Kostensenkung
Epcos will weitere 300 Jobs streichen

Nach seinem überraschend schwach ausgefallenen dritten Quartal will der Hersteller passiver Bauelemente Epcos zusätzliche Stellen in Europa abbauen und die Kosten weiter senken.

Reuters MÜNCHEN. Das Unternehmen werde im nächsten Jahr rund 300 Stellen auf dem europäischen Kontinent streichen, teilte die Nummer zwei der Branche am Mittwoch mit. Davon würden mit etwa 240 Stellen die meisten Posten im Inland wegfallen, sagte ein Sprecher. Die 300 Stellen kämen zu den bereits angekündigten 1000 wegfallenden Arbeitsplätzen - davon 800 in Deutschland - hinzu. "Ein wesentlicher Anteil davon sind betriebsbedingte Kündigungen." Zur Jahresmitte habe Epcos weltweit 13 700 Mitarbeiter beschäftigt. Außerhalb Europas seien Stellen geschaffen worden.

Epcos hatte vor gut einer Woche völlig überraschend vorläufige Quartalszahlen veröffentlicht und seine Gewinnprognose herabgesetzt. Epcos erwartet nun bei einem Umsatzminus von 30 Prozent (Vorjahr: 1,9 Milliarden Euro) einen Verlust vor Steuern und Zinsen (Ebit) in zweistelliger Millionenhöhe statt des bislang geplanten Gewinns.

Weiter Seitwärtsbewegung erwartet

Angesichts der gesunkenen Auftragseingänge und des - wenn auch nachlassenden - Preisdrucks gehe Epcos weiter von einer "Seitwärtsbewegung des Geschäfts" aus, hieß es. Epcos-Chef Gerhard Pegam sagte bei einer Analystenkonferenz, das Unternehmen habe aber "klar das Ziel", in der ersten Hälfte des kommenden Geschäftsjahres wieder Gewinne zu schreiben. Zusätzlicher Finanzierungsbedarf bestehe nicht, auch wolle Epcos keine Wandelanleihe begeben.

In allen Sparten würden nun die Kosten gesenkt, sagte er. Die Restrukturierung belaste das Ergebnis im vierten Quartal einmalig mit rund 30 Millionen Euro. Zwei Drittel hiervon entfielen auf den Personalabbau, ein Drittel auf Abschreibungen für Produktionseinrichtungen. "Zu den 160 Millionen Euro Einsparung, die uns im laufenden Geschäftsjahr sicher sind, werden wir 2003 noch einmal ähnliche Verbesserungen erreichen", erklärte Epcos-Chef Pegam. Allerdings handele es sich bei 40 Millionen Euro der für 2003 geplanten 160 Millionen Euro um ursprünglich für das Vorjahr vorgesehene Auswirkungen von Sparmaßnahmen.

"Ob das reicht, muss man erst noch sehen"

"Ich kann noch nicht abschätzen, ob das ausreichend ist", sagte der Analyst Theo Kitz von Merck Finck. Epcos werde aber wohl auch weiter unter der Schwäche des Handy-Marktes leiden. Bernd Laux von Credit Agricole sagte, das Unternehmen bereite sich auf eine längere Periode mit gedämpfter Nachfrage vor und ergreife die hierfür nötigen Schritte. "Ob das reicht, muss man erst noch sehen." Eindeutig positiv bewertete hingegen Jürgen Wagner von Sal. Oppenheim die Maßnahmen: "Viel mehr kann das Unternehmen nicht tun", sagte er. "Epcos hat die Kosten schon deutlich gesenkt, aber die Nachfrage zieht nicht an."

Nach endgültigen Zahlen verbuchte Epcos von April bis Juni im Vergleich zum Vorquartal beim Auftragseingang ein Minus von fünf Prozent auf 316 Millionen Euro. Der Umsatz sank um drei Prozent auf 329 Millionen Euro. Vor Steuern und Zinsen wies der Konzern zudem ein negatives Ebit von 16 Millionen Euro aus.

Epcos hatte mit seinen Zahlen am 19. Juli die Märkte geschockt. Die Aktie war daraufhin auf ein Rekordtief von 17,05 Euro abgestürzt. Am Mittwochabend lag das Papier mit 18,15 Euro erneut mit 7,4 Prozent im Minus.

Fast alle Sparten im Minus

Sowohl die Bereiche Kondensatoren, Bauelemente als auch das Sorgenkind des Konzerns, die Ferrite, wiesen im dritten Quartal ein negatives Ebit auf. Nur die Oberflächenwellen-Komponenten (OFW) konnten mit zwei Millionen Euro ein Plus verbuchen.

Epcos begründete den Ebit-Verlust von 16 Millionen Euro mit einem Preisverfall bis zu fünf Prozent im Vergleich zum Vorquartal. Hinzu seien Währungsverluste von knapp acht Millionen Euro sowie Belastungen aus Produktionsverlagerungen gekommen. Schließlich habe der Konzern bei Zukunftsprojekten höher als erwartete Anlaufkosten verzeichnet.

Besonders schwach hat sich Epcos zufolge die Nachfrage aus den Branchen Automobil, Telekommunikation und Mobilfunk entwickelt. Die Umsätze seien insbesondere in Europa und hier am stärksten in Deutschland geschrumpft. Finanzchef Bodo Lüttge zufolge ist aber nicht mit weiteren Währungsbelastungen zu rechnen. Epcos stellt rund 40 000 verschiedene so genannte passive Bauelemente her, die in nahezu allen technischen Geräten eingesetzt werden.

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