Kraftwerksbetreiber sollen mit Modernsierung Ernst machen
Trittin schlägt wegen Treibhausgasen Alarm

Nachdem der deutsche Ausstoß von Kohlendioxid letztes Jahr erstmals wieder gestiegen ist, schlägt Bundesumweltminister Jürgen Trittin Alarm.

ap BERLIN. Für den Klimaschutz sollten die Stromerzeuger nun mit der Modernisierung ihrer Kraftwerke Ernst machen, forderte der Grünen-Politiker am Freitag bei der Vorstellung der Umweltdaten 2000. Er stellte zudem die Unterschiede bei der Besteuerung von Kohle und Gas in Frage.

Nicht nur die UN warne vor den dramatischen Folgen des Klimawandels, erklärte Trittin. Auch in Deutschland zeigten sich bereits die ersten Folgen darin, dass Forsythien und Schneeglöckchen durchschnittlich fünf Tage früher blühten als vor zehn Jahren. Singvögel blieben wegen des milderen Klimas fast einen Monat länger in Europa als 1970.

In Deutschland gehe der Anstieg des Kohlendioxidausstoßes um 0,2 % vergangenes Jahr darauf zurück, dass verstärkt alte Kohlekraftwerke statt moderner Gas- und Kraftwärmeanlagen genutzt worden seien, sagte Trittin. Obwohl der Einsatz von Primärenergie gesunken sei, steige der Schadstoffausstoß. Ein "verrückter Effekt" ergebe sich daraus, dass Kohle - ob nun heimisch oder importiert - im Gegensatz zu Erdgas nicht besteuert werde.

Der Minister bekräftigte die Ziele der Bundesregierung, den Kohlendioxidausstoß bis 2005 um 25 % unter das Niveau von 1990 zu senken. Auch für das Erreichen der internationalen Kyoto-Verpflichtung, bis 2010 sechs Treibhausgase um 21 % zu verringern, gebe es eine "Chance", sagte Trittin. Er verwies dazu auf das Klimaschutzprogramm der Regierung, die Ökosteuer sowie das Gebäudesanierungsprogramm und die geplante Energieeinsparverordnung. Er drängte auch auf eine schnelle Verabschiedung der Biomasseverordnung, die im Entwurf fertig sei und im März in den Bundesrat kommen solle.

Gesundheitsrisiko Lärm

Insgesamt zeigten die "Daten zur Umwelt", die das Umweltbundesamt zusammengetragen hat, eine "deutliche Entlastung der Umwelt", sagte Trittin. Luft und Wasser seien in den vergangenen Jahren sauberer geworden. Allerdings bereiteten das wachsende Verkehrsaufkommen und das ungebremste Zubauen von Flächen große Probleme. Deshalb dürfe man keineswegs "die Zügel schleifen lassen", meinte Trittin.

Der Flächenverbrauch sei in den letzten Jahren stetig angestiegen, so dass nun täglich die Fläche von 200 Fußballfeldern neu bebaut werde, sagte der Präsident des Umweltbundesamts, Andreas Troge. Die Bundesregierung steuere mit dem geplanten Naturschutzgesetz gegen, ergänzte Trittin. Änderungen an Raumordnungs- und Baurecht seien wegen der schwierigen Interessenlage im Bundesrat diese Legislaturperiode aber nicht zu erwarten.

Ein gravierendes Umweltproblem ist Troge zufolge immer noch der Lärm aus dem Straßen- und Flugverkehr. Die Zahl der Autos sei seit 1991 um 15 %, die der Lastwagen um 43 %, die der Flugbewegungen über Deutschland sogar um 75 % gestiegen. Durch Straßenlärm fühle sich bundesweit jeder zweite belästigt, etwa 15 % der Bevölkerung oder zwölf Millionen Menschen sogar "stark belästigt". Inzwischen sei nachgewiesen, dass das Risiko von Herz-Kreislauf-Erkrankungen an lauten Straßen steigen könne. Troge appellierte an Hersteller und Verbraucher, alle Autos mit lärmarmen Reifen auszustatten.

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