Kriegsangst und Venezuela-Streik treiben
Drei-Monats-Hoch: Ölpreis über 29 Dollar

Der Ölpreis ist am Montag auf das höchste Niveau seit drei Monaten gestiegen, nachdem der Abschuss eines unbemannten US-Flugzeuges in Irak die Furcht vor einem von den USA geführten Krieg gegen das Land verstärkt hatte.

Reuters LONDON. Auch der fortdauernde Generalstreik in Venezuela hat Händlern zufolge den Ölpreis nach oben getrieben. Im Londoner Handel stieg der Preis für die marktführende Nordsee-Sorte Brent zur Lieferung im Februar um 1,08 Dollar auf 29,42 Dollar je Barrel (knapp 159 Liter) und damit den höchsten Stand seit drei Monaten. Damit hat sich der Preis für ein Barrel Öl innerhalb eines Monats um fast sechs Dollar erhöht.

Händlern zufolge ist zu befürchten, dass ein Angriff gegen das Ölförderland Irak und der gleichzeitige streikbedingte Ausfall der Öllieferungen aus Venezuela die anderen Länder der Organisation Erdöl exportierender Länder (Opec) zwingen würden, ihre Kapazitäten bis zur Grenze auszuweiten.

Am Montag ist ein unbemanntes US-Flugzeug in Irak über der südlichen Flugverbotszone abgeschossen worden. US-Generalstabschef Richard Myers wertete den Vorfall aber nicht als Eskalation des Konflikts zwischen Irak und den USA in der Abrüstungsfrage. Allerdings sind die Bemühungen zur Entwaffnung Iraks nach Angaben aus Regierungskreisen in die Endphase getreten. Vor dem Hintergrund der Irak-Krise hatte US-Präsident George. W. Bush eine für Januar geplante Reise nach Afrika verschoben. Die USA haben Irak mit Krieg gedroht, falls das Land im Streit über den von den USA angenommenen Besitz von Massenvernichtungswaffen gegen UNO-Resolutionen verstößt. Irak exportiert im Schnitt 2,1 Millionen Barrel Öl täglich.

In Venezuela befindet sich der Generalstreik nun schon in der vierten Woche. Die Ölförderung und die Exporte sind dadurch auf etwa ein Zehntel der normalen Menge von täglich rund 3,1 Millionen Barrel gesunken. Das Öl macht 80 Prozent der Exporte des lateinamerikanischen Landes und 50 Prozent der Staatseinkünfte aus. Zudem ist Venezuela der viertgrößte Öl-Lieferant der USA, die aus dem Land 13 Prozent ihrer Ölimporte beziehen. Gegner machen den Präsidenten Hugo Chavez für die Rezession in Venezuela verantwortlich und werfen ihm vor, ein kommunistisches Wirtschaftssystem nach kubanischem Vorbild einführen zu wollen.

US-Politiker befürchten, dass die Ölversorgung ihres Landes unter dem anhaltenden Streik in Venezuela leiden könnte. So ersuchte der Leiter des Energie- und Handelsausschusses des Repräsentantenhauses, Billy Tauzin, am Montag die US-Regierung, die strategischen Reserven anzuzapfen. Eine Sprecherin des Präsidialamtes, Claire Buchan, sagte dazu lediglich: "Die Situation wird beobachtet".

Unterdessen bemühte sich die Opec am Wochenende dämpfend auf die Preisentwicklung einzuwirken. Nach den Worten des saudi-arabischen Ölministers Ali el-Naimi will das Kartell die Fördermengen anheben, falls dies die Entwicklung des Ölpreises erfordere. Der Preismechanismus der Opec sieht vor, die Fördermengen um eine halbe Million Barrel täglich anzuheben, falls der Opec-Referenzpreis für Öl länger als 20 Tage über 28 Dollar je Barrel liegt. Dieser hatte am Donnerstag vergangener Woche 29,56 Dollar erreicht.

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