KPN befindet sich in der schlechtesten Situation
Telekom-Branche befindet sich im Kriegszustand

Todeslisten kursieren, Milliardengräber werden geschaufelt, und Überlebenskämpfe sind im vollen Gange. Wenn Analysten und Anleger heute über die europäische Telekombranche sprechen, bedienen sie sich der Sprache des Krieges. Sie beschreiben damit vor allem eines: die Konsolidierung auf den Telekommärkten.

Eine Branche im Kriegszustand: Der einstige Boom-Sektor ist in den vergangenen Monaten tief gefallen. Verschärfte Preiskämpfe auf den heimischen Märkten, teure Übernahmen und vor allem hohe Gebote bei den ersten Auktionen für UMTS-Mobilfunklizenzen haben die Alarmglocken der Experten läuten lassen. Lange Zeit stand das Kürzel UMTS für grenzenloses Wachstum und phantastische Chancen von Mobilfunk und Internet. Heute ist es ein riskantes Milliardenspiel mit ungewissem Ausgang, auf das sich alle großen europäischen Telefongesellschaften wie Deutsche Telekom, Vodafone, British Telecom, France Telecom, Telefonica und KPN eingelassen haben. Fest steht bisher nur eins: Die UMTS-Ausgaben haben die Schulden der Konzerne, so eine Studie der Investmentbank Morgan Stanley, auf rekordverdächtige 150 Mrd. Euro hochschnellen lassen.

Die niederländische KPN ist nach Ansicht von Analysten in der schlechtesten Position - mit einem Schuldenstand von mehr als 20 Mrd. Euro. Und das bei einem Ergebnis vor Steuern, Abschreibungen und Zinsen (Ebitda) von 3,5 Mrd. Euro. Bei Telecom Italia und der spanischen Telefonica gilt das Kreditnniveau noch als akzeptabel. Die Schulden sind im Verhältnis zum Ebitda jeweils etwa 50% höher.

Telekommunikation steht vor 7 großen Herausforderungen

Sieben große Herausforderungen nennt eine Analyse von Merck Finck, vor denen die europäischen Telekomkonzerne zur Zeit stehen, allen voran die hohen Lizenzkosten, die die Unternehmen hereinholen müssen. Kein einfaches Unterfangen, denn das mobile Multimedia-Geschäft, so die jüngsten Hochrechnungen von Marktforschern, wird später beginnen, länger brauchen, um die Massen zu erreichen, und geringere Umsätze einbringen, als die Netzbetreiber bislang kalkulierten. Schon der Start des UMTS-Vorläufers GPRS hat sich in Deutschland um etwa ein Jahr verzögert. Entsprechend später kommt UMTS in Schwung. Die Deutsche Telekom rechnet beispielsweise erst 2004 mit nennenswerten Umsätzen, ein Jahr später als ursprünglich geplant.

Die durchschnittlichen Kundenumsätze im Mobilfunk werden nach Einschätzung von Forrester Research um voraussichtlich 15% im Jahr 2005 fallen. Der Mobiltelefonhersteller und Netzausrüster Nokia hatte im vergangenen Jahr noch mit einem Umsatzwachstum von mindestens 20% gerechnet. Die meisten UMTS-Lizenzen haben France Telecom und die britische Vodafone, die zudem auch noch einen großen Teil aus der Kriegskasse bezahlen und damit ihre Verschuldung niedrig halten konnten.

Trotz Deregulierung, niedrigeren Preisen und zahlreichen neuen Anbieter sind es noch immer die ehemaligen Monopolisten, die den Telekommarkt in Europa dominieren. Nach EU-Angaben haben die Ex-Staatskonzerne im Festnetz im Durchschnitt einen Marktanteil von 96% bei Ortsgesprächen und mehr als 80% bei Fern- und Auslandsgesprächen. Den kleineren Anbietern setzen der Preisverfall im Festnetz und sinkende Aktienkurse weitaus mehr zu, wie der Konkurs von Telekom-Konkurrenten wie Teldafax und Callino in Deutschland zeigt. "Am Ende bestimmt die Größe des Unternehmens das Überleben", sagt Lars Godell, Telekom-Analyst bei Forrester Research, zumindest für den Mobilfunk voraus. Zu den Gewinnern der nächsten Konsolidierungsrunde zählt er Vodafone, die Mobilfunktochter der Deutschen Telekom, France Telekom/Orange und British Telecom Cellnet. Der Rest, so Godell, darunter auch Spaniens Telefonic und die niederländische KPN, müsse sich einen Partner suchen.

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