Kostunica zu Normalisierung der Beziehungen mit USA bereit
Auch USA heben Sanktionen gegen Jugoslawien auf

US-Präsident Bill Clinton gab dem Außen- und Finanzministerium nach eigenen Angaben vom Donnerstag Anweisungen, das seit 1998 geltende Öl- und Luftembargo gegen Jugoslawien aufzuheben.

afp BELGRAD/WASHINGTON. Nach der EU heben auch die USA die Sanktionen gegen Jugoslawien auf. US-Präsident Bill Clinton gab dem Außen- und Finanzministerium nach eigenen Angaben vom Donnerstag Anweisungen, das seit 1998 geltende Öl- und Luftembargo aufzuheben. Genau wie die EU will aber auch Washington verhindern, dass Mitglieder der gestürzten Führung von Slobodan Milosevic von den Erleichterungen profitieren. Der neue jugoslawische Präsident Vojislav Kostunica zeigte sich seinerseits zur Normalisierung der Beziehungen mit den USA bereit. Er sagte zudem seine Teilnahme am Gipfel der Europäischen Union (EU) an diesem Wochenende in Biarritz zu.

Clinton wertete die Aufhebung der Sanktionen als eine "erste Etappe", um Serbien aus der internationalen Isolation herauszuführen. Parallel dazu müsse der demokratische Übergang verlaufen und Serbien müsse seine internationalen Verpflichtungen erfüllen. Die EU hatte die Aufhebung der Sanktionen bereits am Montag beschlossen.



Hoffnung auf normalisierende Beziehungen

Kostunica sagte nach einem Treffen mit Clintons Balkan-Berater Jim O'Brien, bislang habe die Kommunikation mit den USA gefehlt. Dies solle überwunden werden. Nach dem Treffen mit O'Brien sei er "sehr optimistisch" und hoffe auf eine Normalisierung der Beziehungen.

In einem Zeitungsinterview beklagte Kostunica allerdings den anhaltenden Machtkampf mit Anhängern von Milosevic genauso wie mit Vertretern aus den eigenen Reihen. Beim Aufbau neuer Strukturen habe er genauso viele Probleme mit Freunden wie mit Feinden von der alten Regierung, sagte er der "International Herald Tribune" vom Donnerstag. Unter der Oberfläche eines friedlichen Übergangs zur Demokratie brodele ein nur schlecht kontrollierter "Vulkan". Er kritisierte, dass einige Mitglieder seines Wahlbündnisses DOS Äußerungen machten, die nicht mit ihm abgesprochen seien. Namentlich griff er den prominenten DOS-Vertreter Zoran Djindjic an. Dieser versuche, den Volksaufstand gegen den gestürzten Präsidenten Milosevic weiter am Kochen zu halten.



Dreistellige Millionensumme als Soforthilfe für Jugoslawien

Bei seinem ersten Gespräch mit den EU-Staats- und Regierungschefs am Samstag beim EU-Gipfeltreffen im französischen Biarritz kann Kostunica nach Angaben aus Berliner Regierungskreisen auf eine Soforthilfezusage in Höhe einer dreistelligen Millionensumme rechnen. Die Bevölkerung in Jugoslawien müsse schnell spüren, dass sich Demokratie lohnt, hieß es am Mittwochabend in Berlin.

In Belgrad wurden offenbar wieder Gespräche mit der Sozialistischen Partei von Milosevic über die Bildung einer serbischen Übergangsregierung aufgenommen. Die SPS sei nach dem Abbruch wieder zu Verhandlungen bereit, sagte ein DOS-Vertreter der Nachrichtenagentur AFP. Eine mögliche Übergangsregierung soll die Regierungsgeschäfte bis zu den für Dezember geplanten Neuwahlen führen.

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