KPMG will Enron-Risiken ausschließen
Haftungsfrage entscheidet über Prüfer-Fusion

Nachdem die Verhandlungen zwischen den Wirtschaftsprüfern Andersen und KPMG angelaufen sind, wächst die Hoffnung der weltweiten Partner, beim großen Konkurrenten unter zu kommen. Entscheidend für den Erfolg der Fusion wird die Frage sein, ob die internationalen Partner mithaften.

kk/coh/and NEW YORK/LONDON. Die Klagen der geschädigten Enron-Aktionäre könnten die Pläne der nicht-amerikanischen Andersen-Partner erschweren, sich mit dem Konkurrenten KPMG zusammenzuschließen. Zudem nehmen die Börsenaufsicht SEC und ein Untersuchungsausschuss des Kongresses derzeit Andersens Bilanzierungspraktiken bei verschiedenen Telekom-Kunden unter die Lupe. Nach Berichten der Financial Times will der Wirtschaftsprüfer mit Sitz in Chicago Tausende Mitarbeiter in den USA entlassen. Die Andersen-Partner außerhalb der USA wollen sich von dem US-Geschäft von Andersen trennen, nachdem das US-Justizministerium vergangene Woche Klage gegen den Wirtschaftsprüfer erhoben hat und ihnen die Kunden weglaufen.

Die US-Anwälte sind sich jedoch nicht einig, inwieweit auch die ausländischen Andersen-Partner haftbar sind für die Taten in den USA: Bei Milberg Weiss Bershad Hynes & Lerach, den Anführern der Sammelklage, erwartet man eine gerichtliche Klärung. "Der Fall ist einzigartig in der amerikanischen Rechtsgeschichte", sagte ein involvierter Anwalt gegenüber dem Handelsblatt. Das System der Partnergesellschaften sei nur erschaffen worden, um Sammelklagen zu verhindern. Doch gleichzeitig spräche Andersen von der ?globalen juristischen Person', monierte der Anwalt. "Ich schätze, dass die Partner auch den Gewinn hin und her schieben." In wie weit die Partnergesellschaften untereinander den Gewinn aufteilen, wird eine der entscheidenden Fragen sein, wenn es um die Haftung der ausländischen Partner geht. Bei Pomerantz Haudek Block Grossman & Gross, die unter anderem einen großen Hedge-Fonds seit der Enron-Pleite vertreten, sieht man die Probleme gelassener: "Bei den Fusionsgesprächen zwischen KPMG und Andersen wird man genau prüfen, ob die ausländischen Partner mithaften. Ist es der Fall, wird es gar nicht erst zur Fusion kommen", erklärte Stanley Grossman, ein Partner der Sozietät, gegenüber dem Handelsblatt.

Die Börsenaufsicht SEC und der Kongress beschäftigen sich derzeit mit Andersens Rolle bei verschiedenen Telekom-Firmen. Nach Informationen des Wall Street Journals hat Andersen seine Telekom-Kunden Global Crossing Ltd. und Qwest Communications International Inc. bei so genannten Swaps beraten: Bei Swaps tauschen die Telekom-Unternehmen Netz-Kapazitäten untereinander aus und buchen diese jeweils als Umsatz und Kosten ab. Es wird untersucht, ob Global Crossing Swaps auch ohne wirtschaftlichen Nutzen getätigt hat, um seine Umsätze künstlich aufzublasen. Die Wall Street hat in den 90er-Jahren die junge Industrie vor allem anhand ihrer Umsätze bewertet. Und Andersen gilt in der Branche als aggressiver Befürworter der Swaps. World-Com, ebenfalls Andersen-Kunde, sagte, es habe keine Swaps getätigt. Die SEC hatte eine Untersuchung eingeleitet.

Europäische Kunden wie SAP machen ihre Zusammenarbeit mit Andersen Deutschland in Zukunft davon abhängig, ob sich die europäischen Partner vom US-Geschäft trennen. "Sonst machen wir im kommenden Jahr eine neue Ausschreibung", sagte Henning Kagermann, Vorstandsvorsitzender des deutschen Software-Konzerns SAP, in einem Gespräch mit deutschen Journalisten in New York.

In Großbritannien wurden die Pläne auf eine Übernahme durch KPMG bei den Partnern von Andersen mit großer Hoffnung aufgenommen. "KPMG bietet die Größe, die Stabilität und die Möglichkeiten, die wir brauchen, um unser Geschäft in Großbritannien weiter zu betreiben", sagte John Ormerod, Managing Partner von Andersen UK.

Angeblich sollen Partner der juristisch von der US-Mutterfirma unabhängigen britischen Beraterfirma Andersen UK in den vergangenen Tagen bei der Konkurrenz um Übernahme gebeten haben, da sie bei einer Pleite für den Verlust persönlich haftbar gemacht werden können. Ormond bestritt jedoch, dass Andersen in Großbritannien um seine Mandate fürchten muss. Bislang hat nur der Busbauer Mayflower seinen Vertrag gekündigt.

Im Falle einer Andersen-Übernahme würde KPMG mit einem geschätzten Gesamtumsatz von dann rund 16 Mrd. US $ weltweit auf Platz 2 vorrücken hinter Pricewaterhouse Coopers (21,6 Mrd. $) und vor Deloitte Touch (12,4 Mrd. $) sowie Ernst & Young (9,9 Mrd. $). In Deutschland könnte KPMG mit einem Umsatz von dann rund 1,2 Mrd. Euro seinen Vorsprung ausbauen vor PWC (603 Mill. Euro) Ernst &Young (197 Mill.Euro), Deloitte Touche (180 Mill.Euro) sowie BDO (164 Mill.Euro).

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%