Kredite verlängert
My-Travel steckt tief in den roten Zahlen

Der britische Reisekonzern My-Travel ist im Geschäftsjahr 2001/2002 tief in die Verlustzone gerutscht und hat seinen Finanzchef abberufen. Auch die deutsche Tochter, die in München ansässige FTI, schreibt weiterhin tiefrote Zahlen.

Reuters LONDON/MÜNCHEN. Allerdings verlängerten die Banken dem angeschlagenen drittgrößten europäischen Reisekonzern Kredite über 250 Millionen Pfund bis Ende nächsten Jahres, was den My-Travel-Aktien Auftrieb verlieh.

Der Vorsteuerverlust des Konzerns vor Sonderposten habe in den zwölf Monaten bis Ende September 72,8 Millionen Pfund (rund 114 Millionen Euro) betragen nach einem Gewinn von 62,3 Millionen Pfund vor einem Jahr, teilte das früher als Airtours firmierende Unternehmen am Donnerstag in London mit. "My-Travel hat das schlechteste Jahr der Firmengeschichte durchgemacht", erklärte Chairman und Firmengründer David Crossland. Finanzchef David Jardine sei mit sofortiger Wirkung zurückgetreten.

My-Travel begründete den Verlust vor allem mit Fehlern bei der Rechnungslegung, die das Ergebnis mit rund 70,6 Millionen Pfund belastet hätten. Der Konzern hatte in den vergangenen sieben Monaten drei Mal seine Gewinnprognosen gesenkt und dies unter anderem mit Bilanzierungsproblemen begründet. Konzernchef Tim Byrne war daraufhin im Oktober zurückgetreten.

Die 23 Gläubigerbanken verlängerten die ursprünglich Ende März 2003 fälligen Kredite. Im Gegenzug will My-Travel auf die Auszahlung einer Jahresdividende verzichten. Byrnes Nachfolger an der Konzernspitze, Peter McHugh, versicherte: "Eine Aufspaltung des Unternehmens steht nicht auf der Tagesordnung." Er räumte aber ein, einige Geschäftsbereiche könnten durchaus verkauft werden. My-Travel beschäftigt rund 25 000 Menschen.

"Ich bin verärgert, wenn ich sehe, in welcher Lage sich der Konzern nach 30 erfolgreichen Jahren befindet", sagte Crossland. Die Zahl der jüngsten Buchungsentwicklung gebe ihm jedoch Anlass zum Optimismus. Die Sommerbuchungen seien um 40 Prozent gestiegen und damit stärker als bei den meisten britischen Konkurrenten, sagte Crossland.

Auch die Tochter FTI Frosch Touristik blickt mit gewissem Optimismus auf das kommende Jahr, da sich eine bessere Entwicklung abzeichne. Mit 50,5 Millionen Euro Vorsteuerverlust fiel das Minus im Geschäftsjahr 2001/2002 zehn Prozent höher aus als im Vorjahr. Noch im Frühjahr hatte FTI-Chef Georg Eisenreich trotz der Krise für FTI in diesem Jahr das Erreichen der Gewinnschwelle für möglich gehalten.

Ein weiterer Abbau der zuvor noch höheren Verluste sei angesichts der Schwierigkeiten in der Reisebranche im zurückliegenden Jahr nicht möglich gewesen, sagte Eisenreich. Zudem hatte FTI seine einstigen Überkapazitäten abgebaut, so dass der Umsatz um fast 40 Prozent auf 684 Millionen Euro sank.

"Die Phase des Gesundschrumpfens ist jetzt abgeschlossen", sagte Eisenreich. Für die laufende Wintersaison 2002/03 verzeichne FTI Zuwächse von 44 Prozent für Pauschalreisen und von 19 Prozent bei den so genannten Bausteinreisen, die Kunden sich individuell zusammenstellen können.

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