Kostenpflichtiges Angebot erst im kommenden Jahr
Bertelsmann steht trotz Start-Verzögerung zu Napster

Die Musiktauschbörse Napster hat ihren Neustart erneut verschieben müssen. Napster werde erst im kommenden Jahr als kostenpflichtiges Angebot ins Netz zurückkehren, sagte Firmenchef Konrad Hilbers am Montag (Ortszeit) bei einer Konferenz zu Online-Musik in Los Angeles.

Reuters HAMBURG. Der Medienkonzern Bertelsmann steht eigenen Angaben zufolge zu seinem Engagement bei Napster, obwohl die Online-Musiktauschbörse ihren Start als kostenpflichtiger Abo-Service erneut verschoben hat. "Napster bleibt unser strategischer Partner", sagte am Dienstag ein Sprecher der Bertelsmann eCommerce Group (BeCG), die für die Allianz mit dem kalifornischen Start-Up-Unternehmen zuständig ist. Das neue Angebot soll nach den Worten von Napster-Chef Konrad Hilbers nun in den ersten drei Monaten 2002 starten. Zuletzt war ein Start noch in diesem Jahr vorgesehen und ursprünglich für den vergangenen Sommer geplant gewesen.

Bertelsmann war vor fast genau einem Jahr eine strategische Allianz mit Napster eingegangen. "Napster entwickelt sich weiter fort", sagte Hilbers am Montag (US-Ortszeit). Die größte Hürde für Napster sei, Musiklizenzen zu bekommen. Napster hatte sich kürzlich mit zahlreichen Musikverlagen als Inhaber der Kompositionsrechte auf die Lizenzierung von Liedern geeinigt. Eine Einigung mit den meisten großen Musikkonzernen, die auch an der Produktion und dem Vertrieb von Musik verdienen, steht aber noch aus. "Die traditionellen Musikunternehmen müssen neue Allianzen mit Dritten eingehen, um neuen Schwung in das Geschäft zu bringen", sagte Hilbers. "Wenn das nicht anders möglich ist, muss die Regierung für eine wettbewerbsfreundliche Atmosphäre sorgen."

Das US-Justizministerium untersucht derzeit, ob die großen Konzerne den Online-Vertrieb von Musik widerrechtlich kontrollieren wollen. Sony Music und Vivendi Universal wollen ihre Künstler online über das Joint Venture PressPlay vermarkten, AOL Time Warner, EMI, die Bertelsmann Music Group (BMG) und RealNetworks haben mit MusicNet ein vergleichbares Gemeinschaftsunternehmen.

Der BeCG-Sprecher sagte, die Technologie sei einsatzbereit, es liege nun noch am Inhalt. "Der neue Kredit und die Technologie-Vereinbarung zeigen, dass wir nicht nur an das Produkt Napster, sondern auch an die Technologie dahinter glauben." Bertelsmann gewährte Napster bisher zwei Kredite und hat die Option, Anteile von Napster zu erwerben. Bertelsmann will die neue Sicherheits-Software von Napster auch für ihren eigenen Online-Vertrieb von Musik nutzen.

Das von einem US-Teenager vor gut zwei Jahren entwickelte Napster hatte in wenigen Monaten Mill. von Nutzern angezogen, die über die Website komprimierte Musikdateien tauschten. Da den großen Musikunternehmen dabei Einnahmen entgingen, verklagten sie Napster wegen Urheberrechtsverletzung. Seit diesem Frühjahr musste Napster urheberrechtlich geschützte Lieder aus dem Angebot herausfiltern und ging im Juli freiwillig ganz vom Netz. Napster drohen Schadenersatzforderungen in Millionenhöhe.

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