Archiv
Kraft tanken

Eine Schwalbe macht noch keinen Sommer. Im April und im Mai haben sich Wachstumswerte zwar ganz ordentlich entwickelt. Doch damit dürfte zunächst noch keine neue Rally verbunden sein. Entscheidend für einen dauerhaften Aufschwung von Nasdaq und Neuer Markt wird die Entwicklung der US-Konjunktur sein.

Vorsicht - nach wie vor dominiert dieses Motiv Engagements bei Wachstumsaktien. Solch schlimme Verluste wie in den letzten zwei Jahren möchten auch risikobereite Anleger so schnell nicht wieder erleben. Vorsicht - dies ist auch viel öfter als in der Vergangenheit aus den Äußerungen der Analysten und Fondsmanager herauszulesen. Kurzfristige Aufschwungbewegungen von 20 oder 30 Prozent führen daher mittlerweile schon zu Warnungen, nun könnten Wachstumsaktien bereits überbewertet sein. Die amerikanische Wachstumsbörse Nasdaq bewegt sich denn auch nicht schnurstracks nach oben, sondern pendelt tendenziell seitwärts. Dies ist typisch für den Boden, der sich ausbilden muss. Je länger diese Phase andauert, je fester die Basis für die Kurse wird, um so stärker könnte die neue Aufwärtsbewegung werden.

Kraft tanken, heisst das Motto dieser Monate. Für die einzelnen Unternehmen bedeutet dies: Neben den Kursen müssen nun auch die Gewinnerwartungen herunter. Dieser Prozess ist voll im Gange. Er vollzieht sich bei den Schwergewichten vielleicht noch etwas schneller als bei den Nebenwerten. Mancher Nasdaq-Riese ist daher bereits auf einem Niveau zu haben, das auch nach herkömmlichen Bewertungskriterien als attraktiv gelten muss. Wenn Wachstumswerte mit langfristig stabilen Gewinnaussichten zu einem Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von unter 20 gehandelt werden, sollten Investoren aufmerken. Noch sind dies jedoch Einzelfälle.

Im Schnitt ist die Nasdaq immer noch zu hoch bewertet - gemessen an traditionellen Maßstäben. Das liegt daran, dass die Gewinnprognosen noch nicht weit genug zurückgenommen worden sind. Die Kurse sind auf dem Weg nach unten immer vorangelaufen. Die Gewinnrevisionen folgen nun mit den immer schlechteren Konjunkturerwartungen für die USA. Wie lange die Rezession in Amerika dauern wird, ist immer noch nicht klar. Mittlerweile haben sich jedoch die schlimmsten Befürchtungen der Märkte als durchaus realistisch herausgestellt. Allein die aggressiven Zinssenkungen durch die US-Notenbank zeigen dies. Und wenn man dem Notenbankchef Alan Greenspan glauben darf, dann ist das Zinstal in den USA noch nicht erreicht. Schon jetzt liegen die Tagesgeldzinsen bei vier Prozent. Gut möglich, dass sie bald wieder - wie zu Beginn der neunziger Jahre - bei drei Prozent liegen.

Alan Greenspan tut jedenfalls alles, um eine lange Rezession in den USA zu vermeiden. Genau dies ist der größte Hoffnungsschimmer für die Wachstumsmärkte in den USA. Und wenn es der Nasdaq wieder besser geht, wäre dies sicherlich auch gut für den Neuen Markt in Deutschland.

Geldpolitik alleine garantiert aber noch keinen stabilen Aufschwung. Die Marktbereinigung muss weitergehen. Dazu gehören Fusionen und Übernahmen, dazu gehören realistischere Geschäftskonzepte. Auf absehbare Zeit werden Luftschlösser an den Wachstumsmärkten viel, viel schwieriger zu verkaufen sein als in den letzten drei, vier Jahren. Eine neue Chance erhalten auf Dauer nur Unternehmen, die dies einsehen und ihre eigenen Vorhersagen später auch erfüllen. Regelmäßig leicht über den Erwartungen zu liegen, fördert die Vertrauensbildung. Wer jedoch durch seine Zahlen hinterher belegt, dass er nicht wusste, wovon er vorher gesprochen hatte, wird künftig noch gnadenloser abgestraft.

Dies ist die Macht der Märkte - auch die neuen Anlegergenerationen haben diese Lektion nun schmerzvoll gelernt. Für die Unternehmen sollte dies Warnung genug sein. Für die Anleger ist es Grund zur Hoffnung. Die intensive Suche nach Solidität und Substanz wird belohnt werden. Und das ist auch richtig so: Erfolg an der Börse sollte auf Dauer vor allem der Tüchtige haben.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%