Kreditkartengeschäft
Deutscher Kreditkarten-Umsatz im europäischen Vergleich eher bescheiden

Frankfurt/Main (ADN). Trotz veränderter Marktbedingungen steigerte Euro Kartensysteme sein Ergebnis vor Ertragsteuern von 1,9 Millionen Mark 1998 auf 10 Millionen Mark im vergangenen Jahr, teilte das Unternehmen am Mittwoch in Frankfurt am Main mit. Der Umsatz des Gemeinschaftsunternehmens der deutschen Kreditwirtschaft sank hingegen trotz steigender Akzeptanz der Kreditkartennutzung um 6,6 Prozent auf 595,1 Millionen Mark. Jan A.M. Hendrikx, Vorsitzender der Geschäftsführung, nannte dafür vor allem drei Gründe: die Umstrukturierung im Kartenbestand, der verschärfte Wettbewerb im Akquisitionsgeschäft und die Umstellung auf fixe Wechselkurse im Euro-Land.

Der Karteneinsatz im Ausland stieg überproportional um 16 Prozent. Im Inland werde immer noch der Eurocheque oder die Bankkarte vom Handel präferiert. Dennoch steigerte sich die Zahl der Akzeptanzstellen um 40.000 auf 402.600. Ertrags- und umsatzstärkster Geschäftsbereich war das Akquisitionsgeschäft, unter das die Anwerbung und Betreuung von Eurocard- und seit Mitte 1999 auch der VISA-Vertragspartner fällt. Über 30.000 Vertragspartner entschieden sich 1999 für eine kombinierte Eurocard- und Visa-Abrechnung, etwa Aral, Sixt oder Accor Hotels. Insgesamt betreute Euro Kartensysteme 1999 330.000 Händler und Dienstleister.

Immer mehr Banken übernähmen die Herausgabe der Karten in eigener Regie. Die Umsatzeinbußen durch geringere Gebühreneinnahmen seien aber «unerheblich», hingegen profitiere das Kreditkartengeschäft insgesamt von dieser Entwicklung, sagte Hendrikx. Durch die Liberalisierung auf dem Akquisitionsmarkt Mitte 1999 habe sich zudem der Wettbewerb verschärft. Dies habe die Provisionssätze, die für Akzeptanz und Nutzung der Kreditkarte von Einzelhändlern und Dienstleistern gezahlt werden, gedrückt. Seit 1992 seien die Disagiosätze um 25 Prozent gesunken, zum Vorteil der Kunden. Durchschnittlich würden Disagio-Sätze von knapp über zwei Prozent gezahlt.

Künftig will sich Euro Kartensysteme im schärferen Wettbewerb am Kreditkartenmarkt auf ertragsstarke Kunden konzentrieren. Anreiz biete das variable Abrechnungsverfahren, das bei längerfristigen Zahlungsvorgängen bessere Konditionen biete. Durch die Aufgabe seiner Quasi-Monopolstellung habe das Unternehmen einige Großkunden verloren. «Wir hatten alle Mineralölgesellschaften unter Vertrag», sagte Hendrikx. Als Monopolist sei das Unternehmen gezwungen gewesen, die Akzeptanz der Karte zu erhöhen, auch wenn es sich nicht immer um profitable Geschäfte gehandelt habe. Der Verlust «tut uns nicht weh».

Eurocard in 3.300 Banken und Sparkassen

Banken und Sparkassen sollen zudem zunehmend in das Akquisitionsgeschäft eingebunden werden. Verträge können dann im Namen von Eurocard direkt bei der Hausbank geschlossen werden. Zudem will sich Euro Kartensysteme auf neue Branchen wie Tourismus und Gesundheit konzentrieren. Einige Verträge stünden kurz vor ihrem Abschluss. Großes Potenzial sieht das Unternehmen auch im elektronischen Geschäftsverkehr. Ziel sei es, Eurocard als führende Online-Kreditkarte zu positionieren, sagte Geschäftsführer Manfred Krüger. Dies solle zum einen durch die Unterstützung des SET-Systems zum sicheren Kauf im Internet geschehen, zum anderen durch die Einführung eines Gütesiegels, das Händler und Dienstleister für sicheres Online-Shopping qualifiziert.

Für 2000 rechnet Euro Kartensysteme mit einem wiederum positiven Gewinn. Das Potenzial sei bei derzeit 16 Millionen Kreditkartenbesitzern in Deutschland erst zur Hälfte ausgereizt. Die Zahl der Eurocard-Inhaber erhöhte sich von 8,3 Millionen 1999 auf 8,8 Millionen Kunden. Damit war das Wachstum doppelt so groß wie 1998. Seit Mai 2000 sind neun Millionen Kunden im Besitz einer Eurocard. Bis Ende 2000 sollen 600.000 bis eine Millionen neue Kartenbesitzer hinzu kommen. Derzeit hält Euro Kartensysteme einen Marktanteil von 53 Prozent in Deutschland. 17 Prozent der Einzelhandelsumsätze laufen über Kreditkarte. Dennoch seien diese Zahlen im europäischen Vergleich eher bescheiden, hieß es. Über 3.300 Banken und Sparkassen geben heute die Eurocard aus. Ein Drittel der Branchen akzeptieren mittlerweile Kreditkarten als Zahlungsmittel, sagte Hendrikx. An der Spitze liegt der Einzelhandel mit 47,4 Prozent.

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