Kredit über 460 Milliarden Euro seit vier Tagen fällig
Dresdner kann Telecinco noch nicht verwerten

Die Dresdner Bank wird ihren am 8. April 2002 fällig gewordenen Kredit an die Kirch-Holding nicht mehr verlängern. Nun will sie ihre Verwertungsansprüche geltend machen.

mv/po FRANKFURT/M. "Der Kredit ist fällig und nicht zurückgezahlt. Von daher werden nun die notwendigen Schritte eingeleitet", sagte der Vorstandsvorsitzende der Dresdner Bank, Bernd Fahrholz, auf der Bilanzpressekonferenz.

Die Allianz-Tochter wird nun aber nicht ernsthaft auf Rückzahlung drängen, denn dadurch ginge auch die Kirch-Dachgesellschaft Taurus-Holding pleite. "Daran hat niemand ein Interesse", heißt es in Bankenkreisen. Zudem kann die Dresdner Bank mit der Verwertung noch nicht beginnen: Sie hat gegenüber Kirch eine Unterstützungserklärung abgegeben, die laufenden Gespräche mit Silvio Berlusconi nicht zu gefährden.

Dieser hat Interesse daran erklärt, Kirchs Anteile am spanischen TV-Sender Telecinco zu kaufen. Berlusconi dringt aber wohl auf eine Zustimmung der Poolbanken DZ Bank, Commerzbank, Bayerische Landesbank und Hypo-Vereinsbank. Diese wird aber wohl nicht abgegeben, weil die Institute Telecinco der Insolvenzmasse zuführen wollen. Sollte die Zustimmung der Poolbanken ausbleiben, würde auch die Unterstützungserklärung der Dresdner Bank erlöschen. Die Bank könnte die Verwertung dann starten, erklärt ein Banker. Hierzu habe sie zwei Möglichkeiten: Entweder sie verkaufe Telecinco auf eigene Rechnung, oder die Dresdner Bank kaufe den Anteil selbst als Finanzinvestment, um ihn später weiter zu verwerten.

Bei der Verwertung des Telecinco-Anteils könnte die Dresdner Bank allerdings auf Widerstand stoßen. Denn nach Eröffnung des Kirch-Media-Insolvenzverfahrens könnte die Verpfändung der Telecinco-Anteile angefochten werden, wenn das Datum der Verpfändung nicht lang genug zurück liegt. Die Insolvenzordnung sieht nämlich rückwirkend eine dreimonatige Anfechtungsfrist vor. In einem solchen Fall wäre die Verpfändung unwirksam, und die Anteile gehörten weiterhin zur Insolvenzmasse von Kirch Media.

Bei den Poolbanken ist man jedenfalls dieser Auffassung, weil die Telecinco-Anteile im Februar von den Geschäftsführern der Telecinco-Muttergesellschaft Telefuturo S.A. verpfändet wurden. Obwohl in der Serie der Verpfändungen mehrere Gesellschaften zwischengeschaltet seien, komme es nach Ansicht eines Managers der Poolbanken auf den "letzten Rechtsakt" an.

Nach Ansicht anderer Bankenkreise könne jedoch allenfalls die Verpfändung der Anteile der spanischen Muttergesellschaft durch Kirch Media an die Dresdner angefochten werden. Diese erfolgte im Dezember vergangenen Jahres, also außerhalb der Anfechtungsfrist.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%