Kräftige Konzentrationswelle erwartet: Degussa für neue Fusion gewappnet

Kräftige Konzentrationswelle erwartet
Degussa für neue Fusion gewappnet

Die Spezialchemiebranche steht vor einer Welle von Übernahmen und Fusionen. Nach der Fusion mit SKW hält Vorstandschef Felcht die Degussa für stark genug, um kräftig dabei mitzumischen.

HB DÜSSELDORF. Der weltgrößte Spezialchemiekonzern Degussa sieht sich für ein mögliches Zusammengehen mit Konkurrenten gewappnet. "Ich schließe eine Teilnahme der Degussa an einer weiteren Konsolidierung in der Branche nicht aus", sagte Vorstandschef Utz-Hellmuth Felcht im Gespräch mit dem Handelsblatt. Degussa sei von der Größe her in der Lage, "noch einen Schritt weiter zu gehen". Allerdings sei der Konzern weder in Eile, noch seien momentan Zusammenschlüsse geplant. Die Düsseldorfer Degussa AG ist 2001 aus der Fusion von Degussa-Hüls und SKW Trostberg entstanden.

Felcht erwartet, dass es in der Branche zu einem rasanten Konzentrationsprozess kommt. "Die Zahl der Spezialchemiefirmen wird sich in den nächsten zwei Jahren verringern", sagte Felcht. Viele Firmen müssten sich wie Degussa vom Massenchemiegeschäft trennen. "Allerdings werden viele Konkurrenten dann keine ausreichende Größe mehr haben", meinte Felcht. Fusionen seien absehbar. Damit verweist Felcht auf das Kernproblem: Die Investoren verlangen von den Unternehmen einen Spagat, sie sollen sich spezialisieren und dennoch groß genug bleiben. So wird Degussa auch nach dem Umbau über 23 "Kerngechäftsbereiche" verfügen. Das Spektrum reicht von Zusätzen für Nahrungsmittel bis zu Inhaltsstoffen für Autoreifen.

Analysten erwarten, dass Degussa bei der Fusionswelle ein Hauptakteur sein wird. Das hat auch mit der Person des Konzernchefs zu tun, der so unterschiedliche Firmen wie SKW Trostberg, Goldschmidt und Degussa-Hüls erfolgreich zusammengeführt hat. Analysten haben ihm deshalb bereits einen Spitznamen verpasst: "Merger-Evangelist".

Mögliche Partner für Degussa sind nach Einschätzung der Investmentbank Lehman Brothers die französische Rhodia SA, die niederländische DSM N.V., die Chemiesparte von Bayer und die Schweizer Clariant AG. Zwar wollte sich Felcht nicht zu möglichen Fusionspartnern äußern. Allerdings bestätigte er, dass Degussa bei einer Reihe von Firmen eine Fusion "ernsthaft prüfen" würde, falls ein Angebot auf den Tisch käme. Schnellschüsse werde es aber nicht geben.

Eine solche Entscheidung werde ohnehin nur in enger Abstimmung mit den Aktionären erfolgen. Der Düsseldorfer Energiekonzern Eon hält noch knapp 65 % der Anteile an Degussa, will sich aber binnen drei bis fünf Jahren von dem Paket trennen.

Der Degussa-Chef bestätigte sein Interesse an der Bayer-Tochtergesellschaft Haarmann & Reimer, die Duftstoffe für Parfüms und Aromastoffe für Nahrungsmittel herstellt. Ein Angebot werde man "ganz in Ruhe prüfen". Felcht will den Bereich Aromen und Fruchtsysteme durch Zukäufe verstärken, eine Übernahme "um jeden Preis" werde es aber nicht geben. Bayer verlangt für die Sparte mindestens 1,5 Mrd. Euro.

"H&R ist nicht die einzige Möglichkeit, die Sparte Gesundheit und Ernährung zu stärken", sagte der Degussa-Chef. Er will die Position des Konzerns zudem in den Geschäftsfeldern Hochleistungskunststoffe und Silikone ausbauen. Dabei seien auch Zukäufe und Partnerschaften geplant.

Zur Geschäftsentwicklung 2001 machte Felcht keine Angaben. Nur so viel: Der Konzern habe sich 2001 im Vergleich zur Branche "hervorragend geschlagen". So war der Gewinn beim US-Konkurrenten Dupont um 75 % eingebrochen. Zwar spüre Degussa in keinem Bereich zusätzlichen Aufwind, doch seien Sparten wie Gesundheit und Ernährung oder Spezialkunststoffe stabil. Felcht rechnet mit einer leichten Erholung im zweiten Halbjahr 2002. Zudem baut Degussa um: Eingespart werden sollen 250 Mill. Euro. Von den Kerngeschäftsbereichen stehe momentan jedoch keiner zur Debatte.

Die geplanten Verkäufe von Unternehmensteilen will Felcht bis Jahresende abschließen. Bislang hat der Konzern schon 76 % des Umsatzes abgegeben, den Degussa abstoßen will. Erlös: gut 3 Mrd. Euro. Ende 2003 soll Degussa einen Umsatz von 12 bis 13 Mrd. Euro erreichen. Felcht hält am Ziel fest, bis dahin eine Kapitalrendite (ROCE) von 14 % und eine Marge beim Gewinn vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen (Ebitda) von 20 % zu erzielen.

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