Krach zwischen Kirch-Sanierern und Management
Rätselraten um Insolvenzantrag von KirchPayTV

Das Rätselraten um den Zeitpunkt einer möglichen Insolvenz der KirchPayTV GmbH & Co KGaA geht weiter. Beim Amtsgericht München hat die KirchPayTV während der Öffnungszeiten der Behörde am Montag jedenfalls noch keinen Insolvenzantrag gestellt. Dies bestätigte ein Gerichtssprecher auf Anfrage.

vwd/dpa MÜNCHEN. Während Branchenkreise eine Insolvenz noch in dieser Woche als das wahrscheinlicheres Szenario betrachten, verlautete aus Bankenkreisen, eine Insolvenz werde - zumindest in dieser Woche - immer unwahrscheinlicher. Zwischen Gesellschaftern, Banken und neuen Investoren sei am Berichtstag weiterverhandelt worden, nachdem es am Wochenende nur bilaterale Gespräche gegeben habe.

Die Banken seien bereit, sich an allem zu beteiligen, was "sinnvoll ist", verlautete aus den Bankenkreisen. Dazu zähle auch, sich gegebenfalls an einem Überbrückungskredit von 150 Mio bis 200 Mio EUR zu beteiligen, damit die Geschäfte bis Mitte des Jahres weitergeführt werden könnten. Diskussionspunkt sei außerdem, ob es notwendig sei, dass die Banken eine Mrd EUR zur Rettung des Unternehmens investieren müssten.

Der Medienunternehmer Rupert Murdoch hatte erklärt, er sei willens, eine Mrd EUR in das Unternehmen zu investieren, falls auch die Banken diesselbe Summe zuschießen würden. Murdoch ist über den britischen Sender BSkyB mit gut 22 Prozent an KirchPayTV beteiligt.

Schlechte Stimmung

Entscheidend für die Gespräche seien die kommenden 24 bis 48 Stunden, hieß es aus den Branchenkreisen. Allen Beteiligten sei klar, dass bald "Klarheit geschaffen werden müsse, um die Geschäfte nicht auf Dauer zu belasten".

Die Stimmung zwischen den beiden Lagern, also den Kirch-Sanierern und dem Premiere-Management, sei derzeit schlecht, hieß es am Montag in Unternehmenskreisen. Der neue KirchMedia-Geschäftsführer Wolfgang van Betteray hatte vergangenen Montag vor laufenden Kameras einen Insolvenzantrag der KirchPayTV angekündigt, das Management dementierte aber umgehend. Laut Einschätzung in Kirch-Kreisen wollte das Betteray-Team die Kontrolle auch bei der KirchPayTV übernehmen. Dies missfalle insbesondere Premiere-Chef Georg Kofler. Der Südtiroler wolle weitgehend autark bleiben, hieß es. "Der will sich nicht von Rheinländern reinreden lassen." Auch einigen Banken sei das Tempo der Sanierer zu flott.

Bei einem Insolvenzantrag in der vergangenen Woche hätte laut Branchenkreisen ein Vertreter aus dem Betteray-Team die Führung bei KirchPayTV übernommen. Kofler strebt aber dem Vernehmen nach eine Insolvenz in Eigenverwaltung an, die ihm ein weit reichendes Mitspracherecht sichern würde. Diese Form der Insolvenz hat Betteray auch für die KirchMedia beantragt.

Zukunft der Formel 1

Unterdessen ist Bewegung in die Verhandlungen über die Zukunft der Formel 1 mit den fünf Automobil-Herstellern BMW, DaimlerChrysler, Fiat, Ford und Renault gekommen. Die Kirch-Gläubigerbanken haben den fünf in der Grand Prix World Championship (GPWC) Holdings BV, Amsterdam, zusammengeschlossenen Automobilkonzernen am Wochenende ein konkretes Angebot unterbreitet, teilte die GPWC mit.

Die GPWC werde überprüfen, ob das Angebot mit ihren Zielen übereinstimme. Im Wesentlichen gehe es der Vereinigung darum, dass die an der Formel-1 beteiligten Automobil-Hersteller adäquat an der Rennsportserie beteiligt sind. Daneben sollen alle an der Serie beteiligten Teams auch unter ökomonisch akzeptablen Bedingungen teilnehmen können. Die Stabilität und Qualität der Rennsportserie soll garantiert und eine weite Verbreitung für das Fernsehpublikum im frei empfangbaren Fernsehen ermöglicht werden.

BMW-Vorstand Burkhard Göschel, der auch im Bord of Directors der GPWC sitzt, hatte vergangene Woche in einem Gespräch erklärt, dass die Automobilkonzere weiterhin nicht an einem Einstieg an der Formel-1-Gesellschaft SLEC interessiert seien, einen solchen Schritt aber für die Zukunft nicht mehr kategorisch ausschließen würden. Man stehe dabei aber nicht unter Zeitdruck. Die Hersteller seien nach wie vor mit der Gründung einer eigenen Rennsportserie beschäftigt, die ab 2007 im Rahmen ihrer Gesellschaft GPWC an den Start gehen könnte. Die GWPC will den derzeit an der Formel-1 beteiligten Teams nach eigenen Angaben bis zum Sommer detaillierte Vorschläge unterbreiten.

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