Kriegsangst und Konjunktur-Sorgen
Europabörsen mehrheitlich schwächer

Europas Aktienmärkte haben am Dienstag ihre Vortagesverluste weiter ausgebaut. Der DJ Stoxx50-Index büsste 1,1 Prozent auf 2273 Punkte ein. Händler erklärten, die Abwärtstendenz sei erst nach der Veröffentlichung von besser als erwartet ausgefallenen US-Konjunkturdaten etwas gebremst worden.

Reuters FRANKFURT/M. Der Index des US-Verbrauchervertrauens sank nach Angaben des Conference Board im September auf 93,3 Punkte von 94,5 Zählern im Vormonat. Analysten hatten mit einem stärkeren Rückgang auf 92,3 Stellen gerechnet. Händler warnten allerdings vor einer Überbewertung der Zahlen. Insgesamt befänden sich die Märkte wegen der Kriegsangst und wegen Sorgen um die Entwicklung der weltweiten Konjunktur nach wie vor auf dem Rückzug.

Unsicherheiten über das Ausmass der Auswirkungen der anhaltenden Baisse an den Aktienmärkten in den Bilanzen von Banken belasteten den Sektor. ABN Amro büssten rund vier Prozent ein, Fortis ermässigten sich um 3,8 Prozent und BNP Paribas verloren gar fünf Prozent. Versicherer konnten sich dagegen zum Teil etwas von den jüngsten markanten Verlusten erholen. Unter Druck standen zyklische Sektoren wie Automobil, Technologie und Telekom. DaimlerChrysler verloren rund vier Prozent.

LONDON - Die Londoner Börse rutschte wegen markanter Verluste bei Bankenwerten in Minus und schloss auf dem tiefsten Stand seit Dezember 1995. Der FTSE 100-Index büsste 1,8 Prozent auf 3671,1 Zähler ein. Händler erklärten, neben der wieder aufgekommenen Kriegsängsten habe die Meldung eines Gewinnrückgangs bei der US-Investmentbank Lehman Brothers sowie Sorgen über die Verfassung von deutschen Banken auch hiesige Bankenwerte stark belastet und den Markt ins Minus gedrückt. Für etwas Erleichterung hätten die jüngsten Daten zur US-Konjunktur gesorgt, die nicht so schlimm wie befürchtet ausgefallen waren. Barclays büssten gut drei Prozent ein. HBOS gaben 2,7 Prozent nach. Royal Bank of Scotland ermässigten sich um drei Prozent. Wegen der anhaltenden Konjunktursorgen mussten auch Telekom - und Pharmawerte deutliche Verluste hinnehmen. British Telecom fielen um 5,7 Prozent. AstraZeneca verloren vier Prozent.

ZÜRICH - Späte Gewinne in einzelnen jüngst arg gebeutelten Finanzwerten dämmten die im Verlauf verzeichneten Verluste der Schweizer Aktien am Dienstag ein. Der SMI schloss 0,1 Prozent höher auf 4566,4 Punkten. Händler sagten, einmal mehr habe der Markt seine wichtigsten Impulse aus den USA erhalten. Sie verwiesen auf die weniger schwach als erwartet ausgefallenen Zahlen zum Vertrauen der US-Konsumenten und das besser als prognostizierte Zwischenresultat der US-Investmentbank Goldman Sachs. Die arg überverkauften Rentenanstalt stiegen 5,9 Prozent. Deutliche Gewinne erzielten auch CS Group, für die neben den Goldman Sachs-Zahlen auch Bewertungsüberlegungen mitgespielt hätten. CS legten 6,5 Prozent zu. Weniger fest aber doch etwas freundlicher notierten UBS, Vontobel oder Zurich.

