Kräftiges Ertragsplus trotz rückläufigen Aktienhandels – Analysten loben die guten Zahlen der Börse: Boom im Terminhandel beflügelt Deutsche Börse

Kräftiges Ertragsplus trotz rückläufigen Aktienhandels – Analysten loben die guten Zahlen der Börse
Boom im Terminhandel beflügelt Deutsche Börse

Trotz der Flaute am Aktienmarkt hat die Deutsche Börse AG im vergangenen Jahr gut verdient. Das zweistellige Wachstum bei Umsatz und Vorsteuerertrag lag nicht nur über den eigenen Prognosen, es übertraf auch die Erwartungen der Analysten.

FRANKFURT/M. Der Umsatz des Finanzmarktbetreibers stieg um 17 % auf 760 Mill. Euro, der Gewinn vor Steuern und Zinsen (Ebit) um 28 % auf 278 Mill. Euro. Dagegen ging der Jahresüberschuss leicht auf 203 Mill. Euro zurück. Im Vorjahr war er durch außerordentliche Erträge aufgebläht.

Das Gewinnplus verdanken die Frankfurter in erster Linie der Terminbörse Eurex. Die Einnahmen der weltgrößten Börse für Derivate schnellten um rund zwei Drittel empor. Damit steuerte die Eurex mehr zum Gruppenumsatz bei als der klassische Aktienhandel auf der elektronischen Handelsplattform Xetra und an der Parkettbörse. Der Umsatz im Aktiengeschäft sank wegen der Börsenflaute um 13 %.

Der Eurex-Boom basiert zum Teil darauf, dass sich Anleger wegen der anhaltenden Kursverluste an den Aktienmärkten verstärkt über Derivate absichern. Simone Glass, Analystin bei UBS Warburg, weist zudem daraufhin, dass an der Eurex zunehmend Aktien- und Indexprodukte gehandelt würden. Hier seien die Margen höher als bei den nach wie vor dominierenden Anleihe-Derivaten wie etwa dem Bund-Future, dem Terminkontrakt auf zehnjährigen Bundesanleihen.

Analysten bewerteten die Ergebnisse der Börse durchweg positiv. "Die breite Diversifizierung der Börse zahlt sich aus", sagt Heiko Frantzen von Sal. Oppenheim. Neben der Eurex legten auch die Sparten Information Products (Vermarktung von Kapitalmarktinformationen) und Systems (Informationstechnologie) zu. Der IT-Bereich wurde kurz vor Weihnachten durch die Übernahme des IT-Dienstleisters Entory gestärkt. Auch die Sparte Kapitalmarktinformationen soll durch Zukäufe wachsen. Mit dem Ausbau beider Bereiche will Börsenchef Werner Seifert unter anderem die Abhängigkeit von der Kursentwicklung an den Finanzmärkten reduzieren. Analysten gehen ferner davon aus, dass die Börse weiterhin an der Übernahme anderer Börsen in Europa interessiert ist. Seifert selbst sagte kürzlich im Handelsblatt, auch der US-Markt sei ein "großes Thema."

Die im MDax geführte Börsenaktie legte am Dienstag Nachmittag um gut 2 % auf 44,45 Euro zu. Damit bewegt sie sich in der Nähe des Allzeit-Hochs vom vergangenen Freitag (45,10 Euro). Bei der Börseneinführung im Februar letzten Jahres kostete der Titel 33,5 Euro. Analysten äußerten sich in letzter Zeit positiv zu dem Wert. Gestern stufte auch die Deutsche Bank die Aktie auf "Kaufen" von "Market Perform". Ihr Kursziel liegt bei 50 Euro. Der Finanzchef der Börse, Mathias Hlubek, kündigte eine Aufstockung der Dividende um 20 % auf 0,36 Euro je Aktie an.

Fast noch mehr Bedeutung als den nackten Zahlen messen Analysten aber der bevorstehenden Übernahme des Abwicklers Clearstream bei. Die Börse will für 1,75 Mrd. Euro die Holding Cedel kaufen. Diese hält jene 50 % von Clearstream, die der Börse noch nicht gehören. Nachdem die Offerte bereits mit dem Cedel-Board abgestimmt wurde, hat jetzt auch der Aufsichtsrat der Börse zugestimmt. Mit der vollständigen Übernahme von Clearstream würde die Börse ihre Wertschöpfungskette vom Handel bis zur Abwicklung von Wertpapiertransaktionen abrunden.

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