Kräfte bündeln und gemeinsam gegen die Amerikaner antreten
Kommentar: Europa muss Antworten finden

Der Verzicht auf nationale Souveränität hat die heilige Rüstungsgüterindustrie erreicht. Diesmal sind es nicht "die in Brüssel", die die Interessen der Hauptstädte durchkreuzen. Es sind die Amerikaner.

Sie nutzen die Schwäche der fragmentierten, zuweilen noch mittelständischen europäischen Waffenschmieden und kaufen sie auf. Die aggressiven Amerikaner verschaffen sich im Handumdrehen das über Jahrzehnte geschützte Know-how der Europäer. Die schauen ihrerseits dumm aus der Wäsche - und müssen mit ansehen, wie Washington seinerseits seine Grenzen dichthält und dem Pentagon die Devise ausgibt: Buy American.

Europa weiß die Antwort: Kräfte bündeln und gemeinsam gegen die Amerikaner antreten. Doch der Weg dorthin ist weit, zumal ihn niemand mit gutem Gewissen betreten will. Die führenden EU-Politiker waren bislang trotz aller Absichtserklärungen nicht bereit, die 1999 beschlossene EU-Sicherheits- und-Verteidigungspolitik durch eine gemeinsame Rüstungspolitik zu ergänzen. So werden 2003 zwar 60 000 Mann für Kriseneinsätze der EU in aller Welt zur Verfügung stehen. Die Flugzeuge für den Transport dorthin müssen sie aber in der Ukraine oder anderswo ausleihen.

Ungehört verhallt sind bislang alle Initiativen, konstruktive Lösungen zu finden. Schon 1996 empfahl der deutsch-französische Verteidigungs- und Sicherheitsrat Leitlinien für die Herausbildung gemeinsamer Fähigkeiten und für die Rüstungspolitik. Es folgte die Gründung des gemeinsamen Soldatencorps in Straßburg. Industriepolitisch geschah wenig.

Angesichts der Bedrohung durch die Amerikaner, die nicht nur in Deutschland auf Einkaufstour sind, muss die EU schnell handeln. Es muss ein Binnenmarkt geschaffen werden, der aber keine "Festung Europa" werden darf. Starke Europäer müssen mit den noch stärkeren Amerikanern kooperieren.

Quelle: Handelsblatt

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%