Kreative und prägnante Schöpfung
„Teuro" ist das Wort des Jahres

"Teuro" ist das Wort des Jahres 2002. Dies gab die Gesellschaft für deutsche Sprache (GfdS) am Freitag in Wiesbaden bekannt.

HB/dpa WIESBADEN. Die Wortschöpfung sei prägnant und kreativ zugleich, drücke ein verbreitetes Gefühl aus und habe zahlreiche Ableitungen wie "Teuro-Debatte" und "Teuro-Sheriff" inspiriert, sagte Jury-Mitglied Joachim Heise. Auf die Plätze zwei und drei kamen "Pisa-Schock" und "Jahrtausendflut". Position vier belegte das von Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) benutzte Wort "Kakophonie". Der Kanzler habe einen bildungssprachlichen Ausdruck wiederbelebt, um die Missklänge in der rot-grünen Koalition zu benennen, sagte Heise.

Die GfdS kürt alljährlich Ausdrücke, die den öffentlichen Sprachgebrauch des betreffenden Jahres geprägt haben. Zu der zehn Positionen umfassenden Liste trug in diesem Jahr VW-Manager Peter Hartz mit seinem Papier zur Reform der Arbeitsvermittlung allein zwei Begriffe bei: "Ich-AG" kam auf Platz fünf, "Job-Floater" auf sieben. Dazwischen rangiert "Bush-Krieger". Die Jury wertete den vom Magazin "Spiegel" geprägten Ausdruck als kreative Wortverschmelzung.

Beim einzigen Verb auf der Liste steht der Frankfurter PR- Unternehmer Moritz Hunzinger Pate: "verhunzingern" (Platz 8) bezeichne eine neue Form von Lobbyismus, sagte Heise. Sprachlich handele es sich um eine im Deutschen seltene Ableitung aus einem Familiennamen. Platz neun ging dagegen an eine typisch deutsche Prägung: "Arzneimittelausgabenbegrenzungsgesetz" ist in den Augen der Jury das Parade-Beispiel einer Komposita-Bildung (Wortzusammenfügung), die andere Sprachen kaum kennen.

Auch ein Lied-Titel schaffte es auf die Liste der prägenden Wörter: "Es gibt nur ein' Rudi Völler" brachte nach Ansicht der GfdS die Freude der deutschen Fußballfans über den Vizeweltmeister-Titel am besten auf den Punkt.

Mitglieder und Außenstehende hätten in diesem Jahr 155 Vorschläge eingesandt, darunter zwölf Mal "Teuro", sagte Heise: "Das hat unser Votum unterstützt." Bei der Wahl zum Wort des Jahres komme es jedoch nicht nur auf statistische Häufigkeit an; ein Ausdruck müsse auch typisch sein für das betreffende Jahr. GfdS-Präsident Rudolf Hoberg erklärte, aus der Liste der seit 1971 gekürten Wörter könne man "eine kleine Kulturgeschichte der Bundesrepublik Deutschland schreiben". Unterdessen teilte das Statistische Bundesamt mit, dass sich der Euro trotz höherer "gefühlter Inflation" nicht als "Teuro" erweise. Diese Aussage von Währungshütern untermauerten die Statistiker in Wiesbaden am Freitag mit neuen Zahlen. Die Inflationsraten der vergangenen Monate zeigten, dass die Euro-Einführung auf die Verbraucherpreise keinen wesentlichen Einfluss gehabt habe. Sonderentwicklungen dürften aber zum "Teuro"-Gefühl beigetragen haben: So sei bei keiner der untersuchten Dienstleistungen der Preisschub vom Januar rückgängig gemacht worden.

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