Kräftige Zuwachsraten für Toyota und Honda: Japans Autobauer entdecken die Emotion

Kräftige Zuwachsraten für Toyota und Honda
Japans Autobauer entdecken die Emotion

Die Japaner sind wieder da. Nach Jahren mit Verlusten im Europageschäft beginnt sich der lange Atem der Automobilhersteller auszuzahlen. So verdienen Toyota und Honda bereits wieder Geld auf dem alten Kontinent. Mitsubishi und Nissan setzen auf ihre europäischen Mutterkonzerne Daimler und Renault.

hof GENF. Hondas Europa-Präsident Minoru Harada bringt es auf den Punkt: "Wachsen, egal unter welchen Marktbedingungen", gibt er als Ziel für sein Unternehmen aus - der weltpolitischen und wirtschaftlichen Lage zum Trotz. Er formuliert in Genf das, was sich alle japanischen Hersteller in Europa auf die Fahnen geschrieben haben: Marktanteile gewinnen - allerdings ohne die Profitabilität aus den Augen zu verlieren. Dass die Autobauer aus Nippon nicht nur verbal auf Offensive umgestellt haben, beweisen steigende Marktanteile und eine Vielzahl neuer Modelle. Auf dem Genfer Automobilsalon wird deutlich, wohin die Reise gehen soll: Japanische Autos sollen nicht mehr nur für Zuverlässigkeit stehen, ein außergewöhnliches Design soll die Emotionen der Europäer anstacheln - und zwar in jedem Fahrzeugsegment und in jeder Nische. "Die Marke zu emotionalisieren ist eines unserer wichtigsten Aufgaben", betont Mitsubishi-Europachef Stefan Jacoby. Auch Harada betrachtet den emotionalen Ausdruck einer Marke, der sich im Image niederschlägt als Schlüssel für den Erfolg in Europa.

Dass die Modelloffensive ernst genommen wird, zeigen die Kommentare der Konkurrenz. "Die halten uns auf Trab", sagt BMW-Vertriebsvorstand Michael Ganal, auch wenn er der Toyota-Luxusmarke Lexus bislang nur "Zuverlässigkeit durch und durch" bescheinigt. Doch das kann sich ändern, denn es sei bewundernswert, so der Fiat-Deutschlandchef Klaus Fricke, "wie die Japaner ihre langfristigen Ziele unabhängig von Konjunkturzyklen verfolgen". Und eines dieser Ziele lautet: Die Gefühle der europäischen Kunden anzusprechen.

Alarmiert sind die Konkurrenten durch die Erfolge im vergangenen Jahr. Während der Markt in Westeuropa um knapp 3 % schrumpfte, legten Toyota (plus 13,9 %), Honda (plus 16,6 %) und Mazda (plus 13,3 %) kräftig zu - eine Entwicklung, die sich zum Jahresbeginn 2003 fortsetzte. Unterschätzt werden jedoch auch die Konkurrenten nicht, die zuletzt noch nicht so erfolgreich in Europa waren. Zwei von ihnen, nämlich die Daimler-Chrysler-Beteiligung Mitsubishi und die Renault-Beteiligung Nissan werden mittlerweile von Europäern geführt, die die Bedürfnisse der europäischen Kunden kennen. Beide fangen zudem gerade erst an, das Potenzial auszuschöpfen, das ihnen die Finanzkraft und die Entwicklungskapazitäten der Mutterhäuser bieten.

Mit den Erfolgen steigt das Selbstbewusstsein. So sieht Jacoby für Mitsubishi Europe "eine gute Chance, den Break even bereits in diesem Jahr und damit früher als erwartet zu erreichen" wie er in Genf sagte. Dabei steht gerade Mitsubishi erst am Anfang einer Modellerneuerung. Dennoch will Jacoby in diesem Jahr die Verkäufe steigern. Der neue sportliche Geländewagen Outlander, "das erste neue Auto seit drei Jahren", so Jacoby, soll die Aufholjagd starten. Im kommenden Jahr greift Mitsubishi mit dem Nachfolger des Colt in der Kompakt-Klasse an. Seinem Etappenziel von 300 000 verkauften Autos in Europa will Jacoby damit ein gutes Stück näher kommen.

Der neue kleine Mitsubishi wird das erste Auto sein, das sich mit der Daimler-Konzerntochter Smart die Plattform teilt. Auch die neuen kleinen Diesel-Motoren werden dann von Daimler stammen. Neben dem Design spielt der Diesel eine wichtige Rolle bei der Aufholjagd in Europa. Honda kommt in diesem Jahr mit einem neu entwickelten Selbstzünder, Nissan bedient sich im Renault-Regal. Und auch Toyota, so hieß es kürzlich in Tokio, arbeitet an einer neuen Diesel-Generation für den europäischen Markt. Erst wenn die Schwäche auf diesem Gebiet beseitigt ist, wird sich zeigen, wie stark die japanischen Hersteller in Europa wirklich sind, heißt es bei den Herstellern. Damit wird umschrieben, dass die Japaner das Potenzial für Diesel in Europa lange unterschätzt hatten und sich von dem am schnellsten wachsenden Segment abgekoppelt hatten.

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