Krieg im Kaukasus
US-Kandidaten machen Front gegen Moskau

Trotz aller Differenzen im Wahlkampf: Die beiden US-Präsidentschaftskandidaten sind sich in ihrer aktuellen Beurteilung Russlands einig. McCain geißelt Moskaus „Aggression“ und auch Obama ermahnt den Kreml – wenn auch mit etwas vorsichtigeren Worte. Fest steht: Für beide ist die Kaukasus-Krise der außenpolitische Testfall.

HB/law DÜSSELDORF. Ebenso wie George W. Bush verurteilten der republikanische Präsidentschaftskandidat John McCain und der Demokrat Barack Obama den Krieg im Kaukasus als einseitige Aggression Russlands. Mit der Einstellung der Militäraktionen geben sich alle drei nicht zufrieden, sondern fordern Russlands Rückzug aus Südossetien und die Stationierung einer internationalen Friedenstruppe. Alle machen sich jetzt erst recht für Georgiens Mitgliedschaft in der Nato stark.

Doch im Detail gibt es Differenzen. McCain hatte sich schon immer über Bushs Sonderbeziehung zum damaligen Staats- und heutigen Regierungschef Wladimir Putin lustig gemacht: Während der Präsident bei einem tiefen Blick in Putins Augen eine "gute Seele" entdeckt habe, könne er dort klar und deutlich drei Buchstaben lesen, sagt der Kriegsveteran bei jeder Gelegenheit: "K - G - B". Noch während Bush mit Putin am Rande der Olympischen Spiele Freundlichkeiten austauschte, hatte McCain die Verantwortung für den Krieg um Südossetien sofort und eindeutig der Regierung in Moskau gegeben. Mit dieser Verletzung internationalen Rechts habe Russland sein Ansehen in der Welt schwer beschädigt, sagte der Senator, der seit langem Russlands Ausschluss aus der Gruppe der G8 fordert.

Für die US-Präsidentschaftsanwärter ist die Kaukasus-Krise der außenpolitische Testfall. Doch während sich der Republikaner McCain als Falke zu erkennen gab und Moskaus „Aggression“ geißelte, zeigte sich der schwarze Senator vorsichtiger. „Wir wollen mit der russischen Regierung zusammenarbeiten und Freundschaft mit dem russischen Volk“, betonte Obama. Russland sei eine „große Nation“. Doch bringe dies auch die Verantwortung mit sich, als „Kraft für den Frieden“ aufzutreten, mahnte er.

Barack Obama, der sich von dem Russland-Experten Michael McFaul beraten lässt, hatte in seiner ersten Stellungnahme am Freitag noch beide Seiten zur Zurückhaltung aufgefordert. Dafür handelte er sich sofort den Vorwurf McCains ein, er paktiere mit den Russen. Noch am Wochenende legte Obama von seinem Urlaubsort auf Hawaii nach und prangerte nun ebenfalls Russlands Aggression an. Sollte der Kreml nicht auf die Forderungen des Westens eingehen, müssten die USA auch ihre Handelsbeziehungen zu Russland überdenken, droht Obama. Auch die Unterstützung der russischen WTO-Ambitionen gehöre auf den Prüfstand.

Beide Präsidentschaftskandidaten bemühten sich, ihre Befähigung als Oberkommandierender in einer internationalen Krise unter Beweis zu stellen. McCain gilt zwar als erfahrener Außen- und Sicherheitspolitiker, zuletzt waren ihm aber peinliche Schnitzer unterlaufen - etwa als er Schiiten und Sunniten verwechselte oder von der Tschechoslowakei sprach. Obama hatte sich zwar bei seiner Auslandsreise im Irak und in Berlin profiliert, kann aber weder auf militärische noch sicherheitspolitische Erfahrung verweisen. Er hatte sich bislang dafür starkgemacht, als Präsident auch mit Amerikas Feinden wie mit Irans Präsident Mahmud Ahmadinedschad zu verhandeln. Auch Russland habe ein Recht auf eine führende Rolle in der Staatengemeinschaft, sagte Obama jetzt. Aber nur, wenn es "als Macht des Fortschritts" auftrete.

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