Krankenkasse testet neue Vorsorgeuntersuchung
Ein Blick in die Augen warnt vor Schlaganfall

Durch Analyse des Augenhintergrundes können Augenärzte der Universität Erlangen für jeden Patienten individuell voraussagen, wie hoch das Risiko ist, in den nächsten Jahren einen Herzinfarkt oder Schlaganfall zu bekommen.

DÜSSELDORF. Die Mediziner haben eine Bildverarbeitungsmethode entwickelt, mit der der Augenhintergrund aufgenommen und anschließend mit Hilfe einer Software analysiert werden kann. Die Methode wurde in dem Pilotprojekt "Talking-Eyes" gemeinsam mit der Siemens Betriebskrankenkasse (SBK) getestet und wird nun von der Krankenkasse bundesweit zur Prävention von Gefäßkrankheiten angeboten.

Die Gefäße der Netzhaut verhalten sich unter dem Einfluss von Bluthochdruck, Diabetes, erhöhten Blutfettwerten oder anderer Risikofaktoren sehr ähnlich zu den Gefäßen im Gehirn und Herzen. Mit einer Untersuchung der Netzhautgefäße kann der Arzt Veränderungen erkennen und das Risiko von Gefäßerkrankungen generell abschätzen.

Bilddaten werden per Datenleitung übertragen

Zurzeit besitzen nur die Mediziner in Erlangen das Know-how, die Bilder des Augenhintergrundes zu interpretieren. Daher werden die Bilddaten, die von einer Spezialkamera an verschiedenen Orten aufgenommen werden, anschließend per Datenleitung verschlüsselt an die Uni Erlangen geschickt. Die Augenärzte schauen sich computergestützt die Durchmesser aller Gefäße im Augenhintergrund an, suchen nach Veränderungen der Netzhaut und des Sehnervenkopfes und schätzen auf Grund dieser Daten das individuelle Schlaganfall- und Herzinfarktrisiko ein.

"Rechtzeitig gegensteuern"

"Gefäßerkrankungen entstehen in einem langsamen Prozess. Wenn man die Tendenz zu Gefäßverschlüssen frühzeitig erkennt, kann man oft noch rechtzeitig etwas unternehmen, bevor es zu einem Schlaganfall oder einem Herzinfarkt kommt", zeigt sich Gertrud Demmler, Mitglied im Vorstand der SBK, überzeugt. SBK-Kunden können daher nach der Risikoeinschätzung an entsprechenden Programmen teilnehmen - beispielsweise an einer Schulung zu hohem Blutdruck, individuellen Fitness-Programmen, einer Raucherentwöhnung oder Ernährungsberatung.

Im vergangenen Jahr wurde die Methode erstmals in einem Pilotprojekt an 7 000 Teilnehmern in Erlangen getestet. Das Durchschnittsalter der untersuchten Personen betrug 48 Jahre. Bei 20 % der Teilnehmer erkannten die Ärzte ein deutlich erhöhtes Risiko für einen Schlaganfall in den kommenden drei Jahren. Jetzt will die SBK die Vorsorgeuntersuchung bundesweit u.a. in München, Berlin, Paderborn, Augsburg, Regensburg und Frankfurt durchführen - unabhängig von einer SBK-Mitgliedschaft. Teilnehmen können Männer und Frauen ab 30 Jahren.

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