Krieg wird Krise der Branche verlängern
Lufthansa enttäuscht Analysten

Die Lufthansa hat im vergangenen Jahr zwar einen kräftigen Gewinnanstieg verzeichnet, im vierten Quartal aber offenbar einen höheren Verlust eingefahren als erwartet und damit die Prognosen der Analysten nicht erreicht.

Reuters MÜNCHEN. Die Krise der Luftfahrt-Branche wird nach Einschätzung von Lufthansa-Chef Jürgen Weber durch den Irak-Krieg noch verlängert werden. "Ein Ende der Krise ist nicht abzusehen", sagte Weber am Donnerstag wenige Stunden nach Kriegsbeginn bei der Bilanz-Pressekonferenz des Konzerns in München. Vielmehr würden sich die Schwierigkeiten für die Luftfahrt-Branche durch den Krieg länger als bisher erwartet hinziehen. Die Auswirkungen auf die Lufthansa ließen sich derzeit noch nicht abschätzen und hingen von der Dauer der Kämpfe ab.

Eine Prognose für 2003 lasse sich angesichts dieser Unsicherheiten nicht geben, das Ergebnis von 2002 werde jedoch nicht erreicht werden. 2002 war die Lufthansa mit einem operativen Gewinn von 718 Millionen Euro knapp unter den Erwartungen der Analysten geblieben. Wegen des Krieges strich die Lufthansa für zwei Tage sämtliche Flüge nach Tel Aviv, Amman, Kuwait, Beirut und Dammam in Saudi-Arabien. Ein Krisenstab berät ständig über das weitere Vorgehen.

Vorsorge für Kriegs-Auswirkungen getroffen

Das Unternehmen habe jedoch Vorsorge getroffen. So sei der Kerosin-Bedarf für 2003 zu 80 Prozent gegen Preisschwankungen abgesichert, erklärte das Unternehmen. Außerdem werde der Konzern wegen des Krieges vermutlich weitere Flugzeuge aus dem Verkehr nehmen, um die Kapazitäten dem Markt anzupassen, kündigte Weber an.

Der Konzern werde alles tun, um die Sicherheit der Passagiere und Besatzungen zu gewährleisten, betonte der im Sommer scheidende Vorstandsvorsitzende. Zu Entlassungen werde es dank einer Notfall-Klausel zur Öffnung des Tarifvertrages auch in dieser Krise voraussichtlich nicht kommen. Im Golfkrieg 1991 war das Passagieraufkommen nach Lufthansa-Angaben zeitweise um 20 Prozent eingebrochen, der Konflikt belastete das Unternehmen im hohen zweistelligen Millionen-Euro-Bereich.

Weber: 70 Prozent der Verschuldung abgebaut

Zum Jahresabschluss sagte Weber, im vergangenen Jahr sei es dem Konzern gelungen, die Verschuldung um über 70 Prozent auf 1,1 (3,8) Milliarden Euro zu senken. Der Cashflow sei um ein Drittel auf 2,3 Milliarden Euro gestiegen. "Damit haben wir unser Versprechen gehalten: Verschuldung senken, Liquidität erhöhen", sagte Weber.

Insgesamt verzeichnete der Konzern 2002 bei leichtem Umsatzplus zwar einen kräftigen Gewinnanstieg. Zugleich hat die Lufthansa aber im vierten Quartal offenbar einen höheren Verlust verbucht als erwartet und erreichte damit die Prognosen der Analysten nicht. Das operative Ergebnis habe sich 2002 auf 718 Millionen Euro von 28 Millionen Euro ein Jahr zuvor stark erhöht. Für das Gesamtjahr hatten die Experten einen operativen Gewinn von 745 Millionen Euro prognostiziert. Nach einer Prognose der internationalen Luftfahrt-Organisation IATA hat die Luftfahrt-Branche weltweit im vergangenen Jahr einen Gesamtverlust von 13 Milliarden Dollar erlitten.

Aktionäre sollen Dividenden für 2002 erhalten

Die Lufthansa kündigte unterdessen an, ihre Aktionäre sollten für 2002 eine Dividende von 0,60 Euro je Aktie erhalten. Für das Krisenjahr 2001, als die Passagierzahlen wegen des Anschlages auf das World Trade Center und der Wirtschaftskrise eingebrochen waren, war keine Dividende ausgeschüttet worden.

Nach den Worten von Finanzvorstand Karl-Ludwig Kley sieht der Konzern keinen Grund, der gegen eine Heraufstufung durch die Ratingagenturen spricht. Die Lufthansa sei ein "weißer Rabe" in der Branche, betonte Kley. "Im Fremdkapitalmarkt haben wir in den letzten 18 Monaten jede Forderung der Rating-Agenturen abgearbeitet und jedes Versprechen gehalten. Von einer Rating-Verschlechterung gehe ich daher derzeit nicht aus", sagte Kley. Die Rating-Agentur Standard & Poor's hatte die Fluggesellschaften kürzlich auf eine Beobachtungsliste mit negativem Ausblick gesetzt, was der erste Schritt für eine Herabstufung durch die einflussreichen Institute sein kann.

Die Lufthansa-Aktie legte stärker als der Gesamtmarkt um mehr als drei Prozent auf 8,92 Euro zu. Hoffnung auf weiter fallende Ölpreise und damit auch sinkende Unternehmenskosten wirkten Analysten positiv auf das Papier.

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