Krawalle
Fortuyn-Anhänger greifen Polizisten an

Nach den tödlichen Schüssen auf den niederländischen Politiker Pim Fortuyn ist es am Montagabend in Den Haag zu Zusammenstößen zwischen Anhängern des rechtspopulistischen Politikers und der Polizei gekommen.

rtr DEN HAAG. Nach Berichten von Augenzeugen schleuderten Demonstranten vor dem Parlamentsgebäude Metallgitter auf sichernde Polizisten. Auf die Beamten sei ein Hagel von Steinen und Flaschen nieder gegangen, bevor die Sicherheitskräfte die Kundgebung auflösten. Die Anhänger Fortuyns, darunter viele biertrinkende Jugendliche, richteten wüste Beschimpfungen gegen die führenden Politiker der Niederlande und machten sie lautstark für den gewaltsamen Tod ihres Idols mit verantwortlich, weil sie dessen radikale Positionen öffentlich kritisiert hätten.

In den Niederlanden stehen in weniger als zwei Wochen Parlamentswahlen an. Meinungsforscher haben der bisher regierenden Mitte-Links-Koalition deutliche Verluste voraus gesagt. Die Liste Pim Fortuyn hingegen könne mit 15 % der Stimmen rechnen, hieß es.

Der 54-jährige Fortuyn war gegen 18.00 Uhr am Montag vor dem Funkhaus in Hilversum bei Amsterdam niedergeschossen worden. Die Polizei teilte mit, nach dem Attentat sei ein niederländischer Staatsbürger festgenommen worden, der in der Nacht weiter verhört wurde. Die Identität des Täters und das Motiv für die Tat blieben zunächst unklar. Politiker aller niederländischen Parteien äußerten sich bestürzt über den Vorfall.

Der sich offen zu seiner Homosexualität bekennende, kahlgeschorene ehemalige Soziologiedozent Fortuyn, der mit einer eigenen Liste für die Wahl am 15. Mai kandidierte, hatte den Sender in Hilversum gerade verlassen. Augenzeugen berichteten, es sei sechs Mal auf ihn geschossen worden.

Das niederländische Kabinett wollte noch in der Nacht zu einer Sondersitzung zusammenkommen. Nach Angaben seiner Partei hatte Fortuyn mehrmals Morddrohungen bekommen. Ihm wurde Ausländerfeindlichkeit vorgeworfen, nachdem er sich für die Streichung des Antidiskriminierungsparagrafen aus der Verfassung ausgesprochen und den Islam eine rückwärts gewandte Kultur genannt hatte. Fortuyn war mit der Forderung, die Niederlande müssten ihre Grenzen für Einwanderer schließen, in den Wahlkampf gezogen.

In Hilversum legten Bürger in der Nacht zum Dienstag vor der Polizeiabsperrung Blumen und Teddybären als Zeichen ihrer Trauer und Betroffenheit nieder. Und in Rotterdam, der Heimatstadt des erschossenen Politikers warteten Trauernde geduldig, von der Polizei in kleinen Gruppen zur Villa Fortuyns vorgelassen zu werden, um auch dort Blumen abzulegen und Kerzen anzuzünden.

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