Kreise: Befürchtungen auch bei der Regulierungsbehörde
Internet-Branche fürchtet Dominanz von T-Online

Die Regulierungsbehörde für Telekommunikation und Post scheut nach Angaben aus Branchenkreisen vor einer für Mittwoch erwarteten Anordnung einer deutlichen Preissenkung für den Großhandels-Pauschaltarif der Deutschen Telekom für die Internet-Nutzung zurück.

Reuters FRANKFURT. Grund dafür seien Befürchtungen der Behörde und in der Branche, dass der in Deutschland bereits mit Abstand führende Internet-Anbieter T-Online von einer Preissenkung am stärksten profitieren dürfte, erfuhr die Nachrichtenagentur Reuters am Dienstag aus den Kreisen. Ein Sprecher der Regulierungsbehörde lehnte eine Stellungnahme dazu ab.

Die Behörde versuche fieberhaft, den Termin für die geplante Bekanntgabe ihrer Entscheidung in dem laufenden Missbrauchsverfahrens gegen die Deutsche Telekom zu verschieben, verlautete aus den Kreisen. Denn wenn die nach dem Ablauf der Prüfungsfrist anstehende Entscheidung der Regulierungsbehörde wie erwartet eine Tarif-Preissenkung um einen "deutlichen Prozentsatz" zur Folge hat, befürchten Branchenkenner eine empfindliche Störung des deutschen Internet-Marktes. Profitieren würde als Marktführer vor allem T-Online, da sich die Kostensituation der Telekom-Tochter durch die günstigeren Einkaufspreise drastisch verbessern würde. Dies könne dazu führen, dass der Internet-Markt in Deutschland vor einer Monopolisierung steht, lauten Befürchtungen der Branche.

AOL mit Bedenken

In den Kreisen hieß es weiter, auch der T-Online-Konkurrent AOL Deutschland habe mittlerweile erkannt, dass die von ihm seit Monaten geforderte Preissenkung des Telekom-Tarifs für den Großhandel in erster Linie T-Online nützen wird. Der deutsche Ableger des weltgrößten Internet-Anbieters befürchtet Branchenkreisen zufolge, dass T-Online seine Vormachtstellung in Deutschland künftig noch deutlicher ausbauen kann, da sich Kostenvorteile ergeben. "Wenn die Regulierungsbehörde den Preis für den Großhandelstarif senkt, wird T-Online der Gewinner sein", zitierten die Kreise AOL-Deutschland-Chef Uwe Heddendorp. Mit dieser Einschätzung vollzieht AOL quasi eine Kehrtwende, da das Unternehmen bislang immer unter Verweis auf die Großhandelstarife in anderen europäischen Ländern möglichst günstige Einkaufskonditionen in Deutschland gefordert hat. Den Branchenkreisen zufolge erwägt AOL, den eigenen Antrag für das ursächliche Missbrauchsverfahren bei der Regulierungsbehörde zurückzuziehen.

Eine Sprecherin von AOL Deutschland wollte keine Stellungnahme zu der jüngsten Einschätzung Heddendorps abgeben. Solange das Missbrauchsverfahren der Regulierungsbehörde nicht abgeschlossen sei, werde sich das Unternehmen nicht äußern, sagte die Sprecherin. Auch T-Online wollte sich nicht zu dem laufenden Verfahren äußern.

T-Online mit 10 Millionen Kunden

Die Regulierungsbehörde hat in den vergangenen Monaten geprüft, ob die Telekom bei dem seit Jahresende 2000 angebotenen Großhandelstarif ihre marktbeherrschende Stellung auf dem deutschen Telekommunikationsmarkt missbraucht. Wettbewerber der Telekom und ihrer Internet-Tochter T-Online kritisieren unter anderem, dass die angebotenen Einkaufspreise für eine zeitlich unbegrenzte Internet-Nutzung zu hoch sind. Die als zu hoch eingeschätzten Einkaufspreise führten dazu, dass man den Verbrauchern nur vergleichsweise hohe Tarifangebote für die unbegrenzte Internet-Nutzung mit geringen Übertragungsraten (Schmalband) über analoge oder ISDN-Anschlüsse machen könne. Die Regulierungsbehörde hatte zu prüfen, ob das Telekom-Angebot den Bereitstellungskosten entspricht. Dabei habe sich herausgestellt, dass das Telekom-Angebot zu teuer sei und der Preis gesenkt werden müsse, verlautete aus den Kreisen weiter.

T-Online ist mit rund zehn Millionen Internet-Kunden in Deutschland, Österreich, der Schweiz, Frankreich und Spanien der größte Internet-Anbieter in Europa. In Deutschland zählte T-Online zuletzt acht Millionen Kunden. AOL Deutschland nannte zuletzt eine Kundenzahl von drei Millionen.

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