihnen bewusst. Ihr Preismodell sieht vor, dass die Nutzer sich für einen Monat festlegen. Längere Zeiträume seien im Internet undenkbar. Ihr Partner ist das Unternehmen Firstgate, das für die komplette Abwicklung bis zu 30 Prozent vom Umsatz einbehalten wird. In einer Pressemitteilung verbreiten sie Optimismus, sprechen von "unschätzbaren Erfahrungen", die man sammeln will, aber Poettinger weiß: "Sex ist eigentlich der einzige Bereich, bei dem der Gedanke, dafür Geld zu bezahlen, schon lange selbstverständlich ist."

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