Kreditausfälle und Handelsverluste drücken die Gewinnerwartungen
JP Morgan schreckt die Wall Street auf

Der amerikanische Bankensektor hat die Folgen der Spekulationsblase aus den 90er Jahren offenbar noch nicht verdaut. Die Gewinnwarnung der US-Großbank JP Morgan Chase deutet darauf hin, dass die Finanzinstitute in den USA weitaus stärker mit faulen Krediten belastet sind als bislang bekannt.

tor NEW YORK.

An der New Yorker Börse sank der Kurs von JP Morgan nach Handelsbeginn um fast 12 % und zog andere Banken mit sich. Eine gewisse Erleichterung brachte das gute Abschneiden der Investmentbank Bear Stearns, die einen Gewinnanstieg von 22 % im dritten Quartal meldete.

JP Morgan hatte am späten Dienstagabend gewarnt, dass ihr Gewinn im dritten Quartal "deutlich" unter dem Ergebnis der Vorperiode liegen werde. Zwischen April und Juni hatte die nach der Citigroup zweitgrößte US-Bank noch einen operativen Gewinn von 1,2 Mrd. $ verbucht. Henry McVey, Bankanalyst bei der Investmentbank Morgan Stanley, rechnet damit, dass JP Morgan im dritten Quartal die Gewinnschwelle nur noch knapp erreichen wird. Zuvor hatte er einen Profit von 50 Cent je Aktie vorausgesagt.

JP Morgan-Chef William Harrison führte das schlechte Abschneiden auf steigende Kreditausfälle insbesondere aus dem Kabel- und Telekommunikationssektor sowie auf stark gesunkene Handelseinnahmen zurück. Die Kreditkosten für Abschreibungen und erhöhte Rückstellungen werden im dritten Quartal vermutlich von zuvor 302 Mill. $ auf 1,4 Mrd.$ ansteigen Die Handelseinnahmen beliefen sich im Juli und August nur auf 100 Mill. $ - nach 1,1 Mrd. $ im zweiten Quartal. "Wir haben quer durch das Orderbuch Geld verloren", sagte Finanzchefin Dina Dublon.

"Ich bin von dem Ergebnis sehr enttäuscht und übernehme die volle Verantwortung dafür", sagte Harrison. Die Folgen könnten jedoch zunächst seine Mitarbeiter zu spüren bekommen: Harrison wollte Entlassungen nicht ausschließen, um die Kosten nach unten zu drücken. Analysten stellen jedoch Harrisons Strategie in Frage, die Bank auf Geschäftskredite und das Investmentbanking zu konzentrieren: "Wieviele Belege sind noch nötig, damit die Manager einsehen, dass ihre Strategie verfehlt ist und sie einen Kurswechsel vollziehen?", fragt David Hendler vom Branchendienst Creditsights. Harrison verteidigte sich und seine Strategie gegen die wachsende Kritik in einem Gastbeitrag für das Wall Street Journal. Die Vereinigung von Geschäfts- und Investmentbanken habe sich auch in der Krise bewährt, schreibt er.

Seine Kritiker werfen ihm vor, das Geschäft mit den Konsumenten zu vernachlässigen. Zudem stellen viele das Modell eines Bank-Supermarktes in Frage, mit dem JP Morgan Chase möglichst viele Finanzdienstleistungen unter einem Dach vereinigen will. Die Citigroup gilt als Martktführer auf diesem Gebiet - und steckt ebenfalls in einer Krise.

Die Ratingagenturen Standard & Poor?s und Fitch stuften die Kreditwürdigkeit von JP Morgan nach der Gewinnwarnung postwendend herunter. "Das ist mehr als peinlich für das Unternehmen", sagte Diane Glossman, Analystin bei der Investmentbank UBS Warburg, dem Wall Street Journal.

Insbesondere die erneuten Kreditausfälle im Telekommunikationssektor sind überraschend. Die Bank hat Außenstände von rund 9 Mrd. $ an Telekomunternehmen. In der Vergangenheit hatte JP Morgan immer wieder beteuert, man habe die Risiken der notleidenden Branche im Griff. Jetzt musste Harrison einräumen, dass die Bank die Risiken unterschätzt habe und ihr Risikomanagement verbessern müsse. Vor einigen Jahren wurde JP Morgan noch für sein Management von Kreditrisiken gerühmt und beneidet.

Citigroup und JP Morgan Chase sind die größten Kreditgeber in den USA. Sie streuen ihr Risiko vor allem durch Aufteilung und Weiterverkauf der Kredite an institutionelle Investoren (Syndizierung). Dieser Kreditmarkt reagiert jedoch mit hohen Aufschlägen äußerst sensibel auf steigende Risiken. Ökonomen befürchten deshalb Liquiditätsengpässe für die Wirtschaft, falls der Finanzsektor aus Risikoscheu den Geldhahn zudrehen sollte.

Quelle: Handelsblatt

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