Kraft denkt manchmal an Eis oder Schokolade
Der süße Schmerz

Die Triathletin Nina Kraft könnte am kommenden Wochenende als erste Deutsche den Ironman auf Hawaii gewinnen.

BERLIN. Wenn es hart wird auf Hawaii, denkt Nina Kraft schon mal an etwas Süßes. Dann fällt ihr das Kämpfen leichter, sagt Deutschlands beste Triathletin. Ihre Schmerzen in den Muskeln und die sinkende Motivation verdrängt sie mit Gedanken an Eis oder Schokolade. Spätestens nach dem zwanzigsten Laufkilometer hört für Nina Kraft der Spaß nämlich auf. Von da an wird der Wettkampf zur "Keulerei". Vor allem auf Hawaii. "Das Rennen ist doppelt so hart wie alle anderen", sagt Nina Kraft. 2003 kämpfte sie sich auf den dritten Platz. Im Ziel belohnte sie ihre Qualen mit einem großen Eis. In diesem Jahr möchte sie sich mit einem Aufenthalt in Neuseeland belohnen - dann, wenn es zum Sieg reicht. Nina Kraft wäre die erste Deutsche, der das gelänge.

Die Braunschweigerin zählt zu den Favoritinnen. Sie hat auf Hawaii schon dreimal auf dem Podium gestanden und gerade ihre Bestzeit beim Ironman in Frankfurt auf unter neun Stunden verbessert. Das gelang nur wenigen Frauen vor ihr. Und Frankfurt war noch nicht das perfekte Rennen. "Wenn es so wäre, könnte ich ja aufhören", sagt Nina Kraft, die immer besser sein will als im Vorjahr.

Auf Hawaii ist das besonders schwer. Hitze und Luftfeuchtigkeit sind extrem - mehr als zehn Liter Flüssigkeit nehmen die Athleten während des Rennens auf. Und der Wind bläst manchmal so stark, dass "du das Rad kaum auf der Straße halten kannst", sagt Nina Kraft. Auch diese klimatischen Schwierigkeiten machen Hawaii zum faszinierendsten Triathlon der Welt. In den Siebzigerjahren aus einer Wette entstanden, umweht die Veranstaltung längst ein besonderer Mythos. Das Ziel jedes Spitzentriathleten ist es, einmal auf Hawaii zu gewinnen.

Nina Kraft hat sich auf diese Titelkämpfe im Trainingslager auf Mallorca gezielt vorbereitet. Ob es am Ende für den Sieg auf Hawaii reichen wird, hängt auch von ihren Konkurrentinnen ab. Von Vorjahressiegerin Lori Bowden oder Natascha Badmann, die Nina Kraft beim Hawaii-Rennen im vergangenen Jahr kurz vor dem Ziel noch den zweiten Platz wegschnappte.

Diesmal will Nina Kraft noch ausgeruhter an den Start gehen. Insgesamt hat sie in diesem Jahr mehr trainiert, dafür aber weniger Wettkämpfe bestritten. Sie hat ihr Lauftraining verändert und mehr Intervalle auf der Bahn absolviert.

Auf Hawaii kämpft Nina Kraft nach einem erfolgreichen Jahr auch gegen die gestiegenen Erwartungen. Doch von Druck mag sie nicht reden. "Klar freue ich mich, wenn ich auf Hawaii mal ganz oben lande", sagt sie. "Aber wenn ich einen guten Wettkampf mache und trotzdem Zweite oder Dritte werde, ist das okay." Was andere über sie denken, ist ihr ohnehin nicht wichtig. Sie macht ihren Sport nur für sich. "Im Triathlon habe ich das gefunden, worin ich mich selbst verwirklichen kann", sagt sie. Dabei hat sie den Sport erst vor wenigen Jahren für sich entdeckt. 1997 ist die ehemalige Leistungsschwimmerin eher zufällig zu ihrem ersten Triathlon gekommen. Zwei Jahre später wechselte sie ins Profilager. Jetzt steht Nina Kraft vor dem vielleicht größten Rennen ihrer Karriere.

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