Kreditinstitute müssen Risikovorsorge erhöhen: Kreise: Commerzbank 2001 in der Gewinnzone

Kreditinstitute müssen Risikovorsorge erhöhen
Kreise: Commerzbank 2001 in der Gewinnzone

Die Commerzbank hat nach Informationen aus Bankenkreisen im Gesamtjahr 2001 zwar keinen Verlust erlitten, wird aber auch keinen substanziellen Gewinn erwirtschaften.

cd/ehe/Reuters DÜSSELDORF/FRANKFURT/M. "Wir erwarten, dass die Commerzbank im Jahr 2001 keine roten Zahlen geschrieben hat, wir erwarten graue Zahlen", erfuhr die Nachrichtenagentur Reuters aus den Kreisen.

Diese Erwartung gelte nur für das Gesamtjahr, hieß es mit Blick auf das vierte Quartal der Bank. Nach einem Verlust im dritten Quartal war darüber spekuliert worden, ob die Commerzbank für das Gesamtjahr noch ein positives Ergebnis vorlegen könne. Das Geldhaus will seine vorläufigen Zahlen am heutigen Montag präsentieren. Später folgen Allianz/Dresdner und die Hypo-Vereinsbank. Analysten gehen davon aus, dass bei den Kreditinstituten die Risikovorsorge gestiegen ist.

"Ich rechne bei allen mit einer stark ausgeweiteten Risikovorsorge", sagt Sebastian Reuter, Analyst bei Helaba Trust. Für die Commerzbank erwartet er einen Anstieg der Risikovorsorge für 2001 um 36 Prozent auf 929 Mill. Euro, bei der Hypo-Vereinsbank um 52 Prozent auf 1,8 Mrd. Euro. Ähnlich sieht es Derek Chambers, Analyst bei HSBC: "Die Risikovorsorge bleibt für alle drei Unternehmen ein Knackpunkt", sagt er.

Eine besondere Rolle spielt dabei die Dresdner Bank. Nach der Fusion mit der Allianz habe das Institut bereits verstärkte Risikovorsorge getroffen, sagt Arne Jockusch, Analyst bei Merck Finck. Der Versicherer habe darauf gedrängt, seine Maßstäbe bei der Kreditbewertung anzulegen. Dennoch würden Engagements in Argentinien und bei Enron zu Buche schlagen. "Wie hoch die Berichtigungen ausfallen, ist noch nicht sicher", sagt der Analyst. Zudem werde der Vergleich mit den anderen Banken immer komplizierter, weil die Geschäftszahlen in die gemeinsame Bilanz einfließen. Dadurch habe die Allianz einen größeren Spielraum, das Ergebnis im Bankgeschäft geschickt zu bilanzieren, sagt Jockusch.

Die erhöhte Risikovorsorge und das schwache Marktumfeld dürften vor allem der Commerzbank in den letzten drei Monaten des Jahres 2001 die Bilanz verhagelt haben. Unter dem Strich erwarten Analysten für das Gesamtjahr im Schnitt einen Jahresüberschuss von lediglich 19,92 Mill. Euro, nach einem Plus von 1,342 Mrd. Euro im Jahr 2000. Für das vierte Quartal gehen sie von einem Netto-Verlust in Höhe von 63,23 Mill. Euro, nach einem Minus von 96,0 Mill. Euro im Vorjahreszeitraum aus. "Eine Dividendenzahlung wird nur durch die Auflösung stiller Reserven möglich sein", sagt Alexander Plenk, Analyst bei der Bankgesellschaft Berlin. HSBC-Analyst Derek Chambers vermisst positive Signale: "Man ist ja immer hoffnungsfroh, dass sich etwas Positives tut. Bei der Commerzbank kann ich allerdings nicht erkennen, was sich verbessern könnte."

Ohnehin seien die Kosten noch die einzige Stellschraube der Banken, sagt Sebastian Reuter. Seiner Meinung nach werden die massiven Entlassungen der Großbanken sich erst im nächsten Jahr auswirken. "Das Umfeld für Banken ist schlimm", sagt Metehan Sen, Analyst bei Sal. Oppenheim. Allerdings gehen alle befragten Analysten davon aus, dass die genannten Kreditinstitute ihren geschäftlichen Tiefpunkt Ende des dritten Quartals durchschritten haben.

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