Kriegsangst und Krisenstimmung
Viele Ängste lasten auf der Konjunktur

Ein drohender Krieg im Irak sowie die anhaltende Krisenstimmung in Deutschland lasten wie ein bleiernes Netz auf der schwachen Konjunktur. Selten war das Gestrüpp negativer Faktoren für eine wirtschaftliche Erholung in der Bundesrepublik dichter als zum Jahresausklang 2002.

HB/dpa FRANKFURT. Der Kursverfall an den Aktienmärkten, die Krise im Mittleren Osten, die Aufwertung des Euro, die "Kakophonie" auf der politischen Bühne Berlins sowie steigende Steuer- und Abgabenlast bei gleichzeitig zunehmender Arbeitslosigkeit bilden die gefährliche Gemengelage.

Vor dieser düsteren Kulisse ist es schon erstaunlich, dass die Manager in der westdeutschen Wirtschaft erstmals seit sieben Monaten die Aussichten wieder optimistischer beurteilen. Zwar signalisiert der Ifo-Geschäftsklimaindex für die aktuelle Lage immer noch ein Stimmungstief, für die Zukunft zeichnen sich jedoch erste Hoffnungsschimmer ab.

Kurzfristig wird sich das Schicksal der deutschen Konjunktur aber in der Golfregion entscheiden. Falls der Konflikt mit dem Irak in einen Krieg mündet, sind sämtliche Prognosen über die wirtschaftliche Entwicklung 2003 ohnehin Makulatur. Die wachsende Kriegsgefahr wirft schon heute ihre tiefen Schatten voraus.

Die internationale Leitwährung Dollar gerät zunehmend unter Druck, weil ein Krieg die US-Wirtschaft voraussichtlich am stärksten treffen würde. Im Gegenzug hat der Euro mit rund 1,03 Dollar den höchsten Stand seit drei Jahren erreicht. Dies dämpft zusätzlich die Gewinne der Exportwirtschaft. Zugleich sorgen die zunehmenden Spannungen bereits für einen deutlichen Anstieg der Rohölpreise.

"Die Weltwirtschaft kann sich in den kommenden Quartalen keine weiteren Belastungen mehr leisten", lautet das Fazit der jüngsten Konjunkturstudie der Frankfurter Deka-Bank. Ohnehin hätten die Volkswirtschaften wegen der deutlich gestiegenen Terrorbedrohung schon eine "Terrorsteuer" zu entrichten. Höhere Sicherheitsaufwendungen, gestiegene Risikoprämien an den Kapitalmärkten und ein tendenziell geringeres Wachstum belasteten die ohnehin moderate Erholung, resümiert Deka-Chefvolkswirt Prof. Michael Hüther.

Eine ungefährdete Entwicklung der Weltwirtschaft - mit der Konjunkturlokomotive USA an der Spitze - ist ohnehin die Voraussetzung für eine baldige Konjunkturerholung in Deutschland. Nach den Prognosen der Bundesbank könnte der Welthandel 2003 sogar um satte 6 bis 8 Prozent zunehmen. Da weder vom inländischen Konsum noch von Investitionen in Maschinen und Bauten im kommenden Jahr ein nennenswerter Impuls zu erwarten ist, bleibt ein florierender Außenhandel der entscheidende Hoffnungsträger.

Mit einem Anteil des Exports von Waren und Dienstleistungen von 35 Prozent am Bruttoinlandsprodukt (BIP) ist die Bundesrepublik extrem stark von der Ausfuhr abhängig. Japan und die USA kommen nach einer Studie der Bayerischen Landesbank nur auf einen Exportanteil von 10 Prozent. Bereits 70 Prozent der in Deutschland produzierten Autos müssen einen ausländischen Kunden finden.

Zieht die Weltwirtschaft tatsächlich an, wäre Deutschland mit seiner breiten Angebotspalette industrieller Produkte sehr gut aufgestellt. Nach Angaben der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) hat sich die preisliche Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Export-Wirtschaft seit Mitte der 90er Jahre verbessert - nach einem Einbruch zu Beginn des vergangenen Jahrzehnts. Nicht zuletzt die sehr niedrige Inflation hier zu Lande - die auch 2003 gering bleiben wird - stärkt die Konkurrenzfähigkeit durch einen geringeren Anstieg der Produktionskosten.

Sämtliche Konjunkturprognosen gehen jedoch davon aus, dass erst in der zweiten Jahreshälfte die Wirtschaft in Deutschland langsam wieder Fahrt aufnimmt. Wegen des schwachen Starts wird das Wachstum im Jahresdurchschnitt aber nur 1 Prozent erreichen. Ob 2004 deutlich mehr als 2 Prozent reales BIP-Wachstum herauskommen, entscheidet sich in den nächsten Monaten auch in Washington.

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