Kreml-Gegener
Medienmogul Gussinski in Südspanien festgenommen

dpa MADRID/MOSKAU. Der russische Medienmogul und Kreml-Gegner Wladimir Gussinski ist am Dienstag in Südspanien festgenommen worden. Die spanische Polizei vollzog damit einen internationalen Haftbefehl, den die russische Justiz unter dem Vorwurf des Betrugs erlassen hatte. Der Medienunternehmer ist ein engagierter Gegner des russischen Präsidenten Wladimir Putin. Seine Holding Media-Most appellierte an die spanische Justiz, Gussinski nicht an Russland auszuliefern.

Der Kreml-Kritiker wurde nach Angaben der Polizei in San Roque bei Gibraltar im Süden der Iberischen Halbinsel festgenommen. Seine Familie lebt seit längerer Zeit in Südspanien. Gussinski, der Spanien als seine "zweite Heimat" betrachtet, wurde einem Untersuchungsrichter in San Roque vorgeführt. Wie aus Justizkreisen verlautete, sollte er später auch vom Ermittlungsrichter Baltasar Garzon im Nationalen Gerichtshof in Madrid verhört werden.

Vorwurf: Schwerer Betrug

Die russische Justiz lastet dem Besitzer der finanziell stark angeschlagenen Medien-Holding Media-Most schweren Betrug an. Die Staatsanwälte hatten das Betrugsverfahren gegen Gussinski eröffnet, weil er 1999 nicht den Konkurs für seine überschuldeten Medienunternehmen erklärt, sondern beim Erdgasmonopolisten Gasprom noch zusätzliche Kredite von 300 Mill. $ aufgenommen habe. Insgesamt steht Media-Most bei Gasprom mit 473 Mill. $ in der Kreide.

Außerdem wird dem Unternehmer vorgeworfen, er habe seine Media- Most-Anteile im Ausland geparkt, um sie vor dem Zugriff von Gasprom zu schützen. Gussinski war bereits im Juni wegen Betrugsverdachts in einem anderen Fall für drei Tage verhaftet worden. Dies war in Russland wie im Ausland als Druck des Kremls auf die kritischen Medien angeprangert worden. Media-Most und Gasprom hatten Ende November eine einvernehmliche Lösung zur Begleichung der Schulden getroffen.

Media-Most betonte, die Vorwürfe gegen Gussinski seien politisch motiviert. "Die russische Generalstaatsanwaltschaft hat durch das russische Interpol-Zentrum die spanische Polizei falsch informiert", sagte der Unternehmensvertreter Dmitri Ostalski nach Angaben der Agentur Interfax. Das Material im so genannten "Fall Gussinski" entspreche nicht der Wahrheit.

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