Kostspielige Ausflüge in das Investmentbanking und Asset Management rächen sich
Deutsche Banken sind die Schlusslichter in Europa

Beim Blick über die Grenzen müsste Deutschlands Bankenchefs der pure Neid packen. Während die Finanzkonzerne in Frankfurt und München in der tiefsten Krise seit dem zweiten Weltkrieg stecken, trotzt die Konkurrenz im übrigen Europa dem schwierigen Umfeld aus Börsencrash und einer schwächelnden Konjunktur mit beachtlichem Erfolg.

HB FRANKFURT/M. Vor allem die britischen und spanischen Institute fuhren im vergangenen Jahr einmal mehr klotzige Gewinne ein. Rote Zahlen, unter Deutschlands Großbanken 2002 eher die Regel als die Ausnahme, schrieb anderswo fast niemand: Aus dem Rahmen fielen unter den größeren Häusern nur Credit Suisse und die britische Abbey National.

Dass die Ausländer den Börsencrash besser verdauen, liegt vor allem daran, dass sie sich weitgehend auf das klassische Mengengeschäft mit Privatkunden konzentrieren. Dagegen haben die deutschen Banken dieses "Retail Banking" lange Zeit vernachlässigt und stattdessen kostspielige Expansionsversuche in das internationale Investmentbanking und die Vermögensverwaltung (Asset Management) unternommen. Doch im Investmentbanking ist seit dem Einbruch der Börsen kaum noch etwas zu verdienen. Zudem hat das Kursdebakel am Aktienmarkt die stillen Reserven der Banken pulverisiert und vielfach in stille Verluste verwandelt.

Profitabler als in Deutschland ist das Retailgeschäft von Schweden bis Spanien auch deshalb, weil der Bankenmarkt dort weniger zersplittert ist als hier zu Lande. In fast allen EU-Ländern sind im Laufe der Jahre durch Fusionen schlagkräftige Konzerne entstanden. BNP Paribas in Frankreich, BBVA und BSCH in Spanien, Royal Bank of Scotland in Großbritannien und UBS in der Schweiz - sie alle sind durch Übernahmen oder Fusionen zur heutigen Größe gewachsen. Die Folge ist ein hoher Konzentrationsgrad der Branche. So verdanken die Häuser in Spanien und Großbritannien ihre Gewinne keineswegs nur der Tatsache, dass die Konjunktur dort besser läuft als in Deutschland. In beiden Ländern wird der Markt von einer Hand voll Banken beherrscht. Die oligopolähnliche Stellung beschert ihnen Margen, von denen hiesige Bankenchefs wegen der Konkurrenz der öffentlich-rechtlichen Sparkassen nur träumen können. Und während in Deutschland diverse Anläufe zu Fusionen scheiterten, ist in Frankreich mit dem Zusammenschluss von Credit Agricole und Credit Lyonnais gerade ein neuer Gigant entstanden.

Eine Reihe ausländischer Großbanken fährt zudem die Früchte der internationalen Expansion ein. So kompensiert etwa die holländische ABN Amro Schwächen im Inlandsgeschäft mit horrenden Gewinnen in den USA, vor allem im Hypothekengeschäft. Auch die Royal Bank of Scotland, HSBC sowie BNP Paribas profitieren von starken Standbeinen jenseits des Atlantiks.

In der europäischen Spitzenklasse spielt aus Deutschland nur noch die Deutsche Bank mit. Und es sieht nicht so aus, als ob Commerzbank und HVB den Wiederaufstieg aus eigener Kraft schaffen könnten. Beide dürften froh sein, wenn sie mit Hilfe der drakonischen Sparprogramme im laufenden Jahr in die schwarzen Zahlen kommen.

Bei den Versicherern sieht es besser aus. Allianz und Münchener Rück zählen nach wie vor zur Crème de la Crème ihrer Branche. Zwar verhagelt auch diesem Duo die Börsenentwicklung die Bilanz - doch es verfügt wenigstens über ein gesundes Kerngeschäft.

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