Kriegsrat auf den Azoren stellt der Uno ein Ultimatum
Bush spricht von Stunde der Wahrheit

Die USA, Großbritannien und Spanien haben die Uno im Kampf um eine Mehrheit für eine zweite Irak-Resolution per Ultimatum massiv unter Druck gesetzt. "Am Montag wird die Welt eine Stunde der Wahrheit erleben", sagte US-Präsident George W. Bush nach einem Gipfeltreffen mit dem britischen Premier Tony Blair und dem spanischen Premier José María Aznar am Sonntagabend auf den Azoren.

law/hst DÜSSELDORF. Er wolle jetzt sehen, "ob die Diplomatie funktioniert oder nicht" - und dann über das weitere Vorgehen entscheiden, sagte Bush nach dem nur einstündigen Treffen. Er nannte die Uno "eine sehr wichtige Institution, weil wir für die Kriege des 21. Jahrhunderts sehr viel internationale Kooperation brauchen".

Blair ergänzte, auf der Suche nach einem Ausweg gebe es noch eine letzte Runde von Telefonaten. Von der Uno verlangte er ein "klares Ultimatum" für einen Krieg gegen Saddam Hussein, falls dieser sich der Vernichtung seiner Massenvernichtungswaffen widersetze. Auch Bush forderte Saddam zu "sofortiger und bedingungsloser Abrüstung" auf.

Uno-Chefinspekteur Hans Blix äußerte sich nach dem Gipfel im schwedischen Fernsehen ungewohnt offen über die USA. Er kündigte einen weiteren Bericht für den morgigen Dienstag an, der aber "nicht mehr wichtig sei, wenn die USA am Montag den Irak anfallen". Es gebe keine Beweise, dass Bagdad Antrax oder Nervengas besitze, bis Sonntag seien 70 der 100 verbotenen Raketen zerstört worden.

In der US-Administration sind die Erwartungen offenbar gering, doch noch eine Mehrheit von neun Stimmen im Uno-Sicherheitsrat zu gewinnen. US-Außenminister Colin Powell hatte bereits vor dem Gipfel gefragt: "Brauchen wir eine zweite Resolution? Nein." Bislang war es Washington trotz massiver Einflussnahme nicht gelungen, sich im Sicherheitsrat eine Mehrheit zu sichern. Auch Blair und Aznar sagten jetzt, dass ein Krieg auch auf Basis der Resolution 1441 vom vergangenen November möglich sei. Ein Angriff sei jetzt "sehr viel wahrscheinlicher", sagte der britische Außenminister Jack Straw.

Dennoch wollen Frankreich, Russland und Deutschland heute eine weitere Friedensinitiative starten. Berlin, Paris und Moskau schlugen eine Krisensitzung des Sicherheitsrats vor, in der die Außenminister über die "vorrangigen Abrüstungsaufgaben" des Iraks und die weitere Arbeit der Waffeninspekteure beraten sollten. Das lehnten die USA ab. "Wir nähern uns einem Punkt, an dem ein weiterer Aufschub nur Saddam hilft", sagte US-Vize-Präsident Dick Cheney.

Eine Sprecherin des Auswärtigen Amts forderte alle Deutschen im Irak umgehend zur Ausreise auf. Sobald alle Bundesbürger das Land verlassen hätten, werde auch die deutsche Botschaft in Bagdad vorübergehend geschlossen. Auch Powell warnte vor einem weiteren Aufenthalt in Bagdad. Der Irak versetzte das Land in den Kriegszustand.

Am Samstag hatten weltweit Hunderttausende für den Frieden demonstriert. In Berlin bildeten mehr als 100 000 Menschen eine 35 Kilometer lange Lichterkette. Große Demonstrationen gab es in Italien, Spanien, Frankreich, Großbritannien und den USA.  

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