Kostspielige Vorzeigeprojekte vor dem Ende
Deutsche Post gibt eigenständigesE-Business-Geschäft auf

Die Deutsche Post stellt ihr E-Business-Geschäft auf neue Füße. Vorzeigeprojekte wie Signtrust und E-Vita werden aufgegeben oder stehen zum Verkauf. Sie sind der Post zu kostspielig geworden.

HB BONN. Die Deutsche Post richtet ihr E-Business-Geschäft neu aus. Die bisher eigenständigen Geschäfte werden in den Konzern integriert oder aufgegeben. "Aus der E GmbH-Business der Post wird ein Beratungsunternehmen mit dem Schwerpunkt auf der Digitalisierung der Geschäfte, Prozesse und Produkte innerhalb des Postkonzerns", sagte Clemens Beckmann, Vorsitzender der Geschäftsführung der Deutsche Post eBusiness GmbH dem Handelsblatt.

Die Post stellt damit einen Verlustbringer auf neue Füße. Ab 2003 will Beckmann durch die Neuausrichtung mit der 2000 gegründeten E GmbH-Business (160 Mitarbeiter) schwarze Zahlen erreichen. Die meisten E-Business-Projekte werden nun den einzelnen Geschäftsbereichen im Konzern zugeordnet, beispielsweise die E-Filiale der Post mit 2 000 Kunden der Postbank.

Aufgelöst wird die Deutsche Post Signtrust und damit das Geschäft mit der elektronischen Signatur für die rechtsverbindliche Kommunikation im Internet. "Das Projekt ist in der Pilotphase stecken geblieben", sagte Beckmann. Ursprünglich wollte die Post bis 2004 bei einem Umsatz von 50 Mill. Euro schwarze Zahlen schreiben. Die 60 Mitarbeiter erhalten jetzt Angebote für andere Arbeitsplätze im Konzern. Die Zeit für eine solche Technologie sei noch nicht reif, meinte Beckmann. Um die Gewinnschwelle zu erreichen, hätte die Post 300 000 Chipkarten verkaufen müssen; gezählt werden gerade einmal 3 000 Kunden.

Die Bundesnotarkammer, der Referenzkunde der Post, gibt sich überrascht von der Entscheidung gegen die "Zukunftstechnologie". Ein Sprecher geht aber davon aus, dass eine Lösung zur Fortsetzung des Projekts gefunden wird. Bei einem Vertragsbruch werde die Kammer allerdings Schadensersatzansprüche prüfen.

Die beiden in der E GmbH-Business entwickelten B2B-Portale, der Online-Marktplatz Trimondo (zur Beschaffung von zum Beispiel Büroartikeln) und das Transportportal Portivas (zum Einkauf von Transportkapazitäten), werden abgegeben. Trimondo ist als 50:50-Joint-Venture mit der Lufthansa-Tochter Airplus ausgegründet worden. Für Portivas trägt künftig die Post-Logistiktochter Danzas die finanzielle Verantwortung.

Für das Shoppingportal E-Vita sucht die Post einen Partner, schließt aber auch einen Verkauf nicht aus. Bei E-Vita seien die Erwartungen enttäuscht worden, sagte Beckmann. Zwar habe sich die Zahl der Klicks verdoppelt, doch seien die Einnahmen aus der Online-Werbung deutlich hinter der Planung zurückgeblieben. "Um zusätzliches Paketgeschäft durch Online-Shopping zu generieren, muss die Post nicht der Betreiber des Portals sein", bringt Beckmann den Strategiewechsel auf den Punkt. E-Vita schreibt ebenfalls rote Zahlen.

Weiterführen will die Post dagegen ihre Risikokapitalgesellschaft Deutsche Post Ventures. Damit will sich die Post ein "Technologiefenster" offen halten. Die Post ist an fünf Startups beteiligt, darunter mit Viewlocity an einem Anbieter für die Überwachung und Steuerung der gesamten Wertschöpfungskette eines Unternehmens. Bislang hat die Post erst die Hälfte der für den Fonds zur Verfügung stehenden 50 Mill. Euro in junge Technologie-Unternehmen investiert.

Auch die US-Konkurrenten UPS und Fedex führen Beteiligungsgesellschaften. UPS Capital beispielsweise hält einige Beteiligungen in den USA. Eigene E-Business-Firmen sind den Paketdienstleistern aber fremd. Bei UPS oder auch dem niederländischen Post - und Logistikkonzern TPG gehören E-Business-Projekte schon immer zum ganz normalen Geschäft, sagten Sprecher der Gesellschaften. UPS gilt sogar als Pionier des E-Business in der Logistik. So haben die Amerikaner die Sendungsverfolgung via Internet (Tracking and Tracing) bereits seit 1997 im Angebot.

In der Branche gilt es daher als offenes Geheimnis, dass die Post mit der E GmbH-Business vor dem Börsengang im Herbst 2000 ihr Image von der unmodernen Behördenpost aufpolieren wollte. Beckmann räumte dann auch ein, dass die Post mit der Gründung der Gesellschaft ihre Technologiefähigkeit unter Beweis stellen wollte.

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