Kredit über 4,7 Milliarden Euro ist bald fällig
Mobilcom schaltet Handelsaufsicht ein

Die Büdelsdorfer Mobilcom AG hat am Dienstag die Handelsüberwachungsstelle der Frankfurter Börse wegen des Kurseinbruchs ihrer Aktie eingeschaltet. Das meldet das Anlegermagazin "Die Telebörse" in seiner Donnerstagausgabe.

HB/jr PARIS/HAMBURG. Am Dienstagmittag, gerade während des deutschen WM-Spiels gegen Kamerun, stieß nach Informationen der Telebörse eine Pariser Adresse in 30-Cent-Schritten massiv Mobilcom-Aktien ab. Der Kurs stürzte vom Eröffnungskurs 13,64 Euro bis auf 8,60 Euro. Als die Büdelsdorfer daraufhin die Handelsüberwachungsstelle einschalteten, erholte sich der Kurs auf 9,65 Euro.

Kurz nach 17.00 Uhr erklärte France-Telecom-Finanzvorstand Jean-Louis Vinciguerra, dass der Kooperationsvertrag mit Mobilcom bendet werde. Daraufhin fiel der Kurs bis 18.15 Uhr auf das Allzeit-Tief von 7,25 Euro.

Mit der Kündigung erlischt jegliche Verpflichtung, Mobilcom weiter zu finanzieren, sagte France-Télécom-Finanzvorstand Jean-Louis Vinciguerra. Gerhard Schmid, Mobilcom-Chef und-Gründer, habe nun auch nicht mehr das Recht, France Télécom 50 % der Mobilcom-Aktien anzudienen, die er und seine Frau halten. "Wir wollen nicht, dass Mobilcom zahlungsunfähig wird", sagte Vinciguerra. "Aber wenn wir jetzt nicht schnell eine Lösung finden, steht das Unternehmen unter Umständen kurz vor der Pleite."

Mobilcom ist hoch verschuldet, seit das Unternehmen im August 2000 eine UMTS-Mobilfunklizenz ersteigert hat. Neben Krediten bei Ausrüstungslieferanten in Höhe von 1 Mrd. Euro drückt das Unternehmen ein Kredit über 4,7 Mrd. Euro, der am 31. Juli fällig wird.

Verhandlungen über Auffanglösung gehen weiter

Die Verhandlungen über eine Auffanglösung der 19 Gläubigerbanken gehen laut Vinciguerra weiter. France Télécom werde die Schulden aber auf keinen Fall in die eigene Bilanz nehmen, sagte er. Die Pariser Börse begrüßte den harten Schritt von France Télécom. Der Aktienkurs stieg bis Börsenschluss um fast 8 % auf 19 Euro. Für France Télécom ist der Ausstieg aus allen Zahlungsverpflichtungen für Mobilcom die beste Möglichkeit, den eigenen Schuldenberg zu begrenzen. Die 28,5 %-Beteiligung an Mobilcom hatte der Telefonkonzern in der Bilanz 2001 komplett abgeschrieben. Eine Mehrheitsübernahme hätte das Unternehmen nach früheren Angaben von France-Télécom-Chef Michel Bon weitere 7 Mrd. Euro gekostet. Der Kurs von Mobilcom stürzte gestern Nachmittag um fast 30 % auf unter 10 Euro ab, nachdem Gerüchte über eine möglicherweise bevorstehende Insolvenz die Runde machten.

Vinciguerra begründete die Kündigung des Rahmenabkommens mit Vertragsverletzungen von Mobilcom-Chef Gerhard Schmid. Vor allem durch die Affäre um Aktienkäufe einer Gesellschaft seiner Frau habe Schmid das Vertrauen erschüttert, so Vinciguerra. Die dabei aus dem Unternehmen abgezogenen 68 Mill. Euro habe er dann nicht innerhalb der vom Aufsichtsrat festgesetzten Frist zurückgezahlt. "Zu unserem großen Erstaunen hat ihn der Aufsichtsrat dann aber nicht, wie es zu erwarten gewesen wäre, mit sofortiger Wirkung vom Vorstandsvorsitz abberufen", sagte Vinciguerra. "Unsere Geduld ist zu Ende."

Vinciguerra sagte auch, dass man als verantwortungsvoller Aktionär daran mitarbeiten wolle, das Überleben von Mobilcom zu sichern. Ein Interesse bestehe aber nur, wenn man für Mobilcom einen der drei anderen kleinen UMTS-Lizenzbesitzer - E-Plus, O2 oder Quam - für eine Fusion gewinnen könne.

Das wiederum halten Branchenexperten für schwierig: Mobilcom hat zwar 5 Millionen Mobilfunkkunden. Diese würden bei einer Fusion jedoch zunächst an die Netzbetreiber T-Mobile, Vodafone und E-Plus fallen: Mobilcom ist lediglich als Dienstleister für diese Netzbetreiber tätig. Derartige Serviceprovider-Verträge enden im Falle einer Fusion mit einem Netzbetreiber.

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