Krieg der Bilder

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Krieg der Bilder

Kriege sind nicht nur eine Auseinandersetzung mit Waffengewalt. Sie sind auch ein Kampf um Bilder - und damit um die bessere Moral.

Die USA bekommen derzeit diesen Verkürzungs-Mechanismus unserer visualisierten Mediengesellschaft hautnah zu spüren. Die Fernseh-Spots von Taliban-Kämpfern, die in hundezwingergroße Zellen eingesperrt sind, gehen um die Welt. Und plötzlich sitzt das Land, das nach den Terroranschlägen vom 11. September internationale Sympathien wie nie zuvor genoss, auf der Anklagebank.

Sicher: Einige der Proteste sind hysterisch und überzogen. Al Kaida ist alles andere als ein karitativer Verein zur Weltbeglückung. Den-noch wären die USA gut beraten, die Messlatte des internationalen Rechts anzulegen. Die Genfer Konvention ist schließlich kein Freifahrtschein für Terroristen. Aber der Status von Kriegsgefangenen garantiert zumindest, dass jedem Kämpfer vor einem ordentlichen US-Gericht der Prozess gemacht wird. Gerechte Strafe, ja. Aber Willkür, nein.

Die amerikanische Regierung darf den Kampf gegen den Terror nicht mit einem Faustrecht nach eigenem Gusto führen. Sie muss die rechtsstaatlichen Prinzipien des Westens wahren. Ansonsten verliert die Führungsmacht an Glaubwürdigkeit.

Stellen sich die USA jedoch weiter stur, bescheren sie ihren Gegnern einen propagandistischen Triumph. Und etliche Freunde fühlen sich vor den Kopf gestoßen. Es wäre ein Keil in der Anti-Terror-Koalition. Der internationale Schulterschluss war aber bislang Amerikas größtes Kapital.

Michael Backfisch
Michael Backfisch
Handelsblatt / Korrespondent
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