Kreissparkasse Köln sieht Vorteile durch neue Eigenkapitalregeln
Den Privatkunden winken günstigere Zinsen

Die privaten Kunden von Geldinstituten könnten schon bald von den veränderten Eigenkapitalanforderungen für Geldinstitute profitieren. Experten aus den Bankverbänden knüpfen dies allerdings an bestimmte Bedingungen. Entscheidend werden die Baseler Beschlüsse und der Wettbewerbsdruck sein.

KÖLN. Privatkunden winken günstigere Zinskonditionen bei Krediten. Sie könnten von den veränderten Eigenkapitalanforderungen für Geldinstitute profitieren, sagt der Chef der Kreissparkasse Köln (KSPK), Hans-Peter Krämer, in einem Gespräch mit dem Handelsblatt. Experten aus den Bankverbänden stimmen ihm zu, vorausgesetzt es würden bestimmte Bedingungen erfüllt. Zum Hintergrund: Banken müssen für Kredite, die sie ihren Kunden gewähren, Eigenkapital in einer vorgeschriebenen Höhe hinterlegen. Dieses beträgt zur Zeit acht Prozent der Forderung, egal ob es sich um Daimler-Chrysler, den Kiosk um die Ecke oder Lieschen Müller handelt.

Das wird sich ändern. Derzeit verhandeln in Basel Finanzexperten über eine Neuregelung. Künftig soll sich die Höhe der Eigenkapitalunterlegung nach der Bonität der Kreditnehmer richten. Für Kunden, die ein höheres Kreditausfallrisiko darstellen, müsste eine Bank dann mehr Eigenkapital vorhalten, als für solche, die ein geringeres Risiko aufweisen. Da die Eigenkapitalunterlegung für die Geldinstitute mit Kosten verbunden ist, verbilligen sich für gute Risiken die Kreditkosten. Solchen Kunden könnten Banken dann günstigere Zinskonditionen einräumen. Da private Kunden generell ein relativ geringes Risiko darstellen, könnten vor allem sie von Konditionenverbesserungen profitieren.

Krämer erwartet eine Entlastung der KSPK im Privatkundengeschäft von rund 400 Mill. DM. Mit einer Entlastung rechnet auch die Stadtsparkasse Köln, allerdings sei deren Höhe noch unklar, sagt der Leiter der Kreditsteuerung, Ulrich Saure. Ausschließen will die Frankfurter Sparkasse eine solche Entwicklung ebenfalls nicht. Die "logische Konsequenz" wäre, so Krämer, wenn anschließend die Zinsen für Dispositions- und Konsumentenkredite für die privaten Kunden sänken. Dazu werde der Wettbewerb die Geldinstitute wohl auch zwingen.

Wettbewerb vor Ort ein wichtiger Faktor Seine Einschätzung wird von Basel-II-Experten aus den Bankenverbänden geteilt. Die Reform könne zu einer Entlastung führen, die Banken an ihre Kunden weiter geben könnten. Es könnte allerdings auch noch anders kommen, weil längst noch nicht alle Parameter in den Verhandlungen definiert seien. Zudem hänge die Weitergabe der veränderten Konditionen von den Wettbewerbsbedingungen vor Ort ab.

Gewandelt hat sich die Einstellung Krämers zu dem Gesamtkomplex Basel II. Als vor zwei Jahren die ersten Pläne für eine risikogerechtere Gestaltung der Eigenmittelanforderungen durchsickerten, habe er heftig gewettert. Insbesondere in der damals vorgesehenen externen Bewertung aller Unternehmen durch Ratingagenturen habe er einen Anschlag auf das Mittelstandsgeschäft der Sparkassen gesehen. Heute, nach der Fertigstellung des Konsultationspapiers und der Zulassung des internen Ratings, beurteilt er die Situation fast euphorisch als "phantastisches Kundenbindungsmittel". Die deutsche Delegation - vor allem der Chef des Bundesaufsichtsamts für das Kreditwesen, Jochen Sanio - habe viel in Basel erreicht. Der Entwurf berge eine Menge Chancen für die Sparkassen, betont Krämer. So zwinge er jedes Institut schon auf Grund der höheren Transparenzanforderungen zu einem wirtschaftlicheren Umgang mit dem Eigenkapital. Dies könnte durchaus einen Verteilungskampf zwischen den Abteilungen eines Hauses um die knappe Ressource Eigenkapital auslösen. Krämer dazu gelassen: "nur eine "heilsame Übung für die Gesamtsteuerung".

Anders als im Privatkundengeschäft erwartet der Sparkassenchef im Firmenkundenbereich Zusatzkosten in Höhe von rund 100 Mill. DM, sollte die KSPK ihre Kunden nach dem Standardansatz raten. Das Kreditvolumen belief sich zuletzt auf 9,3 Mrd. DM. Weitere Kosten könnten entstehen, wenn der aufwendigere Ratingansatz greife.

Krämer hofft, dass die Gruppe der rund 13 000 kleineren Gewerbekunden der KSPK wie Wirte, Freiberufler oder Lebensmittelhändler von einem Rating ausgenommen und wie Privatkunden behandelt werden könnten. Hier müssten in der laufenden Beratungsphase zu Basel Verbesserungen durchgesetzt werden, fordert der Sparkassenchef.

Doch selbst bei steigenden Kreditkosten erwartet er für viele mittelständische Betriebe Verbesserungen. Schließlich könne ein gutes Rating bei der kreditgebenden Sparkasse zu einer geringeren Eigenkapitalbindung führen, die sich wiederum in günstigeren Kreditkonditionen niederschlagen könne. Zudem erhielten die Sparkassen durch ihr Rating einen wesentlich besseren Einblick in die Unternehmen.

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