Kostunica stellt sich keiner Stichwahl
Jugoslawische Wahlkommission beschließt Stichwahl

In Jugoslawien hat die Wahlkommission am Donnerstag mit der Vorlage des amtlichen Endergebnisses die Notwendigkeit einer Stichwahl bestätigt. Der Kandidat der Opposition, Vojislav Kostunica, habe 48,96 % der Stimmen und Amtsinhaber Slobodan Milosevic 38,62 % der Stimmen erhalten.

Reuters BELGRAD. Da kein Bewerber die absolute Mehrheit erreicht habe, sei eine zweite Wahlrunde am 8.Oktober erforderlich. Kostunica bekräftigte am Mittwochabend vor rund 200 000 Demonstranten in Belgrad, dass er sich nicht einer Stichwahl stellen werde. Die Opposition wirft Milosevic Wahlbetrug vor, da nach ihren Berechnungen Kostunica bei der Präsidentenwahl am Sonntag mehr als 54 % der Stimmen erhalten hat.

Nach dem von der Nachrichtenagentur Tanjug verbreiteten Ergebnis war der Vorsprung Kostunica vor Milosevic noch größer als in dem am Dienstag veröffentlichten vorläufigen Resultaten. In diesen hatte es geheißen, Kostunica habe rund 48 und Milosevic rund 40 % der Stimmen erhalten. Anhänger Milosevics in der Kommission versuchten die Differenz in den Berechnungen damit zu begründen, dass die Zahl der Wähler mit 7,2 Mill. rund 600 000 niedriger gewesen sei als zunächst angenommen.

Vertreter der Demokratischen Opposition Serbiens (DOS) Kostunicas kritisierten umgehend das Vorgehen der Wahlkommission. Sinisa Nikolic sagte, die Wahlberechnungen der Kommission hätten nicht überprüft werden können. Der Chef der Demokratischen Partei (DS), Zoran Djindjic, sagte, Milosevic könne das Volk nicht weiter für dumm verkaufen. Das Serbien von heute sei nicht mehr so wie vor zehn Jahren. Milosevic riskiere durch dieses Vorgehen mehr, als nur sein Präsidentenamt zu verlieren, sagte Djindjic, ohne nähere Angaben zu machen.

Demonstrationen gegen Milosevic

Die Opposition ging wie an den Abenden zuvor am Mittwoch erneut in mehreren Städten Serbiens auf die Straßen. In Novi Sad im Nordwesten protestierten etwa 50 000 Menschen gegen Milosevic. In Belgrad bekräftigte Kostunica vor seinen Anhängern, dass die Opposition gegen Milosevic auf die Straße gehen werde, bis dieser seine Wahlniederlage akzeptiere. Kostunica ließ aber offen, wie die Opposition den von ihr beanspruchten Wahlsieg durchsetzen will. Der 56-jährige Verfassungsexperte lehnte erneut eine Stichwahl gegen Milosevic ab und bekräftigte, dass die Opposition Gewalt ablehne und einen friedlichen Machtwechsel erreichen wolle.

Kostunica hat für den Fall eines Machtwechsel angekündigt, Jugoslawien demokratisieren zu wollen und aus der internationalen Isolation herauszuführen, in die Milosevic das Land geführt habe. Milosevic ist vom UNO - Kriegsverbrechertribunal in Den Haag angeklagt worden und kann sich bei einem Machtverlust nicht weiter vor einer Auslieferung sicher sein. Die USA und die Europäische Union (EU) sehen in Kostunica den wahren Sieger der Wahlen und haben Milosevic aufgefordert, die Niederlage zu akzeptieren.

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