PARIS - Die Pariser Börse schloss zum neunten Mal in Folge schwächer. Der CAC-40-Index fiel um 1,8 Prozent auf 2742,8 Zähler. Laut Händlern führten Finanzwerte sowie Aktien von Unternehmen der Bauindustrie die Verliererlisten an. Societe Generale brachen um 7,4 Prozent ein. Händler verwiesen unter anderem auf die enttäuschend ausgefallenen Zahlen der US-Investmentbank Lehman Brothers. BNP Paribas büssten gut fünf Prozent ein. Die Titel der Bauunternehmen Saint Gobain, Bouygues und Lafarge büssten zwischen 6,2 und 3,1 Prozent ein. Händler verwiesen auf wieder aufgekommene Asbest-Sorgen.

FRANKFURT - Der deutsche Dax-Index notierte 2,2 Prozent schwächer bei 2849 Zählern. Kriegsängste und Sorgen vor weiter steigenden Ölpreisen setzten den Dax unter Druck. Für etwas Erleichterung sorgten die besser als erwartet ausgefallenen Daten zur US-Konjunktur. Deutliche Einbussen mussten die Aktien des Halbleiterherstellers Infineon hinnehmen, die fünf Prozent verloren. "Eine Besserung der Geschäftsperspektiven bei Infineon ist kurzfristig nicht in Sicht und die Preise für Speicherchips bleiben weiterhin signifikant unter den Herstellungskosten," sagte ein Analyst. Unter Druck standen weiter Banken und Versicherer. Münchener Rück verloren neun Prozent. Commerzbank ermässigten sich um sechs Prozent, HypoVereinsbank gaben vier Prozent nach.

BENELUX - Die Benelux-Börsen gaben ebenfalls nach. Der Amsterdamer AEX-Index verlor 0,3 Prozent auf 293,8 Zähler und der Brüsseler Bel20-Index büsste 2,4 Prozent auf 1837,5 Punkte ein. Als Belastung erwiesen sich laut Händlern vor allem nachgebende Finanzwerte. ABN AMRO gaben vier Prozent nach. Fortis verloren 3,8 Prozent. Unter die Räder gerieten auch Technologiewerte. ASML verloren 9,4 Prozent.

MAILAND - Die Mailänder Börse schloss praktisch unverändert. Der Mib30-Index notierte zum Handelsschluss 0,01 Prozent schwächer bei 21.662 Punkte. Laut Händlern hätten die deutlichen Gewinne beim schwer gewichteten Erdölkonzern Eni die Verluste begrenzt. Eni stiegen kletterten um 4,7 Prozent. Händler verwiesen dabei auf die stark gestiegenen Rohölpreise. Ebenfalls Auftrieb verliehen die Titel des staatlichen Energieversorgers Enel, die 1,5 Prozent zulegten.

MADRID - Der Ibex-35-Index der Madrider Börse baute die Vortagesverluste um weitere 3,4 Prozent auf 5390,9 Punkte aus. Dies war der tiefste Schlussstand seit Januar 1997. Händler erklärten, neben den auch an anderen Märkten bekannten negativen Faktoren hätten sich einmal mehr die anhaltenden Sorgen über Lateinamerika bemerkbar gemacht und die Kurse kräftig ins Minus gedrückt. Die Aktien der beiden Bankriesen Banco Santander Central Hispano und Banco Bilbao Vizcaya Argentaria verloren 3,8 und 5,5 Prozent. Telefonica ermässigten sich um vier Prozent.

SKANDINAVIEN - Der DJ StoxxNordic-Index der skandinavischen Börsen verlor 1,9 Prozent auf 211,6 Zähler. Die Liste der prozentualen Verlierer führten die Aktien der Investmentgruppe Investor an, die sechs Prozent nachgaben. Unter Druck standen auch Electrolux, die 5,7 Prozent nachgaben. Bei den schwer gewichteten Technologiewerten gaben Ericsson 1,9 Prozent und Nokia 3,3 Prozent nach.

WIEN - In Wien schloss der ATX 1,8 Prozent schwächer bei 1049,2 Punkten. Als Kurstreiber nach unten erwiesen sich Voest-Alpine, die um rund zehn Prozent einbrachen. VA Technologie verloren 3,6 Prozent. Telekom Austria ermässigten sich um 1,9 Prozent.

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