Kreditanalysten warnen schon vor steigenden Zinsen
Die richtige Mischung finden

Trotz erwarteter Zinssteigerungen: Ausgewählte Unternehmensanleihen besitzen nach Ansicht von Rentenexperten gute Anlagechancen.

Sieben für sieben! Wenn es einen Preis für den besten Werbeslogan bei einem Finanzprodukt gäbe - die Verantwortlichen der Finanzabteilung von Thyssen-Krupp könnten sich berechtigte Hoffnungen machen. Auf diese griffige Formel nämlich haben sie die Eckdaten der Anleihe gebracht, die sie mit Hilfe zweier Banken in der vergangenen Woche am Kapitalmarkt platziert haben.

Echte Werbung hatte der Bond allerdings gar nicht nötig gehabt. Binnen Stunden war die milliardenschwere Anleihe unter das Anlegervolk gebracht. Ein Kupon von 7 Prozent und gleichzeitig ein guter Namen des Schuldners - das lockt in Zeiten, in denen sich mit Bundesanleihen und anderen sicheren Staatstiteln selten mehr als 5 Prozent holen lassen, auch vorsichtige Anleger aus der Reserve. Zumal: Nachdem viele von ihnen die Erholung am Aktienmarkt dazu genutzt haben, ihre Aktienbestände weiter abzubauen, ist genügend Liquidität vorhanden, die einer Wiederanlage harrt. Eine zinsstarke Unternehmensanleihe kam den meisten da gerade recht.

Ob sich die am Ende als gutes Geschäft erweist, wird sich allerdings erst noch zeigen müssen. Denn geht es nach den Experten, dann steht dem Rentenmarkt Ungemach bevor - trotz oder gerade wegen der Zinssteigerungen seit Jahresanfang.

Fundamentale Faktoren, die den Analysten Munition für ihren Pessimismus liefern, gibt es genug

Denn ob damit das Ende der Fahnenstange erreicht ist, scheint fraglich. "Ich rechne damit, dass die Renditen zehnjähriger Euro-Staatsanleihen noch weiter auf 5,5 Prozent steigen", sagt Helmut Kaiser, Leiter der strategische Anlageberatung bei der Deutschen Bank. "Erst dann dürfte ein Niveau erreicht sein, das die Bondkäufer für attraktiv genug halten." Mit dieser Einschätzung ist Kaiser nicht allein. Ebenso wie er warnen auch die Kreditanalysten des Investmenthauses J.P. Morgan in ihrem jüngsten Ausblick vor dem Risiko steigender Zinsen.

Fundamentale Faktoren, die den Analysten Munition für ihren Pessimismus liefern, gibt es genug: Die Stimmungsindikatoren signalisieren eine Konjunkturerholung diesseits und jenseits des Atlantiks, die Haushaltsdiziplin in Euroland sinkt, wie jüngst die Affäre um den "blauen Brief" aus Brüssel für Bundesfinanzminister Hans Eichel gezeigt hat, und die militärischen Operationen in Asien und dem Nahen Osten kosten die USA und ihre engsten Verbündeten viel, viel Geld. Folge: Die Erwartungen sinkender Inflationsraten sind verflogen. Stattdessen schüren Kriegsängste und die Gefahr ausufernde Budgetdefizite Befürchtungen, die Regierungen könnten wieder mehr Schulden machen und damit die Teuerung anheizen.

Viele Anleger sind in dieser Situation auf der Suche nach der richtigen Anleihestrategie. "Es ist wenig ratsam, sich gegen den allgemeinen Trend zu stellen", rät Anlageexperte Kaiser. "Am sinnvollsten erscheint es mir, sich auf den Bereichen der Zinskurve strategisch zu positionieren, die derzeit besonders steil verlaufen - das sind die Laufzeiten von sechs bis acht Jahren."

Wenig hält der Deutsche-Bank-Mann davon, ausschließlich auf kurze Restlaufzeiten zu setzen. In der Vergangenheit hat sich nämlich gezeigt, dass in Phasen mit Leitzinsanhebungen die Zinskurve nicht nur insgesamt steigt, sondern auch flacher oder sogar invers wird. Das heißt, das "kurze Ende" bringt dann höhere Zinsen als langfristige Papiere. Folge: Kurzläufer verlieren gegenüber den Langläufern überproportional im Kurs.

Viele Anleger sind auf der Suche nach der richtigen Anleihestrategie

Doch nicht nur die Laufzeiten-, sondern auch die Emittentenkarte sollten Anleger in diesen unsicheren Zinszeiten ausspielen. "Wir rechnen damit, dass bei einer langfristigen Konjunkturerholung die Unternehmensanleihen Staatstitel outperformen werden", sagt Holger Kammel, Credit-Research- Analyst bei der LBBW. "Sie profitieren auch in einem insgesamt steigenden Aktienmarkt."

Die bereits deutlich angestiegenen Aktienkurse signalisieren nämlich, dass es mit den Unternehmensgewinnen nach einer langen Durststrecke endlich wieder bergauf gehen dürfte. Das freut nicht nur die Aktionäre, sondern auch die Besitzer von Unternehmensanleihen, in der internationalen Börsensprache Corporate Bonds genannt. Für sie sinkt das Risiko, dass die Anleihe Not leidend wird, weil der Schuldner nicht mehr in der Lage ist, Zins und Tilgung zu leisten.

Doch ebenso wie bei den einzelnen Laufzeitbereichen sind auch im großen Feld der Unternehmensanleihen mit Tausenden von Emittenten Chancen und Risiken unterschiedlich verteilt. "Auf Grund der relativ hohen Chancen für das gesamte Anleihesegment empfehlen wir Anlegern, ein etwas höheres Risiko einzugehen und bei mit A und BBB gerateten Titeln zuzugreifen." Noten von A bis BBB bekommen diejenigen Gesellschaften, deren Bonität als gerade noch gut bis durchschnittlich von den Rating-Spezialisten eingestuft wird. In diesem Bereich ist der Renditeabstand, der so genannte Zinsspread, zu erstklassigen Staatspapieren mit ähnlicher Laufzeit besonders groß. Knapp 200 Basispunkte, also zwei Prozentpunkte, sind keine Seltenheit.

Bei den Emittenten rät die LBBW beispielsweise zu den zuletzt gebeutelten Bonds von Telekommunikationsgesellschaften und Automobilbauern. Ihnen trauen die LBBW-Spezialisten eine besonders rasante Aufholjagd zu. Für die Emissionen von Versorgern und Handelsunternehmen sehen sie dagegen eher unterdurchschnittliche Chancen.

Auch die Deutsche Bank hat in ihrem Musterdepot den Anteil der Unternehmensanleihen hochgefahren. Gute Namen wie Deutsche Telekom, France Télécom, Daimler-Chrysler und Ford, dazu defensive Titel wie RWE und Südzucker bieten nach Ansicht von Helmut Kaiser eine solide Perspektive.

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