Kreditausfälle durch Firmeninsolvenzen zwingen zu hoher Risikovorsorge
Analyse: Pleitegeier bedrohen auch Banken

Bisher waren sie immer die Gewinner: die Banken, die bei einer Insolvenz meist über die besten Sicherheiten für ihre Kredite verfügten. Inzwischen bedrohen die Firmenpleiten aber auch das Bankengeschäft.

FRANKFURT/M. Holzmann, Fairchild Dornier, Herlitz, Mühl, Kirch - die Liste der großen Pleitefälle in Deutschland wird immer länger. Hinzu kommen spektakuläre Firmenzusammenbrüche wie Enron in den USA und die Fluggesellschaften Sabena oder Swissair. Davon bleibt auch die deutsche Kreditwirtschaft nicht verschont - und zwar nicht nur, weil die betroffenen Unternehmen ihre Kredite nicht mehr zurückzahlen können, sondern auch, weil die Banken häufig selbst noch an den Firmen beteiligt sind. 12,7 Mrd. Euro an Problemkrediten hatte die Deutsche Bank Ende 2001 in ihren Büchern stehen, 12,9 Mrd. Euro die Hypo-Vereinsbank.

Weil das Desaster absehbar war, haben die Banken bereits im vergangenen Jahr ihre Vorsorge für die vom Ausfall bedrohten Kreditengagements drastisch erhöht. Allein die Deutsche Bank steigerte ihre Risikovorsorge um 134 % auf 1,024 Mrd. Euro (siehe Grafik). Doch nicht nur die Großbanken werden von den Pleiten belastet. Auch Genossenschaftsbanken und Sparkassen leiden. Das neue genossenschaftliche Spitzeninstitut DZ Bank muss für 2001 rund 700 Mill. Euro Risikovorsorge bilden. Diese Summe sei wegen "der Kreditvergabepolitik Ende der 90er-Jahre" entstanden, sagt DZ-Bank-Chef Ulrich Brixner. Bereits für das Jahr 2000 musste die DG Bank, die wegen einer massiven Schieflage mit der GZ-Bank zur DZ Bank fusionierte, rund 1,7 Mill. DM wertberichtigen.

Besserung ist nicht in Sicht. Die Banken selbst und Experten rechnen für das laufende Jahr mit weiterhin sehr hohen Vorsorgepositionen. Hypo-Vereinsbank-Chef Albrecht Schmidt kündigte für 2002 eine Risikovorsorge ungefähr auf Höhe des Vorjahres an. Die Deutsche Bank erwartet für die Risikosituation keine Erholung. Rolf-E. Breuer, der im Mai sein Amt als Vorstandssprecher der Deutschen Bank an Josef Ackermann übergibt und in den Aufsichtsrat wechselt, sieht das Institut vor einem schwierigen Jahr und will den Risiken des Geschäfts mit einer gesunden Portion Vorsicht begegnen. Analysten von WestLB Panmure sehen lediglich bei der Commerzbank einen leichten Rückgang, erwarten dagegen bei der Deutschen Bank nochmals eine Erhöhung.

Nach Meinung von Jochen Sanio, dem Präsidenten des Bundesaufsichtsamtes für das Kreditwesen, zeigt die Erfahrung der vergangenen Jahre, dass die Risikovorsorge der Banken ihren höchsten Stand etwa neun Monate nach dem konjunkturellen Tiefpunkt erreicht. Geht man von einer wirtschaftlichen Erholung in der zweiten Jahreshälfte aus, würde dies eine erhebliche Belastung der Ergebnisse der Banken 2002 durch Kreditausfälle darstellen. Sanio sieht darin eine Gefährdung für einige der inländischen Institute: "Die deutschen Banken leiden unter einer ausgeprägten Rentabilitätsschwäche. Die durchschnittlichen Erträge der deutschen Banken und Sparkassen sind viel zu niedrig, als dass sie davon auskömmlich leben könnten. Deshalb ist eine nochmals hohe Risikovorsorge im Jahr 2002 eine erhebliche Belastung", meint der Präsident.

Ein Banken-Opfer hat die Pleitewelle bereits gefordert. Die fränkische Schmidt-Bank musste ihrer expansiven Kreditpolitik Tribut zollen und konnte nur durch die Auffanggesellschaft Medusa, der die vier Großbanken und die Bayerische Landesbank angehören, vor dem Zusammenbruch bewahrt werden. Im laufenden Jahr wird mit weiteren Bankpleiten gerechnet. "Einige Banken, vor allem kleinere, werden Unterschlupf suchen müssen", schätzt Unternehmensberater Edgar Klein von Deloitte Consulting. Vor allem die DZ Bank und die Bayerische Landesbank gelten als sehr gefährdet. "Die Bayerische Landesbank kann keine negativen Überraschungen mehr verdauen, und auch die Lage der DZ Bank ist kritisch", berichtet ein Insider.

Die schwierige Situation der Banken im Kreditgeschäft wird sich auch 2003 noch fortsetzen. "Viele faule Kredite sind noch da", meint ein Banker. Klein rechnet damit, dass "die Risikovorsorge 2002 eher fein bemessen sein wird". Zum einen hätten die Banken nicht ausreichend Reserven, zum anderen wollten die Institute nach dem Katastrophenjahr 2001 wieder etwas Positives zeigen.

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