Kreativität ist gefragt
Bekleidungshersteller beweisen „Modemut“

Der Böblinger Bekleidungshersteller Passport Fashion GmbH will bei seiner Mode neue Akzente setzen.

DÜSSELDORF. Im September schuf er deshalb die Funktion des Kollektions-Managers, einen Job, den Daniela Kromer-Gouder übernommen hat. Ihre Aufgabe: Der Kollektion des Strickwarenherstellers mehr Wertigkeit zu verpassen - sprich: mit Ziernähten oder anderen verspielten Details, eingewebten Lurex-Garnen oder neuer Material-und Verarbeitungsweise der Mode mehr "Emotionalität" zu verpassen.

Passport ist kein Einzelfall. Frank Gouder, geschäftsführender Gesellschafter der Passport Fashion GmbH, sieht allenthalben den Aufbruch der Modebranche in die Welt der Gefühle - so etwa auch beim Bodelshausener Bekleidungshersteller Marc Cain, der zur Modemesse CPD Anfang Februar in Düsseldorf eine gelungene Kollektion präsentierte. Als Positiv-Beispiel in Sachen "Emotionalisierung der Marke" gelten unter Experten auch der Hamburger Hersteller Kapalua oder Delmond in Delmenhorst, der mit der Schauspielerin Veronica Ferres wirbt.

"Wir haben in den vergangenen Jahren so viel über Standardisierung nachgedacht, dass wir die Freude und die Gefühle vergessen haben", erläutert Gouder den Trend, der die Passport-Mode in die Nüchternheit abdriften ließ. Sachthemen wie Kostensenkungs-Programme, Umstellung der Logistik, Beschleunigung des Lieferrhythmus und die Suche nach dem günstigsten Produktionsstandort prägen den Alltag.

Kraft der Kreativität

Die neue Kollektions-Managerin Daniela Kromer-Gouder bringt den Kern des Problems auf den Punkt: "Wenn man acht Kollektionen im Jahr produziert, dann ist die Gefahr groß, dass man ,Fließbandarbeit? leistet." Dass seine Ehefrau Daniela, die neben ihrem neuen Job bei Passport noch ihr eigenes Unternehmen, den Hersteller von Kinderbekleidung "Mama Mia" führt, als Kollektions-Managerin fungiert, birgt für Gouder keine familiären Nachteile: Seine Frau schaffe es in entscheidenden Momenten - eher als ein Fremder - zu ihm durchzudringen. Gouder hatte Passport 1994 in einem Management-Buy-out übernommen. Daneben sind die Risikokapitalgesellschaften 3i Group in London und die Frankfurter Industriebeteiligungsgesellschaft (IBG) Anteilseigner des 1978 gegründeten Strickmodenherstellers.

Wie in den meisten Fällen führte der äußere Druck im Modemarkt dazu, dass die Bekleidungswirtschaft beginnt, ihre Situation zu überdenken. "2003 war ein extrem schwieriges Jahr für die Mode-Branche", gibt Gouder zu. "Das hat viele dazu gebracht, nachzudenken." Vielleicht sei es die langanhaltende Stagnation gewesen oder auch beim Shopping die Beobachtung, dass den Klamotten der "Kick" fehle, die zum Umdenken geführt hätten.

Man besinnt sich zunehmend auf die wettbewerbsentscheidende Kraft der Kreativität", fasst Thomas Rasch, Geschäftsführer des German Fashion Modeverbands in Köln, zusammen. "Eine gute Preis-Leistung bieten im Grunde alle", betont er, "aber der ,Thrill?, der beim Verbraucher den Wunsch auslöst, ein bestimmtes Kleidungsstück zu kaufen, ist entscheidend." Dabei erkennt er - fast mehr noch als bei der Industrie - beim Einzelhandel den Drang, wieder mehr "Modemut" zu beweisen. Für Roland Hofmann, Senior PR Berater bei der Düsseldorfer Modemedia GmbH ist die Zeit reif für den Aufbruch: "Die Krise hat nach dem 11. September zu lange gedauert. Und dann sagt man sich, jetzt muss etwas passieren." Gouder ist zuversichtlich, dass sich sein neu gefasster "Modemut" in steigenden Umsätzen (2003: 37 Mill. Euro) niederschlagen wird.

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