Kräftig übertrieben
Clintons Heckenschützen-Irrtum

Hillary Clinton hat zugegeben, bei der Schilderung einer angeblichen Bedrohung während ihres Bosnien-Besuchs vor zwölf Jahren kräftig übertrieben zu haben. Sie habe einen Fehler gemacht, räumte Clinton ein - und eröffnete zugleich eine neue Front gegen den Parteirivalen Barack Obama.

HB GREENSBURG. „Ich habe mich geirrt, als ich darüber gesprochen habe“, sagte die 60-Jährige am Dienstagabend vor Journalisten in Pennsylvania, dem nächsten Schauplatz im Rennen um die Präsidentschaftskandidatur der Demokraten. Sie habe ihre Ankunft in Tuzla anders in Erinnerung gehabt. „Ich habe also einen Fehler gemacht. Das passiert. Es beweist, dass ich menschlich bin. Für einige Leute ist das, wie Sie wissen, eine Offenbarung“, fügte sie mit Blick auf ihr Image als kühl berechnende Karrierefrau hinzu.

Clinton hatte in einer Rede am 17. März und in mehreren Interviews in der vergangenen Woche gesagt, sie und ihre Tochter Chelsea seien 1996 bei der Landung in Bosnien auf dem Flughafen unter Beschuss von Heckenschützen geraten. In Filmaufnahmen, die mehrere Fernsehanstalten ausstrahlten, ist jedoch von Gefahr keine Spur. Stattdessen zeigen die Bilder, wie die damalige First Lady in Begleitung ihrer Tochter in aller Ruhe über die Landebahn schreiten und Clinton sich sogar Zeit nimmt, die Willkommensgrüße eines kleinen Mädchens entgegenzunehmen.

Das Lager ihres Rivalen Barack Obamas warf ihr vor, sie habe mit der falschen Darstellung ihre außenpolitische Erfahrung aufbauschen wollen. Clinton versucht Wähler von sich vor allem dadurch zu überzeugen, dass sie sich als erfahrener als Obama darstellt. Auch am Dienstagabend erklärte sie, es gerade in diesem Punkt jederzeit mit dem 14 Jahre jüngeren Obama aufzunehmen.

Clinton versuchte zudem, die Aufmerksamkeit wieder auf den Ex-Pastor Obamas zu lenken, der den Senator aus Illinois unter anderem unter Druck brachte, weil er die USA als rassistisch bezeichnete. „Wir haben keine Wahl, wenn es um unsere Verwandten geht. Aber wir haben eine Wahl, wenn es um unsere Pastoren geht und um die Kirche, die wir besuchen“, sagte Clinton. „Angesichts all dessen, was wir gehört und gesehen haben wäre er nicht mein Pastor gewesen.“ Bislang wich Clinton Fragen zu Pastor Jeremiah Wrights Äußerungen stets aus und sagte, dazu solle sich Obama selbst äußern. Der reagierte vergangene Woche mit der bisher am meisten beachteten Rede im Wahlkampf, in der er die problematischen Beziehungen von Weißen und Schwarzen in den USA thematisierte.

Es sei enttäuschend, dass Clinton sich nun doch auf ein so niedriges Niveau herabgelassen habe, um von der Geschichte über ihren Bosnien-Besuch abzulenken, sagte Obamas Sprecher Bill Burton.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%