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Krebs-Erreger in Bio-Nahrung gefunden

Mehrere Erzeuger von Bio-Nahrungsmitteln haben am Freitag Eier und Geflügelprodukte wegen der Belastung mit dem verbotenen Krebs erregenden Herbizid Nitrofen zurückgerufen und einen Auslieferungsstopp verhängt.

rtr HANNOVER. Der Geschäftsführer des Eiererzeugers Wiesengold GmbH & Co KG in Twistringen, Heinrich Tiemann, sprach am Freitag von einem vorsorglichen Schritt, zu dem sich sein Unternehmen zum Schutz der Verbraucher entschlossen habe. Wiesengold ist mit 200 000 Hühnern einer der Marktführer bei Bio-Eiern uns beliefert unter anderem bundesweit Supermärkte. Nach Angaben der Öko-Organisation Naturland e. V. haben auch Erzeuger von Fleisch- und Wurstwaren aus Geflügel die Lieferungen vorerst ausgesetzt. "Nitrofen-Rückstände aus unseren Produkten wurden erstmals im Dezember 2001 bei einem Hersteller von Babynahrung entdeckt", sagte Naturland-Mitarbeiter Carsten Däbert. In der ersten Mai-Woche seien Spuren des Herbizids bei stichprobenartig getöteten Tieren festgestellt worden. Die entsprechenden Tierbestände seien daraufhin gesperrt worden. Naturland zertifiziert angeschlossene Betriebe mit einem Öko-Siegel.

In Futtermitteln eines Erzeugers von Bio-Geflügel und Bio-Eiern aus dem niedersächsischen Landkreis Vechta waren die Nitrofen-Rückstände entdeckt worden. Nach den Erkenntnissen des niedersächsischen Landwirtschaftsministeriums wurden am 19. März bei einer Eigenkontrolle des Mischfutterherstellers in einer Lieferung von 100 Tonnen Öko-Weizen aus Brandenburg 5,96 Milligramm pro Kilogramm des verbotenen Stoffes gefunden. Dieser Hersteller habe "eine erhebliche Anzahl von Öko-Erzeugern in mehreren Bundesländern beliefert", sagte Futtermittelreferent Götz Anhalt. Dort seien jetzt Proben von Futtermitteln und Endprodukten genommen worden.

Bundesministerium: Auch konventionelle Produkte prüfen

Niedersachsens Landwirtschaftsminister Uwe Bartels (SPD) kritisierte, dass die Behörden nicht über die Befunde informiert worden seien. Offenbar seien wichtige Erkenntnisse nicht weitergegeben worden. Dadurch habe eine mögliche Gefährdung der Verbraucher nicht rechtzeitig vermieden werden können. Er habe wegen Verstoßes gegen das Lebensmittelrecht Strafanzeige bei der Staatsanwaltschaft gestellt. Das Landwirtschaftsministerium erfuhr nach eigenen Angaben erst "auf Umwegen" am Donnerstag von den Belastungen mit dem Unkrautvernichtungsmittel.

Nitrofen steht nach Angaben des Landwirtschaftsministerium im Verdacht, beim Menschen Krebs auszulösen. Es ist seit 1988 in der Bundesrepublik verboten, seit der Wiedervereinigung 1990 in ganz Deutschland. Es sei zu vermuten, dass beim Weizenanbau in Brandenburg illegale Restbestände verbraucht worden seien, sagte ein Sprecher des niedersächsischen Landwirtschaftsministeriums.

In einer Erklärung des Bundeslandwirtschaftsministeriums hieß es, noch sei unklar, ob die Belastung der Futtermittel "durch eine Altlast" oder durch verbotswidrige Anwendung zu Stande gekommen sei. Die Funde im ökologischen Anbau sollten ans mögliches Indiz für Rückstände auch in konventionellen Produkten genommen werden. Darüber müssten weitere Untersuchungen in den Bundesländern schnell Klarheit schaffen.

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