Kräftige Erholung am Papier- und Zellstoffmarkt erwartet
Analysten empfehlen Papieraktien

Die Zellstoff- und Papierbranche ist stark von Konjunkturzyklen abhängig. Analysten empfehlen, diese Aktien dann zu kaufen, wenn die Nachrichtenlage düster ist. Und dies ist gegenwärtig der Fall.

FRANKFURT/M. Die schwache Weltkonjunktur hat der Hoffnung auf eine nachhaltige Wende der Papierpreise einen kräftigen Dämpfer versetzt. Der Foex-Index für Pulpe schwankte im Verlauf dieses Jahres in einer steilen Berg- und Talfahrt von 468 im Januar über 425 Mitte März und 492 Ende Juli bis auf zuletzt 455. Die Preisschwäche für Pulpe - für Papierbrei, den aus Holz hergestellten Rohstoff für Papierprodukte - ist auf die schwache Weltkonjunktur und auf die Krise im Mediensektor zurückzuführen.

"Auch wenn wir für die nächsten Monate aufgrund saisonaler Faktoren zunächst noch weiter leicht sinkende Pulpe-Preise erwarten, sehen wir keine Gefahr für einen Kollaps des Preisniveaus", sagen Richard Schneider und Gail Glazerman von UBS Warburg, New York. Ein stabiles Preisniveau bedinge aber eine anhaltende Preis- und Produktionsdisziplin bei den Herstellern, sagt Christian Gattiker von Credit Suisse in Zürich. "Die Fundamentaldaten für die Papier- und Zellstoffindustrie haben sich in den letzten drei Monaten abgeschwächt", stellt der Analyst fest. Niedrigere Zellstoffpreise, höhere Lagerbestände auf der Produzentenseite und Preisdruck bei verschiedenen Papiersorten würden die geschwundenen Aussichten auf eine Preiserholung im Winterhalbjahr 2002/2003 reflektieren. "Wir erwarten keine markante Preiserholung vor dem zweiten Halbjahr 2003", sagt Gattiker.

Schneider und Glazerman beurteilen die Lage aber etwas optimistischer. Sie haben ihre Prognose für die Preise der Richtqualität "Northern Bleach Softwood Pulp" (NBSK) jetzt jedoch kräftig reduziert. Für das Jahr 2002 wird ein Durchschnitt von 488 (nach bisher 498) $/t, für 2003 von 523 (nach 598) $/t und für 2003 von 628 (nach 670) $/t erwartet. Mads Asprem von Merrill Lynch befürchtet aber, dass die Pulpe-Preise im ersten Quartal 2003 die alten Tiefs vom März dieses Jahres testen könnten. Danach rechnet er bis zum Jahr 2004 mit einem Anstieg der Pulpe-Preise auf weit über 600 $/t.

Nicht zuletzt wegen der seit Jahrzehnten auf der Angebotsseite nicht mehr gesehenen Disziplin der Produzenten, der Konsolidierung in der Branche und des in den kommenden Jahren absehbaren Aufschwungs der Papierpreise sehen Analysten auf dem derzeitigen Kursniveau gute Einstiegschancen in Papieraktien. Die Branche habe sich durch eine tiefgreifende Restrukturierung in den vergangenen Monaten besser für den kommenden Aufschwung positioniert, sagt Schneider. Daher genüge bereits eine leichte konjunkturelle Erholung, um die Ertragslage bei den Papierherstellern nachhaltig zu verbessern. "Wir glauben, dass Aktien von Papierproduzenten immer dann gekauft werden sollten, wenn sich die Situation am schlechtesten darstellt", sagt Asprem.

Als eine Art Sicherheitspuffer sehen die Analysten von Credit Suisse und Merrill Lynch die aktuell hohen Dividenden-Renditen von Aktien europäischer Papierhersteller, die zwischen 4 % und 8 % liegen. Die Kaufliste von Credit Suisse umfasst auch unter diesem Aspekt derzeit die Aktien der finnischen Produzenten M-Real, Stora Enso und UPM-Kymmene. Auch bei Merrill Lynch ist UPM-Kymmene weiterhin "erste Wahl" unter den Papieraktien. Nach dem kräftigen Kursanstieg der vergangenen Wochen hat Charles C. Spencer vom Finanzhaus Morgan Stanley die UPM-Aktie allerdings zuletzt von "normal gewichten" auf "untergewichten" zurückgestuft. Die Analysten von UBS Warburg empfehlen die Aktien der nordamerikanischen Papierproduzenten Domtar, International Paper und Weyerhaeuser als "klaren Kauf".

Quelle: Handelsblatt

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