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Kraft voraus

Die Produkte von Kraft sind fast schon in aller Munde. Ob Ketchup, Schokolade oder Kekse, der Lebensmittelhersteller ist in jedem Eisschrank vertreten. Der Mutterkonzern Philip Morris bringt nun Kraft an die New Yorker Börse. Dies wird dem Tabakmulti einen großen Milliardenbetrag in die Kasse spülen. Mit Kraft erlebt die Wall Street den zweitgrößten Börsengang, den es jemals in den USA gab.

Rühren Sie Gelatine in kochendes Wasser und warten Sie, bis sie vollständig aufgelöst ist. Das ganze muss anschließend in kaltes Wasser gegeben und im Kühlschrank kalt gestellt werden. Heraus kommen soll dann ein Bavarian, ein bayerischer Nachtisch. Die Produkte, die man für dieses Dessert braucht, kommen natürlich von Kraft.

Rezepte gibt es Hunderte auf den Internet-Seiten des Lebensmittelgiganten - aber keine Hinweise, wie sich Anleger eine Kraft-Aktie ins Depot rühren können. Informationen sind Mangelware. Dabei mussten Investoren schon so lange warten. Seit Monaten war der Börsengang im Gespräch. Vorschusslorbeeren gab es dabei jede Menge und so lief dem einen oder anderen Kleinanleger schon im Vorfeld das Wasser im Munde zusammen.

Eines der erfolgreichsten Produkte ist lila - zumindest sieht die Verpackung so aus. Und mit den Schoko-Tafeln bringt man auch gleich Kühe in Verbindung. Milka gehört genauso zum Unternehmen wie Philadelphia und anderer Käse, Kekse, Ketchup und Tausende andere Markenartikel, die sich nach dem Kauf in Küche und Vorratskammern wieder finden.

Die Mutter von Kraft heißt Philip Morris - und sie braucht Geld. Dringend. Immerhin hat der Tabakriese im vergangenen Jahr über 19 Milliarden Dollar für die Übernahme eines anderen Branchenführers im Lebensmittelbereich, Nabisco, gezahlt. Hier soll der Schuldenberg abgebaut werden. Zudem drohen weitere Schadenersatzklagen in Raucherprozessen. Doch ganz verabschiedet sich Philip Morris nicht vom erfolgreichen Zögling, der bei einem Jahresumsatz von 35 Milliarden Dollar einen Gewinn von fast zwei Milliarden Dollar erwirtschaftet. Nur 50,5 Prozent werden verkauft, die Stimmrechte bleiben fast vollständig bei Philip Morris. Das zeigt auch, dass der Tabakmulti an einen erfolgreichen Börsenverlauf glaubt, wenn er sich nicht vollständig von Kraft trennen möchte.

Es gibt nur wenige Köche, die auch in diesem Fünf-Sterne-Bereich die Löffel schwingen. Einer dieser Konkurrenten mit Milliardenumsätzen ist Nestlé. Auch hier werden rasante Gewinnzuwächse erzielt. Kraft hat vor allem in den USA eine starke Stellung. Ein bisschen mehr Ausrichtung auf internationale Märkte könnte ganz gut tun, meinen einige Branchenexperten.

Ob der Preis für die Aktie gesalzen ist oder nicht - das entscheiden die Anleger. Doch viele Analysten sehen in Kraft eine Aktie, die in das Portfolio gehört. Insbesondere für die Langfrist-Anlage sei das Papier geeignet, heißt es. Aber auch im Zeitraum von nur einem Jahr könnte der Wert Würze haben. Die Banc of America beispielsweise geht davon aus, dass der Kurs innerhalb der nächsten zwölf Monate um mindestens zehn Prozent steigen wird. Es steht auf "market perform". Die Nahrungsmittel-Aktie könnte sich zu einem Papier entwickeln, dass gerade auch dann gefragt ist, wenn es an den Börsen turbulent zugeht. Werden Technologiepapiere von den Anlegern verschmäht, gehen Rezessionsängste um, greifen sie auch schon mal gerne zu Konsumtiteln. Der Börsengang von Kraft an der New Yorker Börse ist der zweitgrößte nach dem der Mobilfunktochter von AT&T vom Frühjahr vergangenen Jahres. Über rund acht Milliarden Dollar kann sich Philip Morris freuen.

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