Krankheitsbedingte Kündigung

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Krankheitsbedingte Kündigung

Die krankheitsbedingte Kündigung wird zum Lotteriespiel für den Arbeitgeber. Er muss nachweisen, dass die Krankheit den Betriebsablauf beeinträchtigt hat und auch in Zukunft mit solchen Beeinträchtigungen zu rechnen ist.

DAS PROBLEM: Fällt ein Arbeitnehmer wegen Krankheit auf längere Zeit aus, so muss der Arbeitgeber versuchen, durch Überstunden, Einsatz von Leiharbeitern oder befristet eingestellte Vertretungskräfte den Arbeitsausfall zu kompensieren. Besteht die Krankheit auf ungewisse Zeit, so darf er dem Mitarbeiter als letztes Mittel auch kündigen - in der Theorie jedenfalls. Nach der Rechtsprechung muss er aber nachweisen, dass die Krankheit den Betriebsablauf beeinträchtigt hat und dass auch in Zukunft mit solchen Beeinträchtigungen zu rechnen ist. Bei dieser Gesundheitsprognose ist ihm meist aber gar nicht bekannt, an welcher Krankheit der Arbeitnehmer leidet und ob er überhaupt wieder gesund wird. Schließlich treffen die Arbeitsgerichte noch eine Abwägungsentscheidung, ob die Kündigung auch im konkreten Einzelfall zumutbar ist oder ob nicht besondere Gründe dagegen sprechen. Die Kündigung wird damit zum Lotteriespiel.

DIE PRAXIS: "In meinem Unternehmen war ein Mitarbeiter seit über einem Jahr krank. Da mir der Arbeitnehmer den Grund für die Krankheit nicht mitteilen wollte, war ich im Ungewissen, wann er wieder einsatzfähig ist. Zwar war es mir möglich, über einen gewissen Zeitraum die anfallende Arbeit durch betriebsinterne Maßnahmen wie Überstunden zumindest zum Teil auszugleichen. Die Stelle musste aber wieder besetzt werden. Ich habe mich daher entschieden, dem kranken Mitarbeiter zu kündigen und den Arbeitsplatz neu auszuschreiben. Der Arbeitnehmer hat gegen die Kündigung geklagt und vor Gericht wurde mir klar gemacht, dass eine Kündigung wegen Krankheit nicht so einfach sei und ich erst einmal eine Gesundheitsprognose anstellen müsse, dass ich also nachweisen müsse, dass mein Mitarbeiter auf Dauer nicht mehr arbeiten könne und das den Ablauf in meinem Betrieb beeinträchtigen würde. Da ich den Arbeitsplatz nun zwischenzeitlich mit einem qualifizierten Mitarbeiter neu besetzt hatte, habe ich mich mit einer hohen Abfindungszahlung von dem immer noch kranken Mitarbeiter getrennt. Im Gerichtsverfahren ist mir bewusst geworden, wie schwer es ist, einem Mitarbeiter zu kündigen. Ich werde zukünftig sehr genau überlegen, ob ich neue Mitarbeiter einstelle."

WOLFRAM HATZ jr. ist Geschäftsführender Gesellschafter der Hatz & Co. KG Ruhstorf a.d.R

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