Kräftige Verluste prägen die Zahlen im ersten Halbjahr
Auslandsgeschäft belastet Online-Broker

Die drei großen deutschen Online-Broker Comdirect, Consors und DAB Bank litten im ersten Halbjahr kräftig unter ihrer Expansion in das europäische Ausland. Bei der Comdirect stehen die Aktivitäten in Italien, Frankreich und Großbritannien daher auf dem Prüfstand, erklärte Commerzbank-Chef Klaus-Peter Müller dem Handelsblatt.

FRANKFURT/M. Das Auslandsgeschäft hinterlässt deutliche Spuren in den Halbjahreszahlen der deutschen Online-Broker. Die Expansion kostet sehr viel Geld und bringt bislang nicht die gewünschten Zugewinne, weder bei Erträgen noch bei Kunden.

Am kräftigsten schlugen die Verluste in Europa bei der Comdirect zu Buche. Halten sich die Einbußen in Deutschland mit 4,25 Mill. Euro noch in Grenzen, sind die 32,5 Mill. im Frankreich, Großbritannien und Italien traurige Spitze unter den deutschen Wettbewerbern. "Mit der Entwicklung im Inland bin ich zufrieden, aber im Ausland kann es so nicht weitergehen", urteilt deshalb Commerzbank-Chef Klaus-Peter Müller über die Aktivitäten der Tochter Comdirect in Italien, Frankreich und Großbritannien. Für ihn gibt es nun nur zwei Möglichkeiten: Entweder das Auslandsgeschäft wird eingestampft, was Comdirect-Chef Bernt Weber bei Vorlage der Halbjahreszahlen ebenfalls andeutete. Oder aber die Auslandsaktivitäten werden durch Zukäufe gestärkt. "Wir sondieren derzeit den Markt", sagte Müller dazu dem Handelsblatt.

Die DAB Bank hat diesen Weg mit der Akquisition des französischen Online-Brokers Self Trade im vergangenen Jahr vorgemacht. Trotz der Verluste von 17,4 Mill. in Europa gegenüber 13,6 Mill. Euro in Deutschland, ist DAB-Chef Matthias Kröner mit dem Ergebnisbeitrag der Auslandseinheiten zufrieden. Rund 40 % der Neukunden wurden im ersten Quartal im Ausland gewonnen, 24 % der Kauf- und Verkauforders wurden in den europäischen Ländern getätigt.

An diese Zahlen reicht Consors trotz erheblich höherer Marketingaufwendungen nicht heran. Beim Nürnberger Online-Broker schlägt das Auslandsgeschäft mit Verlusten von 12,34 Mill. Euro zu Buche und liegt damit nur knapp über dem Deutschlandgeschäft mit 11,86 Mill. Euro. Rückzugsgedanken aus dem Auslandsgeschäft hegt Consors-Chef Karl-Matthäus Schmidt allerdings nicht.

Das Kostenproblem der Online-Broker zeigt sich sehr deutlich bei Betrachtung der Aufwand-Ertragsrelationen: Werte von 208 % (DAB), 163 % (Consors) und 152 % Comdirect liegen fernab von dem, was Banken gewöhnlich ausweisen. Das heißt für die DAB, dass sie über 2 Euro ausgeben muss, um einen Euro zu verdienen. DAB-Chef Kröner zeigt sich aber zuversichtlich, dass im nächsten Jahr eine deutliche Verbesserung eintritt. Er hält die Prognose aufrecht, dass 2003 eine Aufwand-Ertragsrelation von 75 % erreicht wird.

Alle Online-Broker arbeiten derzeit an einem straffen Kostenmanagement. Consors will über die im Programm "Fit for Future" angekündigten 30 % weitere Kosten einsparen. Die DAB hat die Verwaltungsaufwendungen im zweiten Quartal bereits senken können. Davon bleibt natürlich das Personal nicht unbehelligt. Allerdings sind bei keinem der Wettbewerber betriebsbedingte Kündigungen geplant. Vielmehr nutzen die Unternehmen die natürliche Fluktuation, um den Personalbestand zu reduzieren.

Die DAB, die ihren Mitarbeitern Auflösungsverträge mit Abfindungen angeboten hat, will zwischen 20 und 25 % beim Personalaufwand einsparen, bestätigte Kröner.

Gemessen am Halbjahresergebnis steht Consors unter den drei Großen am besten da. Mit einem Gesamtverlust von 35,7 Mill. Euro liegt der Nürnberger Broker vor der Comdirect mit einem Verlust von 36,8 Mill. Euro und der DAB mit 54 Mill. Euro.

DAB Bank mit größtem Kundenwachstum

Die DAB Bank weist allerdings im ersten Halbjahr mit 82 157 Netto-Neukunden das größte Kundenwachstum unter den drei Wettbewerbern aus. Consors kommt auf 23 500 und Comdirect auf 53 582 Neukunden. Dabei haben die Münchener mit 209,37 Euro in Deutschland und 339,59 Euro im Ausland die niedrigsten Kosten für die Gewinnung eines neuen Kunden. Die Wettbewerber liegen jeweils jenseits der 1 000 Euro.

Der Zinsüberschuss der DAB stieg im ersten Halbjahr auf 21,1 Mill. Euro, der Provisionsüberschuss gab angesichts der Flaute an den Märkten erwartungsgemäß um knapp 8 % auf 46,5 Mill. Euro nach. Analysten rechnen für das laufende Jahr mit einem Gesamtverlust von 90 bis 100 Mill. Euro, den Kröner unkommentiert ließ. Der DAB-Chef verkündete aber einen persönlichen Ehrgeiz, noch in diesem Jahr operativ eine schwarze Null zu erzielen. 2002 sollen dann auch im Konzern wieder schwarze Zahlen geschrieben werden.

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