Kreditverluste auf niedrigem Niveau
Nordeuropas Banken trotzen Problemen

Die größte nordeuropäische Bank Nordea und die schwedische Handelsbanken haben mit guten Ergebnissen alle Befürchtungen über dramatische Kreditverluste der Institute vom Tisch gefegt. Analysten rechnen nun auch bei den übrigen Banken der Region nicht mit negativen Überraschungen. Die Institute legen alle in den nächsten Wochen Zahlen vor.

STOCKHOLM. Die pan-nordeuropäische Nordea verbuchte im dritten Quartal einen Anstieg des Vorsteuergewinns um 75 Prozent auf 399 Mill. Euro gegenüber dem Vorjahresquartal. Analysten waren positiv überrascht. Sie hatten mit 373 Mill. Euro gerechnet. "Die Quartalszahlen von Nordea sehen recht gut aus", sagte Joakim Westin, Bankenanalyst bei Hagströmer & Qviberg in Stockholm. Auch die geringen Kreditverluste überraschten positiv. Die meisten Analysten hatten mit etwa 68 Mill. Euro gerechnet, Nordea blieb mit 66 Mill. Euro leicht unter dieser Prognose. Im dritten Quartal 2001 hatte das Institut noch Verluste von 213 Mill. Euro ausgewiesen. Auch für das vierte Quartal rechnet Nordea nicht mit einem Anstieg der Kreditverluste.

Handelsbanken, Schwedens zweitgrößte Bank, musste Kreditverluste von 122 Mill. Kronen (13,4 Mill. Euro) im dritten Quartal hinnehmen. Vor einem Jahr hatte das Institut Kreditverluste von nur 14 Mill. Kronen ausgewiesen. Das Betriebsergebnis von Handelsbanken sank auf 7,5 (8,5) Mrd. Kronen im dritten Quartal.

Dass die Kreditverluste der nordeuropäischen Banken im Vergleich zu den europäischen Konkurrenten gering geblieben sind, liegt nach Ansicht von Analysten an der starken regionalen Ausrichtung der Institute. Nordeas Kredite an die angeschlagene Telekom - Branche lagen im dritten Quartal bei nur 6,5 Mrd. Kronen. Dennoch glauben Analysten wie Mikael Hallåker von Handelsbanken, dass die Kreditverluste im kommenden Jahr steigen werden. "Wir rechnen bei Nordea in diesem Jahr mit insgesamt 270 Mill. Euro an Kreditverlusten, 2003 werden es wohl 380 Mill. Euro sein".

Sorgen bereiten allen Banken die Lebensversicherungssparten, die durch die gefallenen Aktienkurse in finanzielle Engpässe geraten sind. Deshalb beschlossen Nordea und Handelsbankenam Dienstag, in diesen Sparten den Wert der Aktienportfolios nach unten zu korrigieren. Gleichzeitig werden Kapitalspritzen notwendig. Nordea hat 120 Mill. Euro in die Sparte gepumpt, weiteres Kapital ist eventuell notwendig. Handelsbanken hat eine Mrd. Kronen in den Pensionsfonds SPP gesteckt, glaubt jedoch, dass weitere Kapitalspritzen nicht notwendig sind.

Dass sich die Banken noch nicht einer Ertragskrise wie ihre deutschen Konkurrenten befinden, erklärt Analyst Hallåker mit der stabilen Wirtschaftslage in Nordeuropa. "Das Wachstum ist höher, die Unternehmen laufen im Schnitt besser als in Deutschland", sagt er, warnt aber davor, dass auch im hohen Norden die Zahl der Firmenkonkurse steigen wird.

Um die Ertragslage zu stabilisieren, sind die Banken auf Kostenjagd gegangen. Handelsbanken erklärte gestern, dass man die Sparten Securities und Trading vom Jahreswechsel an zusammenlegen werde. Auch Nordea will vor allen Dingen bei den Personalkosten sparen und wird bis Ende kommenden Jahres 1 200 Arbeitsplätze abbauen.

Die Konsolidierung auf dem nordeuropäischen Bankenmarkt ist dagegen weit fortgeschritten. Neue Eheschließungen sind kaum noch zu erwarten, da die Wettbewerbshüter ein wachsames Auge auf die Akteure geworfen haben. Handelsbanken-Chef Lars Grönstedt deutete jedoch an, dass sein Institut in England und Dänemark zukaufen könnte. Die SEB erwarb in Deutschland die BfG und ist an Instituten in den baltischen Staaten beteiligt.

Die norwegische Norske Bank ist aber nach eigenen Angaben noch auf Brautschau, nachdem die geplante Fusion mit dem größten Versicherer des Landes, Storebrand, in diesem Jahr scheiterte. "Größere Fusionen wird es aber mittelfristig nicht geben", glaubt Hallåker. "Erst wenn Nordea die Integration aller Zukäufe beendet hat, kann dieser Finanzkonzern interessant für ausländische Banken werden."

Quelle: Handelsblatt

Helmut Steuer berichtet für das Handelsblatt aus Skandinavien. Regelmäßig ist er auch in der Ukraine unterwegs.
Helmut Steuer
Handelsblatt / Korrespondent
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