Kostensenkung
Daimler strafft die Lkw-Sparte

Daimler-Chrysler reorganisiert das Nutzfahrzeuggeschäft. Durch die Bündelung von Querschnittsfunktionen will der Automobilkonzern nach Informationen des Handelsblatts in den nächsten Jahren Synergien in Höhe eines "höheren dreistelliger Millionenbetrages" erzielen.

brb STUTTGART. Daimler-Chrysler wollte weder Einsparungsziele noch Strukturveränderungen kommentieren. "Von Zeit zu Zeit sind strukturelle Anpassungen an die strategischen Ziele notwendig", erklärte ein Daimler-Sprecher auf Anfrage lediglich. Im strukturellen Bereich gebe es noch erhebliche Chancen, um Synergiepotenziale zu erschließen. Im Vorstand sei aber nichts entschieden.

Derzeit diskutiert Eckhard Cordes, Daimler-Chrysler-Vorstandsmitglied und Nutzfahrzeugchef, die neuen Strukturen noch mit dem Management und den Betriebsräten. Voraussichtlich nächste Woche soll dann der Vorstand die neue Struktur beschließen.

Über eine Reorganisation der Nutzfahrzeugsparte wird schon seit Jahren diskutiert. Schon die Vorgänger von Cordes, Kurt Lauk und Dieter Zetsche, jetzt Chrysler-Chef, hatten entsprechende Überlegungen angestellt, waren aber nie lang genug im Amt, sie umzusetzen. Das Problem: Daimler-Chrysler ist zwar bei Nutzfahrzeugen Weltmarktführer und verkauft fast doppelt so viele Fahrzeuge wie Volvo, die Nummer zwei im Markt. Die Umsatzstärke konnte aber bislang nicht in Ertrag umgesetzt werden. Im Gegenteil: Die Krise bei der amerikanischen Lkw-Tochter Freightliner ließ die Daimler-Nutzfahrzeugsparte in den vergangenen zwei Jahren tief in die roten Zahlen rutschen.

Motoren aus eigener Produktion

Die jetzt geplante Neustrukturierung betrifft die drei Geschäftsbereiche Mercedes-Benz Lkw, Powersystems (Motoren, Achsen und Getriebe) - wozu auch Detroit Diesel (Motoren) gehört - sowie Freightliner. Nach Informationen des Handelsblatts sollen die Bereiche jedoch nicht komplett zusammengelegt werden. Cordes sucht nach einer intelligenten Verzahnung von Querschnittsfunktionen wie Entwicklung, Vertrieb oder Einkauf. Die Produktion dagegen soll von der Verzahnung ausgenommen werden. Ein Personalabbau ist offenbar nicht beabsichtigt, heißt es im Unternehmen. Nicht betroffen sind die anderen drei Nutzfahrzeugbereiche Transporter, Omnibusse und Off-Highway-Antriebe (Schiffsmotoren).

Bisher arbeiten die Lkw-Sparten im Daimler-Konzern kaum zusammen. Jeder Geschäftsbereich besitzt eine eigene Entwicklung, einen eigenen Vertrieb und Einkauf. "Es kam vor, dass ein Motor nicht in ein neues Lkw-Gehäuse passte, nur weil die Zusammenarbeit nicht funktionierte", konkretisiert ein Mitarbeiter teure Pannen. Deshalb sollen künftig vor allem die Lkw- und Motoren-Mannschaft enger zusammenrücken. Ein weiteres Problem: Bis vor kurzem hat beispielsweise Freightliner kaum Mercedes-Motoren eingebaut, sondern lieber bei amerikanischen Fremdherstellern teuer zugekauft.

Unter Cordes hat sich hier bereits einiges geändert. Freightliner baut jetzt auch in Deutschland gefertigte Mercedes-Motoren in seine Lkw ein. In wenigen Jahren strebt Daimler an, dass alle Lkw-Töchter zumindest zu 80 % Motoren und Achsen aus eigener Produktion verwenden.

Nach einem Baukastensystem sollen die wesentlichen Komponenten wie Motoren oder Getriebe mit leichten Anpassungen bei allen Lkw-Töchtern und Beteiligungen zum Einsatz kommen. Bis 2010 will Cordes dies weitgehend umgesetzt und so günstigere Kostenstrukturen erreichen haben. "Wenn wir es schaffen, weltweit eine Strategie der gleichen Teile durchzusetzen, dann sind wir dem Wettbewerb voraus", hat Cordes unlängst gesagt.

Doch Analysten sind skeptisch, ob dieser Kraftakt gelingen kann. Zumal bei den asiatischen Partnern Mitsubishi Motors und Hyundai Daimler auch nicht allein bestimmen kann. Die besten Kostenstrukturen der Branche hat derzeit der kleine Anbieter Scania, sagt die Ratingagentur Standard & Poors.

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