Kreditinstitute müssen Weichen für die Zukunft stellen – Deutliche Zunahme des Wertpapiergeschäfts im Langfristvergleich
Deutschen Banken steht schweres Jahr bevor

Während der Dresdner Bank und der Commerzbank schwere Zeiten drohen, halten Finanzexperten die Deutsche Bank für fähig, mit den übrigen europäischen Wettbewerbern Schritt zu halten. Vor allem der Ausbau der Deutsche Bank 24 lässt sie hoffen, da das Geschäft mit privaten Kunden als Wachstumsmotor der kommenden Jahre gilt.

hb FRANKFURT/M. "Die deutschen Großbanken werden im Jahr 2001 im europäischen Vergleich schlechter abschneiden," sagt James Hyde, Analyst von Fox, Pitt Kelton in London. Einzig für die Deutsche Bank sei mit einer weiterhin guten Entwicklung zu rechnen. Goldman Sachs hat die Prognosen für die Ergebnisse der Kreditinstitute im laufenden Jahr ebenfalls gesenkt: Um 31 % bei der Dresdner Bank, 25 % bei der Commerzbank und 14 % bei der Deutschen Bank. Der positive Ausblick für die Hypo-Vereinsbank wurde als allerdings beibehalten.

Die Finanzindustrie in Deutschland befindet sich mitten im Umbruch. Die Großbanken leiden unter dem schlechten Marktumfeld und werden sich schwer tun, die - mit Ausnahme der Dresdner Bank - sehr guten Ergebnisse des Vorjahres zu wiederholen. Auch stehen zahlreiche Umstrukturierungen an. Die Sparkassen ringen mit den Brüsseler Kommissaren um einen Kompromiss im Beihilfe-Streit. Der Genossenschaftssektor hat durch die Fusion zwischen GZ und DG Bank zumindest erst einmal für Ruhe gesorgt, ist von einer Lösung seiner strukturellen Probleme aber noch ein gutes Stück entfernt. Von den neuen Baseler Eigenkapitalvorschriften droht wegen der Notwendigkeit der Bereitstellung interner Ratings weiteres Ungemach.

Bei den Großbanken werde die Deutsche Bank auch in 2001 voranmarschieren, da sie als einzige der deutschen Institute die kritische Masse habe, um im harten Wettbewerb des Investment-Banking bestehen zu können, meinte Hyde. Der Primus werde zudem von der Ausgliederung des Privatkundengeschäfts in die Deutsche Bank 24 profitieren. "Das Retailgeschäft wird der Wachstumsmotor der nächsten drei bis fünf Jahre sein", so Hyde.

Deutsche Bank 24 wird Marktanteile hinzugewinnen

Die Privatkundentochter Deutsche Bank 24 werde in Deutschland Marktanteile hinzugewinnen, erwartet der Analyst. Vor allem seitens der Genossenschaftsbanken sei mit weniger Wettbewerb zu rechnen. In den Verhandlungen mit der Allianz unterstellte er der Deutschen Bank eher ein Interesse an dem von der Allianz gehaltenen 21,7 %-Anteil an der Dresdner Bank als an einer Kooperation im "Retailbereich". Diese Annahme sei nicht abwegig, stimmte Oskar Betsch, Professor der Bankbetriebslehre an der Universität Darmstadt, zu.

Die Dresdner Bank hält Hyde in der gegenwärtigen Form für auf Dauer nicht überlebensfähig. Die Zukunft der Commerzbank sei zumindest in Frage zu stellen. Betsch hält die Commerzbank ebenfalls für nicht ausreichend gerüstet, um im weltweiten Konzert der Großen mitspielen zu können. "Die Commerzbank muss sich ähnlich wie die Hypo-Vereinsbank auf Europa und einige bestimmte Segmente konzentrieren", so Betsch.

Banken droht Gefahr von Kreditseite

Gefahr droht den Banken auch von der Kreditseite. Die Experten erwarten weitere ähnlich gelagerte Fälle wie die Bankgesellschaft Berlin. "Vor allem im Genossenschaftssektor liegt hier einiges im Argen", sagte Betsch. In Stuttgart droht zum Beispiel die Fusion zwischen Stuttgarter Bank und Cannstatter Volksbank am hohen Wertberichtigungsbedarf der Stuttgarter Bank zu scheitern. Allerdings sind laut Bankenstatistik der Bundesbank knapp 50 % der ausgegebenen Krediten mit Immobilien gesichert, was allgemein als sehr risikoarm gilt.

Das vergangene Jahrzehnt war durchaus erfolgreich für die deutschen Großbanken. Hier wurden unter anderem mit der zunehmenden Internationalisierung und technischen Aufrüstung die Grundsteine für den Erfolg in den letzten Jahren gelegt. Die Bilanzsumme der Häuser ist enorm gewachsen, die Erträge haben sich vervielfacht. Bei der Deutschen Bank beträgt der Zuwachs bei der Bilanzsumme zum Beispiel über 300 %, der Jahresüberschuss legte um knapp 600 % zu. Die Hypo-Vereinsbank wuchs am Bilanzvolumen gemessen ebenfalls um mehr als 300 %.

Ein Blick in die Bilanzen zeigt aber auch die zunehmende Bedeutung des wertpapierabhängigen Geschäfts. Überwogen 1991 noch bei allen Instituten die Zins- gegenüber den Provisionsüberschüssen, ist dies heute nur noch bei der Hypo-Vereinsbank der Fall. Bei der Deutschen Bank beträgt das Verhältnis nahezu 1 zu 2. Auch bei Commerzbank und Dresdner Bank kommt den Provisionsüberschüssen steigende Bedeutung zu. Es ist auch zu sehen, dass die Banken die Kosten nicht im Griff haben. Vor allem Investitionen in die Informationstechnologie und der Ausbau der Vertriebswege treiben die Aufwendungen in die Höhe. Ein Beispiel: Bei der Deutschen Bank hat sich das Verhältnis des Aufwands zu den Erträgen zwischen 1991 und 2000 von 61,7 % auf 73,3 % verschlechtert.

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