Kreditnachfrage steigt
Spitzenbanker zuversichtlich über Konjunkturerholung

Hochrangige Vertreter internationaler Banken haben sich am Montag in Berlin optimistisch über eine Erholung der Weltwirtschaft geäußert.

Reuters BERLIN. Die Kreditnachfrage ziehe an, selbst in Deutschland, das am Rande einer Rezession stehe, sagten Top-Banker am Rande einer Bankenkonferenz. Sie zeigten sich zudem überzeugt, dass das Welt-Finanzsystem gesund genug sei, um die erwartete ökonomische Erholung zu unterstützen. "Wir sind auf dem Weg zu einer Erholung", sagte der Vorstandschef der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW), Hans Reich, der Nachrichtenagentur Reuters.

Banker bewerten wirtschaftliches Umfeld eher positiv

"Wir werden weitere Hinweise auf Wachstum zum Ende des Jahres und zu Beginn des nächsten Jahres sehen", sagte der Finanzvorstand der fünftgrößten US-Bank Wachovia Corp , Bob Kelly, Reuters am Rande der internationalen geldpolitischen Konferenz, zu der am Dienstag auch Zentralbanker erwartet werden. Yet Cees Maas, Finanzvorstand bei der ING sagte, die über 100 Banker hätten auf ihrer Konferenz eine große Bandbreite an aktuellen Themen besprochen. Dabei sei die Stimmung bei fast allen Themen recht positiv gewesen. "Das ist das Umfeld, in dem wir uns bewegen", sagte Maas.

Reich sagte, Zahl und Umfang der Kreditanfragen bei der KfW hätten sich im Mai im Vergleich zum Jahresbeginn verdoppelt. Das Geschäftsklima werde sich weiter verbessern, wenn die Europäische Zentralbank (EZB) am Donnerstag, wie von vielen Marktteilnehmern erwartet, die Leitzinsen senken sollte. Der konservative französische Europa-Abgeordnete Alain Lamassoure sagte, sollte der Euro weiter steigen, würden die europäische und die US-Ökonomie in Schwierigkeiten geraten. Wünschenswert wäre ein Euro-Kurs um 1,16 Dollar. Am Montag notierte die Gemeinschaftswährung schwächer und fiel zeitweise auf 1,1655 Dollar, stabilisierte sich aber bei 1,1740 Dollar.

Reich sagte, die derzeitige Euro-Stärke mache ihm keine Sorgen. Die meisten deutschen Firmen handelten innerhalb der Euro-Zone oder hätten Fertigungsstätten in den USA. Viele Firmen hätten sich zudem gegen einen steigenden Euro an den Devisenmärkten abgesichert und profitierten von fallenden Importpreisen.

Kein "Super-Wachstum" erwartet

"Wir alle sind im Grunde optimistisch", sagte auch der Chef der kanadischen Scotiabank, Peter Godsoe, mit Blick auf eine Konjunkturerholung. So ziehe die US-Wirtschaft an, beginne Europa mit Strukturreformen und zeige sich die asiatische Wirtschaft belastbar im Kampf gegen die Lungenkrankheit Sars. Zudem sei das Finanzsystem im Kern gesund, nachdem die Banken in den letzten Jahren ihre Kapitalreserven gestärkt hätten, um neuen internationalen Standards gerecht zu werden. "Wir kehren nicht zum Super-Wachstum der späten 90er-Jahre zurück, aber wir erwarten ein solides Wachstum", sagte Godsoe.

Zu der jährlichen geldpolitischen Konferenz werden am Dienstag auch zahlreiche hochrangige Notenbanker erwartet, darunter EZB-Präsident Wim Duisenberg, der Chef der Bank of England, Eddie George, und der stellvertretende japanische Notenbankgouverneur Toshiro Muto. Der Chef der US-Notenbank Fed, Alan Greenspan, soll über eine Video-Verbindung zugeschaltet werden.

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